FC Arsenal:Aufgetaucht aus der Teufelsspirale

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FA Cup Semi Final - Arsenal v Manchester City

Jubel bei Arsenal: Pierre-Emerick Aubameyang (2.v.re.) gelingen zwei Treffer, Lob gibt es von Trainer Mikel Arteta (re.)

(Foto: REUTERS)

Beim FC Arsenal hat Trainer Arteta aus der Not heraus ein Team auf die Beine gestellt, das über Einsatz fehlende Qualität kompensiert - und sogar Lehrmeister Guardiola besiegt.

Von Sven Haist, London

Wie es die Tradition in England verlangt, laufen die Spieler im heiligen Wembley nicht einfach so auf den Platz. In einem formellen Akt weist der Kapitän seinen Mitspielern vor dem Anpfiff den Weg in dieses riesige Stadion. Im Halbfinale des FA-Cups am Samstag zwischen dem FC Arsenal und Manchester City (2:0) führte dieses Ritual vor Augen, dass Pierre-Emerick Aubameyang tatsächlich Spielführer der Londoner ist. Das prestigeträchtige Amt war bei Arsenal - einst geprägt durch Galionsfiguren wie Tony Adams und Patrick Viera - zuletzt herumgereicht worden wie ein Staffelstab. In den vergangenen 13 Jahren hatte der Klub neun Kapitäne.

Den unschönen Anfang in dieser Reihe machte William Gallas: Nach einer Verbalattacke auf seine Mitspieler, denen Gallas Ende 2008 fehlende Courage vorwarf, musste er die Spielführerbinde an Cesc Fàbregas abgeben. Zweieinhalb Jahre später rebellierte sich Fàbregas zum FC Barcelona. Für eine Saison folgte ihm Robin van Persie als Kapitän - bis der sich nach einem Disput zu Manchester United verabschiedete. Die Nachfolge übernahm Thomas Vermaelen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen ließ sich Vermaelen nichts zuschulden kommen, aber seine Knieblessuren führten 2014 zur Trennung.

Ähnliches Pech hatte Mikel Arteta, der seit Weihnachten nun Cheftrainer bei Arsenal ist. In seiner Rolle als Kapitän setzten ihn oft Verletzungen außer Gefecht, in zwei Spielzeiten stand Arteta nur in 16 Spielen der Premier League auf dem Rasen. Beim Deutschen Per Mertesacker, ebenfalls geplagt von Knieproblemen, waren es danach in seiner Spielführer-Zeit bei Arsenal zwischen 2016 und 2018 sogar nur sieben Ligapartien. Danach erzwang Laurent Koscielny durch einen Streik in der Vorbereitung als Kapitän seinen Transfer zu Girondins Bordeaux. Daraufhin wurde Granit Xhaka vor dieser Saison zum Sprachrohr des Arsenal-Teams ernannt. Nach nur vier Monaten war im Oktober auch für ihn Schluss im Amt, weil der Schweizer bei einer Auswechslung Fans beschimpfte, die ihn zuvor verunglimpft hatten.

Aubameyang belohnt die Defensive

Seitdem trägt nun also Torjäger Aubameyang, 31, die Verantwortung. Nach eigenen Angaben kaufte er als Jugendlicher ständig Armbinden, weil er unbedingt Kapitän sein wollte. Dieses Kapitel könnte - typisch Arsenal! - allerdings ebenso bald wieder beendet sein: Der Vertrag des eigenwilligen Torjägers aus Gabun läuft 2021 aus, eine Einigung in dem zähen Gehaltspoker ist derzeit nicht in Sicht.

Die unfreiwilligen Wechselspiele im Kapitänsamt galten bei Arsenal lange Zeit als Ausdruck fehlenden Rückgrats - in einem Team, bei dem es ohnehin oft so aussah, als spiele jeder nur für seine eigene Agenda; und das auch nur, wenn er gerade Lust hatte. Durch diesen Mangel an Führungskompetenz und Standhaftigkeit, der gleichermaßen in der Klubführung zu beobachten war, geriet Arsenal in eine Teufelsspirale. Das Abrutschen ins Ligamittelfeld scheint nun aber sinnigerweise jener Arteta stoppen zu können, der die Anfänge der negativen Entwicklung in London zu seiner Zeit als Spieler hautnah erlebte - und daher wohl weiß, wo genau anzusetzen ist.

Nach dem hart erstrittenen 2:1 in der Liga über Meister Liverpool hat Arsenal nun im Pokal-Halbfinale mit dem 2:0 gegen Titelverteidiger City den Beweis erbracht, dass die aktuellen Erfolge wohl keinen seltenen Naturschauspielen gleichkommen.

Mit völlig neuer Resistenz verteidigten die Gunners das eigene Tor und opferten sich auf, als stünde für jeden die Zukunft auf dem Spiel. Hinterher postete Aubameyang, der in der Regel lieber auf sich selbst verweist, den Jubel der Mannschaft und schrieb: "Das war eine Teamleistung!!!" Mit zwei sehenswerten Toren (19./71.) belohnte er Arsenals Aufwand, am Schluss half er selbst im eigenen Strafraum aus.

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