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Erklärung von Franz Beckenbauer:Hat Beckenbauer nicht sowieso schon genug vorgelegt?

Falls nicht, hat Niersbach etwas Falsches erzählt. Es entstünden weitere Fragen. Falls doch, wird die Absurdität der angeblichen Forderung - gib mir 6,7 Millionen, dann kriegst du 170 Millionen - nur von der Behauptung übertroffen, dass sich Beckenbauer daraufhin, laut Niersbach, mit dem Gedanken getragen habe, selbst die 6,7 Millionen vorzuschießen. Um später auf ein stilles Geschäft mit dem Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus umzusatteln, der das Geld vorschossen haben soll.

Wie kann ein OK-Präsident, sollte die Fifa tatsächlich qua Finanzkommission so eine dreiste Forderung an den WM-Partner gerichtet haben, auf die Idee verfallen, dass er diese aus der Privatkasse vorlegen könne? Hatte Beckenbauer nicht sowieso schon genug Verzicht geübt - er, der ja nur ehrenamtlich tätig war für die WM 2006? Das von Niersbach beschriebene Szenario, dass Beckenbauer ans eigene Ersparte wollte, legt eine Erpressung seitens der Fifa nahe. Aber womit?

Die WM war bereits seit 2000 an die Deutschen vergeben, auch hat die Fifa stets Geld für die Veranstalter beigesteuert. Falls es um einen Sonderzuschlag ging, hätte dieser öffentlich verhandelt werden können. Warum stille Transaktionen? Warum sichert der Adidas-Chef den Deutschen die WM-Zuschüsse? Wenige Zeilen hat Beckenbauers Erklärung. Erklären tut sie nichts. Schon gar nicht die Kernpunkte der Affäre: Wann zahlte Louis-Dreyfus die Millionen? An wen? Von wem erfolgte die Rückzahlung? Wann? Auf welches Konto?

Er habe bei der Anhörung alles beantwortet, so Beckenbauer. Mag sein, es wird auf den Inhalt ankommen. Bis dahin bleibt im Raum, was er nicht tat: die Existenz einer schwarzen Kasse zu dementieren.

© SZ vom 27.10.2015/dayk

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