Ex-Bayernspieler Demichelis und Van Buyten:Zwei alternde Münchner in Brasília

Lesezeit: 2 min

World Cup 2014 - Quarter final - Argentina vs Belgium

Martin Demichelis und Daniel van Buyten beim Kopfballduell.

(Foto: dpa)

Jahrelang spielten sie Seite an Seite beim FC Bayern - im WM-Viertelfinale begegneten sich Martin Demichelis und Daniel Van Buyten als Gegner. Die WM-Analyse des Tages zeigt: Der in die Jahre gekommene Belgier ist dabei nicht der schlechtere Akteur.

Von Martin Anetzberger

Daniel Van Buyten konnte sich nach der Niederlage seiner belgischen Mannschaft gegen Argentinien im WM-Viertelfinale eine Spitze nicht verkneifen: "Uns hat nur Erfahrung gefehlt. Spielt Deutschland gegen Argentinien, dann setze ich alles, was ich habe, auf Deutschland. Deutschland würde Argentinien locker schlagen", sagte der seit wenigen Tagen vertragslose 36-jährige Verteidiger im deutschen Fernsehen.

Das dürfte auch Argentiniens Abwehrspieler Martin Demichelis nicht entgangen sein. Er kam beim Turnier in Brasilien zum ersten Mal zum Einsatz. Auch der 33-Jährige analysierte das Spiel in deutscher Sprache. Der Einzug ins Halbfinale sei "ein ganz emotionaler Moment", sagte er, vergaß aber nicht, die starken Spieler der Belgier hervorzuheben. Als Gewinner fällt das Loben leichter.

Die alternden Demichelis und Van Buyten kennen sich gut aus ihren gemeinsamen Jahren beim FC Bayern. Der Argentinier spielte von 2003 bis 2010 in München, beim Belgier wurde der Vertrag, der seit 2006 lief nun nicht mehr verlängert. In der vergangenen Saison kam der 36-Jährige kaum noch zum Einsatz. Für das WM-Turnier haben sich die beiden Ex-Münchner ihre Zotteln kurz geschnitten, vielleicht wegen der Hitze. Auf jeden Fall sehen sie damit wesentlich jugendlicher aus. Nun trafen sie in Brasília mit ihren Nationalmannschaften aufeinander. An Erfahrung mangelt es beiden sicher nicht, doch konnten sie ihre Mannschaft unterstützen?

Ein Blick in die Daten unseres Kooperationspartners Opta verrät: Demichelis wies mit 84,4 Prozent die deutlich bessere Passquote auf (van Buyten: 76,3 Prozent). Der belgische Hüne hatte dagegen Vorteile im Zweikampf - er verlor keinen einzigen und blockte zwei Schüsse. Der Argentinier gewann nur 57 Prozent seiner Zweikämpfe und nur drei seiner sechs Kopfballduelle.

Auch im direkten Laufduell hätte Van Buyten trotz seines höheren Alters wohl bessere Chancen: 28,69 Stundenkilometer erreichte er laut Fifa-Statistik bei einem seiner 22 Sprints, Demichelis kam nur auf 26,06, sprintete ebenfalls 22 Mal. Da gibt es bei dem WM-Turnier allerdings deutlich schnellere Spieler als die beiden Mittdreißiger; Arjen Robben beispielsweise, derzeit beim FC Bayern unter Vetrag, erreicht bis zu 32 Stundenkilometer.

Doch auch Van Buyten half den Belgiern am Ende nichts. Vor dem 0:1 stand er einen Tick zu weit entfernt von Gonzalo Higuaín. Der reagierte nach einem abgefälschten Ball blitzschnell und beförderte den Ball - ohne ihn vorher anzunehmen - an Van Buyten vorbei ins Tor (8. Minute). Auch beim Lattenschuss des Stürmers (55.) konnte der Belgier nicht mehr eingreifen. Demichelis' Unzulänglichkeiten blieben ohne Folgen, allerdings hatten die Europäer während des gesamten Spiels nur zwei wirklich gefährliche Aktionen, nur ein Schuss ging aufs Tor.

Eine Szene steht symptomatisch für den unglücklicheren Auftritt Van Buytens. Kurz vor Schluss versuchte der wie auch schon beim FC Bayern häufig zum Mittelstürmer umfunktionierte Belgier einen Freistoß herauszuholen - im direkten Zweikampf mit Demichelis. Doch sein Gegner ließ ihn an seiner Schulter abprallen und blieb Sieger. Als Lionel Messi wenig später frei vor Belgiens Keeper Courtois das entscheidende 2:0 vergab, war Van Buyten längst kein Verteidiger mehr.

Demichelis träfe bei einem Sieg im Halbfinale im Endspiel auf Deutschland oder Brasilien. Aktuelle oder ehemalige Spieler des FC Bayern würden ihm im Maracanã-Stadion von Rio ziemlich sicher erneut begegnen. Dante wird wohl den gesperrten Thiago Silva ersetzen. Lucio, Demichelis' zweiter langjähriger Verteidigerkollege aus München, hat seine Karriere in der Seleção indes bereits beendet.

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