Neues Trikot des FC Barcelona Revolutiönchen mit den Barça-Farben

Plötzlich kariert unterwegs: Kheira Hamraoui und Gerard Piqué (re.) vom FC Barcelona.

(Foto: dpa)
  • Das neue Trikot des FC Barcelona empört viele Fans in Katalonien.
  • Die gewohnten Streifen sind weg - dafür ist das Design jetzt in Quadraten gehalten.
  • Der Hersteller hat seine eigene Idee mit dem neuen Outfit.
Von Jonas Beckenkamp

Immerhin, Marc-André ter Stegen mag das neue Leibchen seines Arbeitsgebers FC Barcelona. Der deutsche Nationaltorwart hat im Vereinsfernsehen als einer der Ersten seine Meinung kundgetan und die lautet: "Mir persönlich gefällt das Trikot sehr und ich hoffe, den Fans geht es auch so." Das sind harmlose Worte, aber wie so oft versteckt sich hinter ihnen weit weniger Harmloses. Denn: Mindestens ein Revolutiönchen ist es ja schon, dass der FC Barcelona in der kommenden Saison erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1899 in Quadraten aufläuft.

Vierecke statt Streifen, diese Neuerung müssen die Barça-Fans jetzt erst einmal schlucken. Ein Flickenteppich in Rot-Blau, angelehnt an die WM-Klamotte der kroatischen Nationalelf, so was Unerhörtes gehöre eigentlich postwendend "verbrannt", so der Tenor einiger Erstbetrachter im Netz, als der Klub die neuen Gewänder vorgestern auf Twitter präsentierte. "Bitte keine Bilder mehr davon" hieß es da - und: "Welch' ein hässliches Teil, erst verschandelt man unsere Spielidee und jetzt auch noch das Trikot." Oder: "Ein weiterer Beleg, dass Bertomeu Barça zerstört".

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Josep Maria Bartomeu, 56, ist Geschäftsmann und seit 2014 Präsident des FC Barcelona. Unter seiner Führung, so der Vorwurf, sei der Klub dabei, endgültig all seine Wurzeln zu verkaufen. Dabei geht zumindest ein Frevel in Sachen Sportbekleidung nicht mehr auf sein Konto: Bereits 2012 herrschte riesiger Zorn vonseiten der Aficionados, als mit Qatar Airways erstmals in der Vereinshistorie ein Sponsor auf dem Trikot werben durfte. Barça, das "unbewaffnete Heer Kataloniens", wie es der Schriftstellers Manuel Vázquez Montalbán einst formulierte, sollte der Ursprungsidee nach ja immer "Més que un club" sein - mehr als nur ein Fußballverein.

Eine Idee, ein kollektives Gefühl, ein Statement, auch in Sachen Unberührbarkeit. Bis jetzt, finden viele. Nun kassiert man auf Geheiß des Herstellers aus Nordamerika also die Längsstreifen auf dem Trikot, die bis auf eine Ausnahme im Jahr 2015 (Querstreifen!) unumstößlich Bestand hatten. Und der Klub hat alle Mühe, die Empörung der Traditionalisten einzufangen. An diesem Dienstag öffnen in Barcelona die Merchandiseläden, der Ansturm dürfte trotzdem beträchtlich sein, aber ob die Hartgesottenen, die "Culés", diesen Vermarktungsakt noch mittragen, ist mehr als fraglich.

In vorauseilender Versöhnlichkeit schickte der Verein deshalb bereits seine Helden in die Spur, damit diese ihrem neuen Outfit den Segen erteilen. "Spannend" finde er es, sagte etwa Kapitän Gerard Piqué brav, "es ist etwas anders designt, aber es repräsentiert perfekt unseren Klub und seine Verbindung mit den Fans und all den Menschen, die diese Stadt ausmachen." Was die Indignierten als kleinkariert empfinden, steht nämlich offiziell für die Häuser-Kachelreihen des Eixample-Viertels - jenes herrschaftlichen Zentrums der katalanischen Kapitale mit all seinen Avingudas und Boulevards. Apropos katalanisch: Am Kragen haben die Designer zudem deutlich sichtbar eine "senyera" verwebt, jene gelb-rot-gestreifte Flagge Kataloniens.

Außerdem sollen die Kästchen laut Ausrüster dafür sprechen, dass sich die Farben Barças in verschiedenster Form manifestieren können, so wie auch "Talent nicht nur auf einer Beschaffenheit" beruhe. Feinst schwurbeliger Kampagnensprech eben.

Und spätestens da fühlt man sich an eine ähnliche Debatte bei Juventus Turin erinnert. Die Alte Dame opfert nämlich in der kommenden Spielzeit ebenso ihre heiligen schwarz-weißen Streifen auf dem Altar des Marketings. Der Schock der Fans beruht dort auf einem neuen Entwurf mit einer rosaroten Linie, die das Trikot in eine schwarze und eine weiße Seite teilt. 116 Jahre Geradlinigkeit im Zebra-Look sind damit Geschichte - und nicht nur ein Nutzer fragt im Netz voller Inbrunst: "Was habt Ihr nur getan?"

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