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Einzelkritik Borussia Dortmund:Beeindruckende Beweise beim Hase-Igel-Spiel

Sebastian Kehl ist Marathonläufer und Basketballer zugleich, Robert Lewandowski verteidigt erfolgreich seinen Ruf als Vorzeigeschützling seines Trainers Jürgen Klopp. Shinji Kagawa dribbelt sich selbst schwindelig. Borussia Dortmund beim 1:0 gegen den FC Bayern in der Einzelkritik.

Jürgen Schmieder, Dortmund

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Roman Weidenfeller

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Quelle: AFP

Sebastian Kehl ist Marathonläufer und Basketballer zugleich, Robert Lewandowski verteidigt seinen Ruf als Beweisstück für die Arbeit seines Trainers Jürgen Klopp. Shinji Kagawa spielt sich selbst schwindelig: Borussia Dortmund beim 1:0 gegen den FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Jürgen Schmieder, Dortmund

Roman Weidenfeller: War unter der Woche nicht auf einen Telefonstreich von Moderator Ulli Potofski hereingefallen, der ihn zum Tätowierer hatte schicken wollen. Fiel weder auf Gomez' Kopfball nach 50 Sekunden herein noch auf die langen Bälle und gefährlichen Flanken der Münchner. Fiel auch nicht auf die Taktik des FC Bayern herein, ihn innerhalb der ersten 45 Minuten mit einem einzigen Torschuss (Kroos/30.) überraschen zu wollen. Fiel in der Schlussphase auf Robben herein, der nur an ihm vorbeilief, um sich foulen zu lassen. Rächte sich am Holländer, indem er den Strafstoß nicht nur abwehrte, sondern sicher fing. Ließ sich in der Nachspielzeit von der Latte helfen.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Lukasz Piszczek

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Quelle: AP

Lukasz Piszczek: Musste gegen Franck Ribéry agieren, was in der Rangfolge ungeliebter Bundesliga-Jobs etwa zwischen Parkwächter und Ordner im Gäste-Fanblock liegt. Stibitzte dem Franzosen erst einige Mal den Ball - und beschloss dann, dass man den Filou am meisten ärgert, wenn man ihn dazu zwingt, defensiv zu arbeiten. Flankte einige Male und schoss sogar aufs Tor. Wehrte sich danach wieder gegen die wuchtiger werdenden Dribblings von Ribéry. Hatte Glück, dass der Franzose nach seinem Stellungsfehler in der 60. Spielminute neben das Tor schoss.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Mats Hummels

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Mats Hummels: War Jugendspieler des FC Bayern - gilt deshalb seit einigen Jahren als unglücklichster Transfer der Münchner Vereinshistorie. Inszenierte die Angriffe entweder mit hohen Bällen auf die Flügelspieler oder mit präzisen Flachpässen auf Kagawa und Lewandowski. War in der Defensive kaum gefordert, weil sich Kollege Subotic in jeden Zweikampf mit Gomez warf und Thomas Müller nur selten ganz nach vorne rückte. Konnte sich deshalb darauf konzentrieren, seine Mitspieler günstig zu positionieren. Zeigte in der Schlussphase, dass er auch den nach vorne gebolzten Ball kann.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Neven Subotic

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Neven Subotic: Begutachtete vor der Partie ausgiebig den Rasen, fand offensichtlich keinen Grund zur Klage. Übte dann auf dem Weg zur Kabine Kopfbälle. Bereitete sich damit perfekt auf das Spiel vor, weil der FC Bayern es nicht selten mit hohen Bällen auf Mario Gomez probierte. Erkämpfte sich zahlreiche Bälle, die er allesamt auf Kollege Hummels spielte, damit der Angriffe einleiten konnte. In der zweiten Halbzeit bisweilen leichtsinnig bei Rückpässen und Zweikämpfen mit Ribéry.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Marcel Schmelzer

Borussia Dortmund - FC Bayern Muenchen

Quelle: dapd

Marcel Schmelzer: Musste gegen Robben agieren, was in der Rangfolge ungeliebter Bundesliga-Jobs zwischen Schwarzmarkthändler und Pressesprecher beim 1. FC Köln liegt. Weil Robben erst einmal nicht am Spiel teilnahm, half er in der Mitte aus oder wagte sich gar über die Mittellinie. Echauffierte sich kurz vor der Pause über die Theatralik von Robben, ließ sich auf dem Weg in die Kabine weder vom Schiedsrichter noch vom Holländer beruhigen. Gewann auch in der zweiten Halbzeit fast jeden Zweikampf - und sah Robben danach jedes Mal entschlossen in die Augen. Stürzte sich dann wild auf Weidenfeller, nachdem der den Elfmeter von Robben gehalten hatte.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Sebastian Kehl

