FC Augsburg in der Bundesliga:Ein Lauf dank offensivem Mindset

FC Augsburg in der Bundesliga: Kevin Trapp (re.) gegen Ruben Vargas vom FC Augsburg: Der FCA holte gegen die Eintracht erneut einen Sieg und schiebt sich in der Tabelle immer weiter nach oben.

Kevin Trapp (re.) gegen Ruben Vargas vom FC Augsburg: Der FCA holte gegen die Eintracht erneut einen Sieg und schiebt sich in der Tabelle immer weiter nach oben.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Unter dem neuen Trainer Jess Thorup gelingt dem FCA eine bemerkenswerte Serie - nur Leverkusen und Bayern holten zuletzt mehr Punkte. Damit taugen die Schwaben sogar ein wenig zum Vorbild für die deutsche Nationalmannschaft.

Von Maik Rosner, Augsburg

Als nach dem Spiel die übergeordnete Frage erörtert wurde, wie der bemerkenswerte Lauf des FC Augsburg zu erklären ist, erinnerte Jess Thorup daran, welche Haltung der Erfolgsserie zugrunde liegt. "Das ist das, was ich vom ersten Tag an gesagt habe: offensives Mindset", betonte der Trainer, "wir versuchen immer nach vorn zu denken." Thorup nahm Bezug auf die Schlussphase, in der das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt noch hätte kippen können.

Nach Augsburgs sehr verdienter 2:0-Führung durch Tore von Fredrik Jensen (35.) und Iago (58.) hatte Kapitän Ermedin Demirovic mit einem verschossenen Foulelfmeter das 3:0 vergeben (76.). Kurz darauf unterlief FCA-Torwart Finn Dahmen stattdessen ein Eigentor, als der ehemalige Augsburger Philipp Max von der Grundlinie nach innen passte und Dahmen den Ball beim Abwehrversuch unglücklich mit der Hacke ins Netz lenkte (78.).

Doch die Augsburger blieben trotz dieser Rückschläge in schneller Folge bei ihrer nach vorn gerichteten Spielweise und Denke - sprich: gewinnen zu wollen, statt sich vor dem Ausgleich zu fürchten. Am Ende konnte der 53 Jahre alte Däne Thorup sprachlich so lustig wie passend bilanzieren: "Wir waren die klar beste Mannschaft auf dem Platz." Er sagte sogar: "Ich glaube, das war mein bestes Spiel als Augsburg-Trainer bis jetzt über 90 Minuten."

Es ist ein erstaunlicher Lauf des FC Augsburg mit Thorup. Vor dem achten Spieltag hatte er die Mannschaft von seinem freigestellten Vorgänger Enrico Maaßen übernommen, seither hat der FCA in sechs Spielen drei Siege und drei Unentschieden erwirtschaftet. Nur Tabellenführer Leverkusen und der Zweite FC Bayern haben in dieser Zeit mehr Punkte angehäuft als Thorups Elf, die sich als Mannschaft der Stunde in der Bundesliga fühlen darf. Am Sonntagabend hat sie sich in die obere Tabellenhälfte auf Platz neun geschoben, mit drei Punkten Rückstand auf den ersten Europapokal-Platz sechs, aber vor allem: schon acht Zählern Vorsprung auf Relegationsrang 16.

Gelungen ist das nicht nur, weil Thorup das Denken in Augsburg verändert hat. Er gibt der Mannschaft auch eine sehr klare Struktur, in der jeder seine Aufgaben kennt und in der es den Spielern erkennbar Freude bereitet, sich mit offensiven Geist für das Gemeinschaftswerk einzubringen. Am Tag vor dem Frankfurt-Spiel gehörte dazu auch Schnee schaufeln auf dem Trainingsplatz. Im Spiel stand für das offensive Miteinander exemplarisch Jensens Führungstor, das aus dem Augsburger Pressing und Hugo Larssons Ballverlust hervorging. Mit einem Kontakt setzte Demirovic sofort Jensen ein, dieser vollendete frei vor Kevin Trapp direkt und zielstrebig.

Eintracht Frankfurt fehlt das, was den FCA derzeit so stark macht

Es passte ins Bild, dass Frankfurts deutscher Nationaltorwart bei seiner Mannschaft vermisste, was die Augsburger vorgeführt hatten: "Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass wir die Spiele, die wir gewonnen haben, gewonnen haben, weil wir aggressiv waren, weil wir schnell nach vorn gespielt haben, schnörkellos", sagte Trapp nach der dritten Frankfurter 1:2-Niederlage in Serie. Trainer Dino Toppmöller kam vor dem DFB-Pokalspiel beim Drittligisten und FC-Bayern-Bezwinger Saarbrücken (Mittwoch, 18 Uhr) nicht umhin, die Niederlage als verdient einzuordnen: "Augsburg hat uns in allen Belangen den Schneid abgekauft, was Zweikampfführung, Emotionalität und auch mal ein einfaches Spiel betrifft", sagte er.

Der FCA taugt damit gerade sogar ein wenig zum Vorbild für die deutsche Nationalmannschaft. Dort ist der frühere Augsburger Julian Nagelsmann (Jugendspieler und Jugendcoach) als Bundestrainer nur ein paar Tage länger im Amt als Thorup. Dessen Erfolg scheint auch darauf zu gründen, dass er auf eine Kernelf mit einer Achse vertraut und die Startformationen nur dosiert verändert. Zudem verlangt Thorup ein einfaches Spiel - aber voller Überzeugung und so nah am Optimum wie möglich. Der erfahrene Coach geht damit ähnlich vor wie DFB-Sportdirektor Rudi Völler, als dieser die Nationalelf beim 2:1-Sieg gegen Frankreich im September angeleitet hatte, ehe Nagelsmann übernahm. "Nichts ist perfekt, aber für mich haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte Thorup am Sonntag. So gut wie er ist noch kein Trainer beim FCA gestartet.

Nur am Wetter müssen sie in Augsburg dringend arbeiten. Minus zwölf Grad Celsius wurden während des Spiels gegen Frankfurt gemessen. In den Haaren einiger Spieler hatte sich beachtlicher Raureif gebildet. "Es war unglaublich kalt, ich hatte echt Probleme, meine Hände und Füße warmzuhalten", sagte Torwart Dahmen. Nur den aktuellen und ehemaligen Nordmännern der Augsburger gefiel die Eiseskälte angeblich. "Für mich war das ein Gefühl von Zuhause", witzelte der Finne Jensen. Und der nachträglich verabschiedete Augsburger Bundesliga-Rekordtorschütze Alfred Finnbogason scherzte während der Halbzeit bei Dazn: "Das ist ein normaler Sommertag in Island."

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