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Borussia Mönchengladbach:Der gleiche Embolo, nicht aber derselbe

Koeln Rheinenergiestadion 14 09 19 1 Bundesliga 4 Spieltag 1 FC Koeln Borussia Moenchenglad; Breel Embolo

Bei Borussia Mönchengladbach ist Breel Embolo (l.) fast schon ein "Schlüsselspieler".

(Foto: imago images / Eibner)
  • Drei persönlich und sportlich unglückliche Jahre liegen hinter dem Angreifer Breel Embolo.
  • Sein Neuanfang bei der Borussia deutet darauf hin, dass er zum Überraschungsfaktor im Team werden kann.

Während Düsseldorf sich rühmt, die größte japanische Gemeinde Deutschlands zu beherbergen, darf das nahe Mönchengladbach eine Besonderheit reklamieren, die sogar im Rang eines Weltrekords steht: In keiner Stadt jenseits der Heimat sind mehr schweizerische Fußball-Nationalspieler beschäftigt als in der Stadt am Niederrhein. Borussia Mönchengladbach ist, seit Max Eberl dort die Transfergeschäfte leitet, eine Domäne eidgenössischer Spitzenfußballer. Obwohl im Sommer Josip Drmic und Michael Lang den Verein verlassen haben, zählt die Schweizer Fraktion im Team immer noch vier Köpfe, und wie es aussieht, fühlen sie sich bei der Borussia äußerst heimisch. Als in der vorigen Woche der im Sommer zugewanderte Trainer Marco Rose in die Runde fragte, was den Spielern zum Derby beim 1. FC Köln einfiel, da war es der Torwart Yann Sommer aus dem Kanton Waadt, der als Erster das Wort ergriff und die spezielle Bedeutung der Partie beschrieb. "Viele Dinge kamen, die wir ins Spiel mitnehmen konnten", staunte Rose.

Yann Sommer hatte seinen Anteil am 1:0-Sieg der Borussia in Köln, in der zweiten Halbzeit sorgte er mit starken Paraden nach Schüssen und Kopfbällen von Dominik Drexler, Anthony Modeste und Simon Terodde dafür, dass die Gladbacher ihre Führung ins Ziel brachten. Doch es war vor allem sein Landsmann Breel Embolo, dem besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Nicht wenige Zuschauer wunderten sich: Ist das derselbe Breel Embolo, der drei Jahre auf Schalke große Not damit hatte, seinen guten Ruf als Top-Talent von internationaler Geltung zu bestätigen?

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Auf die Frage lässt sich neunmalschlau antworten, dass es sich zwar um den gleichen, nicht aber um denselben Embolo handelt. Wobei er hin und wieder auch noch der altbekannte Schalke-Embolo ist, etwa bei seinem Torschuss in der 66. Minute, als er den Ball etwa 20 Meter übers Tor setzte. Dies war eine der Szenen, die er später ansprach, als er meinte, seine Elf sei "ein bisschen zu locker und leichtfertig mit den Chancen umgegangen". Was er hingegen über den Gegner sagte, hätte er auch über sich selbst sagen können: Die Kölner hätten im zweiten Abschnitt gezeigt, "dass sie spielen und gefährlich werden können". In seinem Fall traf der Satz eher umgekehrt zu, doch auch in der zweiten Halbzeit erfüllte er noch eine wichtige Rolle. Manche bezeichnen ihn bereits als "Schlüsselspieler" im zunehmend besser funktionierenden System des Trainers Rose.

Drei persönlich und sportlich unglückliche Jahre liegen hinter Embolo, dennoch hatte sich der neue Schalker Trainer David Wagner besonders auf ihn gefreut, bevor er den Posten antrat. Doch Embolo wollte nicht mehr in Gelsenkirchen bleiben, er habe den Klub unbedingt verlassen wollen, berichten Schalker Verantwortliche. Eberl, der sich schon früher um Embolo bemüht hatte, nutzte die Gelegenheit und übernahm den Angreifer zu einem Preis, der den Schalkern wehtat: 10 Millionen Euro plus Aussicht auf Bonuszahlungen bleiben ihnen von ihrem mindestens doppelt so teuren Rekordtransfer. Und Rose freute sich über einen erklärten Wunschspieler.

Embolo verhilft Trainer Rose zu steigendem Ansehen

Beim Derby nahm Embolo in der Gladbacher Mittelfeldraute die offensive Position hinter den Spitzen Alassane Plea und Marcus Thuram ein. Eine Rolle, die er aus Schalker Zeiten garantiert nicht kennt, die ihm aber zugutekommt. Er kann sein Tempo nutzen, sein Durchsetzungsvermögen und seinen Instinkt fürs Spiel. Dieser beschert ihm zwar manchmal seltsame Momente des Misslingens, macht ihn jedoch für den Gegner zum unberechenbaren Faktor. Zudem ist er mit seiner Zweikampfkraft ein wertvoller Mitarbeiter für Roses Angriffspressing, den Kölner Defensiv- und Aufbauspielern ging der fleißige Embolo unentwegt auf die Nerven. Das Tor des Tages (14. Minute) bereitete der 23-Jährige mit einem Solo vor, FC-Verteidiger Ehizibue verlängerte sein Zuspiel zum Schützen Plea.

Was er im Sommer mit Embolo gemacht habe, wurde Rose gefragt. "Ja, das wollte ich euch schon längst gesagt haben", erwiderte er, "wir waren drei Wochen im Urlaub." Kleiner Scherz. "Gar nix habe ich gemacht", setzte der Trainer fort, "wir haben geredet", er habe ihm "einen Neuanfang" in Aussicht gestellt. Der voreiligen Dichtung von Heldensagen trat Rose mit dem Hinweis entgegen, Embolo habe "in vielen Teilbereichen noch viel Luft nach oben". Ob er diese Möglichkeiten nutzen kann, das ist zuerst eine Frage der Gesundheit. Auf Schalke kam er auch deswegen nicht in Schwung, weil er anderthalb der drei Jahre verletzt pausieren musste. Darüber hinaus war von einem definierten taktischen Auftrag an ihn oft wenig zu sehen. Dass Rose erklärte, man habe "schon bei der Verpflichtung gewusst", dass sich Embolo als Offensivkraft hinter den Spitzen besonders gut eigne, klang nicht wie ein Kompliment an den vorigen Arbeitgeber.

Als neuer Vorzeigevertreter der Schweizer Borussia-Garde ist Embolo nicht nur im Begriff, seine Karriere voranzubringen, er verhilft auch dem Trainer zu steigendem Ansehen. Rose ist angetreten, der Borussia eine andere Spielweise beizubringen nach den Jahren, die von Lucien Favres Ballbesitzfußball geprägt waren. "Jeder Sieg hilft uns, Vertrauen zu bekommen - und das Vertrauen in mich wächst dann hoffentlich auch immer mehr", sagte er.

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