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Russland:Erster Torschrei in Sankt Petersburg

Der Akrobat fliegt - diesmal am Ball vorbei: Finnlands Torwart Lukas Hradecky streckt sich nach Alexej Mirantschuks Schuss vergeblich.

(Foto: Evgenia Novozhenina/Pool via AP)

Russland wahrt beim 1:0 gegen Finnland mit dem Premierenerfolg bei dieser EM die Chance aufs Weiterkommen - weil Alexei Mirantschuk ein feiner Schuss gelingt.

Von Sebastian Fischer, Sankt Petersburg

Stanislaw Tschertschessow drehte sich um und schaute zur Tribüne, diesmal wollte er den Lärm um ihn herum unbedingt wahrnehmen. Russlands Nationaltrainer wollte ihn sogar vergrößern, deshalb ruderte er mit den Armen. Er hörte diesmal ein für ihn sehr angenehmes Geräusch: Den Jubel der Fans im mit rund 25 000 Zuschauern gefüllten Stadion in Sankt Petersburg über Russlands erstes Tor bei der EM, ein feiner Schuss von Alexei Mirantschuk in den Winkel. Das erste Tor reichte beim 1:0 (1:0) gegen Finnland auch für Russlands ersten Sieg, der die Chancen aufs Weiterkommen wahrt.

Tschertschessow, 57, hat in den vergangenen Tagen eher schlechte Laune bekommen, wenn er auf Russlands Fans angesprochen wurde. Sie hatten bei der Auftaktniederlage gegen Belgien gepfiffen, als die gegnerischen Spieler als Symbol gegen Rassismus vor dem Anpfiff niederknieten. Die Frage habe nichts mit Fußball zu tun, bemerkte Tschertschessows zunächst, als er etwas dazu sagen sollte - um auf wiederholte Nachfrage dann zu erklären, er habe die Pfiffe gar nicht gehört.

Auch Sankt Petersburg verschärft die Corona-Maßnahmen wieder

Nein, für die Russen hatte das Turnier nicht gerade gut begonnen: Erst mit einem positiven Corona-Test von Mittelfeldspieler Andrej Mostowoi, dann mit dem 0:3 gegen die Belgier, Routinier Juri Schirkow, 37, verletzte sich dabei am Knie und droht für das Turnier auszufallen. Euphorie wie bei der Heim-WM 2018, als Russland ins Viertelfinale kam, will noch nicht so recht aufkommen in Sankt Petersburg, von guter Stimmung an der Fan-Meile in der Innenstadt mal abgesehen. Und dann wurde auch noch verkündet, dass aufgrund steigender Infektionszahlen die Corona-Maßnahmen auch in Sankt Petersburg wieder verschärft werden. Ein paar neue Regeln gelten ab Donnerstag, womöglich nicht ganz zufällig am Tag nach dem letzten Heimspiel der "Sbornaja" in der Gruppenphase.

Die Finnen, der Außenseiter der Gruppe B, waren indes mit einem 1:0 gegen Dänemark ins Turnier gestartet, mit einem zweiten Sieg hätten sie schon ihr Fortkommen in die K.-o.-Runde sichern können. Der Erfolg, Finnlands erster Sieg im ersten EM-Spiel überhaupt, wurde allerdings vom Zusammenbruch des Dänen Christian Eriksen auf dem Platz überschattet. Am Mittwoch liefen die Spieler in T-Shirts mit Genesungswünschen ein.

Die finnischen Fans waren schon in Kopenhagen für ihr Verhalten gepriesen worden, sie hatten "Eriksen"-Wechselgesänge mit den Dänen angestimmt. Nun kamen sie für einen Pandemiesommer durchaus zahlreich über die Grenze ins Nachbarland, und sie offenbarten schon vor dem Spiel rund ums Stadion ihre Feierlaune. Immer wieder sangen sie den Namen des Torschützen am Samstag, Joel Pohjanpalo. Und es dauerte keine drei Minuten, da stand er schon wieder als Torschütze vor ihnen. Allerdings hatte er bei seinem Kopfball knapp im Abseits gestanden, der Treffer wurde zurückgenommen.

Es war dann der Favorit, der den Spielanteilen nach deutlich überlegen war. Russland spielte zwar nicht gerade schnell, aber überlegt auf den Strafraum zu, den die Finnen mit einer Dreierkette tief verteidigten. Nach 25 Minuten musste Mario Fernandes ausgewechselt werden; Russlands in Brasilien geborener Rechtsverteidiger wurde vom Platz getragen, nachdem er auf den Rücken gefallen war. Russland blieb trotzdem überlegen.

Der Führungstreffer fiel kurz vor Ende der Halbzeit, als Tschertschessows Mannschaft schon einige Chancen vergeben und so manche Überzahlsituation nicht präzise ausgespielt hatte. Diesmal fand ein Pass von Stürmer Artjom Dsjuba die Füße von Mirantschuk. Der Mittelfeldspieler von Atalanta Bergamo, einer der wenigen Profis im Kader von einem Klub außerhalb Russlands, schlenzte den Ball ins Tor.

Die Finnen waren zu Beginn noch häufig gefährlich, wenn sie nach Kontern Pohjanpalo mit Steilpässen schickten. Schon in der 20. Minute verhinderte im letzten Moment eine Grätsche von Igor Diwejew ein finnisches Tor, so oder in der Art sah man das ein paar Mal. Doch zum Schluss wurden die gefährlichen Angriffe seltener.

"Das war ein wichtiger Sieg zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben den Job erledigt, jetzt geht es weiter", sagte Torschütze Mirantschuk. Die EM könnte nun für die Russen noch etwas länger dauern. Und ein Viertelfinale findet wieder in Sankt Petersburg statt.

© SZ/jkn/bkl
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