Eintracht Frankfurt:Er spielte gemeinsam mit Kovac

Das ist keine Überraschung, sie kennen sich gut, in vielerlei Hinsicht. Kovac und Boateng wurden in Parallelstraßen des Berliner Viertels Wedding groß, später spielten sie gemeinsam bei Hertha BSC. Kovac als etablierter Profi, Boateng als Novize. Ihre Wege trennten sich, Boateng ging nach Dortmund, Portsmouth, Milan, Schalke, zur WM 2010 als ghanaischer Nationalspieler.

Aber immer blieb Kovac eine Referenz für ihn, Boateng erinnerte am Samstag daran: "Es hat eine Zeit gegeben, da ich aufgeben wollte", sagte er, als er im vorzüglich sitzenden Klubanzug aus der Kabine gekommen war und die Ohrstecker, die ihm einst Milans Patron Silvio Berlusconi ausreden wollte ("Frauenkram!"), im Licht der Scheinwerfer glitzerten. Seine Frau und sein Berater hätten ihn davon abgehalten, das Knie zu beugen - und eben Kovac. "Komm hierher! Hier können wir was reißen!", habe ihm Kovac vergangenes Jahr zugeraunt, Boateng spielte damals für Las Palmas, das übrigens am Samstag aus Spaniens erster Liga abstieg.

Manager Bobic sagt dem Team: "Das wird euch auf ewig verbinden!"

Einen Kampf gegen den Abstieg hatten viele auch der Eintracht vorhergesagt. Die "bunte Truppe", wie auch Boateng die Mannschaft nannte, war komplett neu zusammengestellt worden. Rund ein Dutzend Spieler gehören dem Kader erst seit dem vergangenen Sommer an, Kovac integrierte Paradiesvögel aus 18 Nationen. Doch Abstieg? Von wegen! "Wir haben Europa geschafft!", rief Boateng am Samstag, denn der DFB-Pokal-Sieg hievt die Eintracht in die Europa League, die sie als Tabellenachter der Bundesliga am Ende noch verpasst hatten.

Mit Spielern wie dem finnischen Torwart Lukas Hradecky, dem japanischen Mittelfeldspieler Makoto Hasebe oder dem von Real Madrid ausgeliehenen Spanier Omar Mascarell, der übrigens vorerst für 4,5 Millionen Euro zu Real zurückkehren wird, um dann gewinnbringend weiterverscherbelt zu werden. Möglichst in die Bundesliga, Mascarell hat Gefallen an Deutschland gefunden. So oder so steht er für jene, die Frankfurt im Moment des größten Glücks wieder verlassen und Eintracht-Manager Fredi Bobic vor die Aufgabe stellen werden, wie schon im vergangenen Sommer den Kader zu überholen. Diesmal mit etwas mehr Geld.

Doch das wollte Bobic alles gar nicht wissen. Nach dem Finale lag ihm daran, den Spielern einzubläuen, was sie vollbracht hatten. "In der Kabine habe ich ihnen gesagt: Das wird euch auf ewig verbinden!" Bobic weiß das, er hat selbst Pokale gestemmt. "Man wird irgendwann wieder zusammenkommen, und dann wird es heißen: Die Klasse von 2018." So wird es wohl sein. Sie werden an einen Maiabend in Berlin zurückdenken, an dem sie die mächtigen Bayern besiegten, der Eintracht den ersten Titel seit 1988 bescherten; an dem sie besoffen waren, erst vor Glück und dann von Getränken, die aus Destillen stammten, und sich fühlten, als wandelten sie über den Mond.

© SZ vom 22.05.2018/schm
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