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Quelle: AP

Sebastian Kehl: Verfügt nach intensiven Recherchen von sz.de über die Kondition eines Marathonläufers, verfügt jedoch auch über die Sprintstärke eines Marathonläufers. Schaffte es trotz seiner gemächlichen Läufe immer rechtzeitig dorthin, wo schließlich der Ball hinkam. Degradierte so Kroos in der ersten Halbzeit zum bedeutungslosen Teilnehmer und Thomas Müller zum noch bedeutungsloseren Teilnehmer. Verfügt zusätzlich über Timing und Sprungkraft eines Basketballspielers, weshalb er jedes Kopfballduell gewann. Ließ die Kollegen toben und sorgte selbst einfach nur für Ordnung.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Jakub Blaszczykowski

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Jakub Blaszczykowski: Tauchte nach exakt 100 Sekunden alleine vor Manuel Neuer auf, legte das Spielgerät jedoch knapp neben das Tor. Besorgte sich daraufhin sogleich frisches Schuhwerk. Lieferte sich auf der rechten Seite einen beeindruckenden Wettkampf mit David Alaba, bei dem es offensichtlich nur eine Regel gab: Wer zuerst keinen Sprint mehr schafft, der verliert. Gewann deshalb knapp, weil er es nebenbei noch schaffte, sich mit Ribéry anzulegen.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Ilkay Gündogan

Borussia Dortmund - Gündogan

Quelle: dpa

Ilkay Gündogan: Gilt als Beweisstück A der durchaus glaubwürdigen Theorie, dass ein talentierter Spieler mindestens sechs Monate braucht, um sich an die Anforderungen von Borussia Dortmund und Trainer Jürgen Klopp zu gewöhnen. Wirkte zunächst ein wenig verzweifelt, weil seine Kollegen die Angriffe einfach an ihm vorbei spielten. Wartete gelegentlich zu lange mit dem Zuspiel und wirkte dabei bisweilen unkonzentriert. Konnte das Spiel nicht wirklich prägen, wurde nach 74 Minuten ausgewechselt.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Shinji Kagawa

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Shinji Kagawa: Gilt als Beweisstück A der eher abstrusen Theorie, dass es noch spannendere Vereine gibt als Borussia Dortmund - hatte kürzlich tatsächlich angekündigt, gerne mal in England spielen zu wollen. Spielte in der 24. Minute im Strafraum erst Badstuber schwindelig, danach Boateng und Lahm - jedoch schließlich auch sich selbst. Beweglich und ballsicher, bisweilen aber auch arg verspielt. Gewann im Strafraum ein Luftduell gegen Boateng, köpfte jedoch in die Arme von Neuer. Schoss wenig später knapp am Tor vorbei. Durfte es dann nicht weiter probieren - wurde ausgewechselt.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Kevin Großkreutz

Borussia Dortmund - FC Bayern Muenchen

Quelle: dapd

Kevin Großkreutz: Wurde nach fünf Minuten herausragend von Kagawa freigespielt, drückte den Ball aber aus vier Metern an den Fuß von Manuel Neuer. War danach Hase und Igel zugleich: Eilte nach hinten, um Robben zu attackieren. Eilte dann wieder nach vorne, um Lahm zu attackieren. Sorgte dadurch dafür, dass Robben und Lahm ihm hinterher eilen mussten. In der zweiten Halbzeit noch stärker gefordert, weil Robben nun als Protagonist teilnehmen wollte und Lahm noch offensiver agierte. Schaffte auch das formidabel - und prägte dann die Partie noch stärker: Bolzte in der 77. Spielminute aufs Tor, Lewandowski lenkte die Kugel hinein.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Roman Lewandowski

Lewandowski of Borussia Dortmund challenges Badstuber of Bayern Munich during their German first division Bundesliga soccer match in Dortmund

Quelle: REUTERS

Roman Lewandowski: Gilt als Beweisstück B der durchaus glaubwürdigen Theorie, dass ein talentierter Spieler mindestens sechs Monate braucht, um sich an die Anforderungen von Borussia Dortmund und Trainer Jürgen Klopp zu gewöhnen. Äußerst beweglich, kam immer wieder entgegen und legte die Zuspiele geschickt ab. Behauptete sich durchaus wuchtig im Luft-Zweikampf gegen Badstuber und Boateng. Köpfte kurz vor der Pause an den Innenpfosten. Bereitete sich dann intensiv auf die 77. Spielminute vor, schubste einen Schuss von Großkreutz mit der linken Hacke ins Tor. Lupfte danach noch an die Latte.

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Einzelkritik Borussia Dortmund:Ivan Perisic

Werder Bremen -  Borussia Dortmund

Quelle: dapd

Ivan Perisic: Schoss beim Aufwärmen ungefähr 20 Mal aufs Tor - traf bei jedem Versuch. Saß aber zunächst auf der Ersatzbank. Kam in der 74. Spielminute für Kagawa. Wuselte sogleich als zweiter Angreifer. Sicherte nach der Führung einige Bälle.

Moritz Leitner: Kam nach 74 Spielminuten für Gündogan. War derart frisch, dass er Lewandowski nach dessen Treffer als erster Mitspieler einholte. Danach sicher und mutig im Zweikampf.

Patrick Owomoyela: Kam zwei Minuten vor dem Ende als zeitverzögernde Maßnahme. Füllte diese Rolle perfekt aus.

© Süddeutsche.de/sonn

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