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BVB vor der Champions League:Guter Zeitpunkt für ein Königsspiel

Gegen Leverkusen ideal abgestimmt: die Dortmunder Offensive um Marco Reus (l.) und Jacob Bruun Larsen.

(Foto: AP)
  • Die 1:3-Pleite bei Union Berlin hatte beim BVB alte Wunden wieder aufgerissen, scheint aber scharf analysiert worden zu sein.
  • Gegen Leverkusen gelingt ein 4:0-Sieg, der noch höher hätte ausfallen können.
  • In der Champions League dürfte Trainer Favre gegen Barcelona eine ähnliche Taktik wie gegen Leverkusen wählen.

Eine gute Nachricht des Tages kam nicht aus dem Stadion, sondern vom Sonnenplatz. Dort, einen guten Kilometer entfernt, am Rande des schicken Kreuzviertels, brüllte eine massive Übermacht von BVB-Anhängern in Schwarzgelb eine Demo von etwa 40 Neonazis nieder, die sich am Rande eines der wichtigsten Anmarschwege zum Stadion postiert hatten. Die Nazi-Gemeinde hatte dazu den BVB-Schlager "Am Borsigplatz gebor'n" aufgelegt, um sich bei den Fans anzubiedern - und erntete Häme. Kaum mehr als eine Randnotiz, aber doch ein Zeichen.

Der 4:0-Triumph der Dortmunder Profis verbreitete nach diesem Vorspiel allerdings das wahre Wohlgefühl im BVB-Anhang. Souverän herausgespielt, mit Einsatz, Geduld, Spielfreude und einigen besonders schönen Spielzügen. Der hoch gehandelte Gegner Bayer Leverkusen konnte zwar 64 Prozent Ballbesitz verbuchen, als Gast bei einem Meisterschafts-Aspiranten ist das ein erstaunlicher Wert, aber wie BVB-Sportchef Michael Zorc zufrieden anmerkte: "90 Prozent diese Ballbesitzes fand in irrelevanten Zonen statt."

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Beim 4:0 gegen Leverkusen zeigt die Dortmunder Mannschaft ihre hohe Qualität. Während Trainer Favre die "Geduld" lobt, wirkt Gäste-Coach Bosz deprimiert.   Von Ulrich Hartmann

Das traf tatsächlich den Kern des Vier-Tore-Unterschieds - und vor allem den Leverkusener Trainer Peter Bosz traf es ins Herz. Denn vor zwei Jahren hatte Bosz bei Borussia Dortmund auf der Trainerbank gesessen, doch nach einer fulminanten Siegesserie zu Saisonbeginn war ihm die Kontrolle über Spiel und Mannschaft entglitten. Noch vor Weihnachten 2017 war Bosz wieder draußen. Mit Leverkusen hatte Bosz nun mit Ballbesitzfußball und hohem Attackieren des Gegners ähnliche Mittel anwenden wollen - und scheiterte erneut.

Favre überlässt Leverkusen freiwillig den Ball in gewissen Zonen

Der Zauber des Boszschen Überlegenheitsfußballs dauerte an diesem Tag nur gut 20 Minuten. Dann leistete sich seine Mannschaft einen scheinbar harmlosen Ballverlust gegen Achraf Hakimi, der konnte seelenruhig laufen und flanken, so dass Paco Alcácer in typischer Torjäger-Manier vollstrecken konnte: direkt, trocken, wie ein Phantom. Schon da deutete sich an, dass es mit der von Bosz erhofften starken Rückkehr nach Dortmund nichts werden würde. Die 1:3-Pleite bei Union Berlin, mit der sich der BVB ziemlich blamabel vor zwei Wochen in die Länderspielpause geschlichen hatte, schien scharf analysiert worden zu sein. In Berlin waren die Spieler von Trainer Lucien Favre kollektiv sieben Kilometer weniger gerannt als der aufmüpfige Aufsteiger. Das war diesmal anders.

Leverkusen enttäuschte vor allem deshalb, weil es kaum Aktionen gab, mit denen Bosz' Spieler die Dortmunder 16-Meter-Linie erreicht hätten. Der BVB verhinderte das souverän. Der Schlüssel dazu war das defensive Mittelfeld, erstmals in dieser Saison wieder vom aggressiv verteidigenden Thomas Delaney bereichert. Zorc attestierte dem Dänen trocken: "Er dürfte heute geschätzte 200 Zweikämpfe geführt haben, und von denen hat er gefühlte 210 gewonnen."

Favre überließ zudem seinem Pendant Bosz freiwillig viel Ballbesitz. Und ließ mit sehr kompakter Staffelung die Leverkusener ins Leere rennen. "Leverkusen hatte kaum Chancen", resümierte Delaney, "wir haben uns viel Selbstvertrauen geholt, gerade für das Spiel gegen Barcelona, bei allem Respekt."