EM-Wunderknaben - Nani Ronaldos Pendant will es wissen

Nicht nur die Profis des FC Bayern müssen vor der EM eine deprimierende Niederlage verarbeiten. Auch Nani muss sich wieder aufrichten. Viele glauben, dass der kleine Flügelstürmer sein erstes großes Turnier spielen kann - dem portugiesischen Team würde ein zweiter Protagonist gut tun.

Von Carsten Eberts

"EM-Wunderknaben" ist die Serie von Süddeutsche.de zur Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Bis zum Turnierstart stellen wir jeden Tag einen hoffnungsvollen Kicker vor, der ein Gesicht dieser EM werden könnte.

Portugiesische Hoffnung: Nani.

(Foto: dpa)

Entgegen eines weit verbreiteten bayerischen Volksglaubens sind schlimme, ungerechte und hochgradig deprimierende Niederlagen nicht ausschließlich jenen Fußballprofis aus München vorbehalten. Auch die Spieler des englischen Großklubs Manchester United hat es zuletzt böse erwischt. Nani, der kleine Flügelstürmer von den Kapverdischen Inseln, ist darüber noch nicht wirklich hinweg.

Wenige Wochen ist es her, als sich der Portugiese mit ManU im Fernduell mit dem Stadtrivalen City um die englische Meisterschaft für einige Minuten als Sieger fühlen durfte. Kurz vor Schluss wähnte sich United als sicherer Meister - erst in der Nachspielzeit, in den Minuten 90+2 und 90+4, schossen die City-Stürmer Edin Dzeko und Sergio Agüero noch zwei Tore, Agüero sogar mit dem letzten Schuss des Spiels. City gewann doch noch 3:2 gegen die Queens Park Rangers, United blieb nur Platz zwei.

Für Nani, den rechten Außenstürmer im Team von Alex Ferguson, war es eine schwere Stunde. "City hatte unglaubliches Glück", klagte der 25-Jährige kurz vor der Europameisterschaft dem portugiesischen Sender RTP sein Leid: "Es war äußerst schmerzhaft, den Premier-League-Titel in den letzten Minuten zu verlieren." Und fügte grimmig an: "Ich kann nur hoffen, dass diese Europameisterschaft meine wird."

Enttäuschende Großereignisse

Nun spricht aus Sätzen wie diesem stets eine Menge Trotz. Jedoch könnte die EM, die am Freitag in Polen und der Ukraine beginnt, tatsächlich das Turnier von Nani werden. Nicht, dass es für die Portugiesen gleich zum Titelgewinn reichen soll, dazu hat diese Mannschaft ihre besten Zeiten wohl hinter sich. Nani, der kleiner Zauberfuß, könnte jedoch in der Lage sein, den großen Ansprüchen an seine Person gerecht zu werden. Zum ersten Mal in der Nationalmannschaft.

Nani ist einer dieser Spieler, dem sehr früh große Aufgaben zugetraut wurden. Flink und fintenreich war der 54-fache Nationalspieler schließlich schon immer. Als er mit 20 Jahren in Portugals Nationalelf debütierte und ein Jahr später zu Manchester United wechselte. Die passenden Bilder, seinen spektakulären Capoeira-Torjubel, lieferte Nani gleich mit (ehe ihm Ferguson diese halsbrecherischen Aktionen verbot). Nani, so hofften die Portugiesen, könnte der zweite strahlende Fußballheld werden. Neben Christiano Ronaldo.

Wohl etwas zu früh. Denn vor allem die Großveranstaltungen wurden für ihn zur Enttäuschung. Stets war Nani einer jener Portugiesen, die ihre guten Leistungen aus der Saison nicht bis zum Saisonhöhepunkt konservieren konnten. Etwa bei der EM 2008, als Portugal im Viertelfinale an Deutschland scheiterte, Nani häufig nur eingewechselt wurde. Das WM-Turnier 2010 verpasste er wegen einer Oberschenkelverletzung sogar ganz. Immer war Ronaldo der tragische Held, der auf dem Platz riesengroße Tränen vergoss. Nani hatte, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle.

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