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Ewald Lienen beim Krisenklub AEK Athen:Junger Kerl ohne politische Ansichten

Zudem: Der 20-Jährige sei "ein junger Kerl ohne politische Ansichten", am Samstag saß dieser heulend in der Kabine und verstand angeblich nichts. Da war er besonders gefordert, der strenge Therapeut aus Schloss Holte-Stukenbrock, der einst bei den Fohlen in Gladbach tollkühne Dribblings zeigte.

Lienen wundert sich über nichts bei seiner dritten Station in Griechenland. Obwohl sein Engagement neue Zuspitzungen beinhaltet. "Man kann sich das in Deutschland nicht vorstellen", sagt er. Der Klub, das merkte er bald, war ausgenommen wie eine Gans. Spieler und Berater bedienten sich, Transferentschädigungen sind noch zu leisten, Gehaltszahlungen auch. Werbe- und TV-Erlöse fließen zur Tilgung gleich ab. Dazu drückt eine Steuerlast in zweistelliger Millionenhöhe.

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Politisch aktive Sportler

Mit Schwung in die Politik

Eric Cantona will nicht Präsident von Frankreich werden, es war nur ein PR-Gag. Dabei hätte es so gut gepasst: Zahlreiche Sportler sind politisch aktiv, von Schorsch Hackl über Vitali Klitschko bis hin zu Manny Pacquiao. Ein ehemaliger Footballspieler wurde einst gar US-Präsident.

"Es wurde stets netto gezahlt", sagt Lienen, der immerhin fürs Diensthandy nicht aufkommen muss. Seine zumeist jugendlichen Spieler, Profis wohlgemerkt, kassieren zum Teil 500 bis 1000 Euro im Monat. Nur ein Investor kann AEK retten, es gibt einen Interessenten. Doch "die Regierung hat auf Druck der EU und der Troika beschlossen, dass alle Schulden binnen eines Jahres beglichen werden müssen", sagt Lienen. Utopisch. Selbst beim Klassenverbleib, der vier Spieltage vor Schluss nicht feststeht, könnten die Lichter ausgehen. Kaum vorstellbar, was dann los ist. Die Originals 21 geben einen Vorgeschmack, was blühen könnte.

Seit Monaten haben Aktivisten, nach Block 21 im Stadion benannt, einen Raum in der Geschäftsstelle besetzt. Alles friedlich. Aber unmissverständlich. "Die wollen Antworten haben, wer für die Pleite verantwortlich ist, warum keiner der reichen Mitglieder hilft." Am Anfang hausten bis zu 15 dieser Hardcore-Fans in dem Gebäude, inzwischen wechseln sich zwei bis drei mit der Belagerung ab. Ein Zustand, den Lienen so beschreibt:

"Vor Videoanalysen muss ich Matratzen zur Seite schieben. Oder die Anlagen sind auseinandermontiert, nichts geht dann." Einen Monat lang gar seien die Mitarbeiter der Geschäftsstelle nicht erschienen. Als Lienen drohte, hinzuwerfen, kamen sie zurück. Die Fans rauswerfen, geht nicht: "Die rücken mit 5000 Mann an." Die Geschichte von AEK ist die Geschichte eines Fußballklubs, der diverse Probleme unserer Zeit vereint: die politisch heikle Lage, das oftmals kaputte System im Fußball, Korruption, Überlebenskampf. Aber nicht nur das, zum Glück.

"Ich mache das, weil hier viele engagierte Menschen sind", sagt Lienen. Die Mentalität, die Kultur schätzt er, "die leben alle für AEK, man wird oft mit einer unglaublichen Herzlichkeit überschüttet". Die schnell aber auch erdrücken kann. "Als wir sechs Spiele nacheinander erfolgreich waren, faselten alle gleich von der Qualifikation für die Europa League. Hier gelten andere Regeln." Lienen lacht nun doch ungläubig. Selbst er sagt: "Das alles ist Stoff für ein ganzes Buch."