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Eduardo Vargas:Die Rückkehr des Turbomannes

Copa America Brazil 2019 - Group C - Japan v Chile

Fühlt sich im chilenischen Trikot besonders wohl: Eduardo Vargas.

(Foto: REUTERS)
  • 439 Tage lang war Eduardo Vargas aus Chiles Nationalelf verbannt worden.
  • Erst kurz vor der Copa América in Brasilien kehrte er zurück - und traf gegen Japan gleich doppelt.
  • Das Turnier ist eine Art Fetisch für den Angreifer.

Es gibt Kuriositäten in Südamerika (und in seinem Fußball), die man vielleicht wirklich nur noch mit Magischem Realismus erklären kann: mit dieser literarischen Gattung, in der fantastische, magische, übersinnliche Geschehnisse rund um eine Figur als normal und alltäglich dargestellt werden. Womit wir bei Eduardo Vargas wären, einem chilenischen Stürmer, der in nahezu allen Mannschaften, in denen er spielte, eher leise als krachend scheiterte. Aber er scheiterte.

In Italien (Neapel), in Brasilien (Grêmio Porto Alegre), in Spanien (Valencia), in England (Queens Park Rangers) und in Deutschland bei der TSG 1899 Hoffenheim. An all diesen Orten spielen elf gegen elf, entsprechen die Tore exakt den Maßen, die das Reglement vorgibt, und auch die Bälle sind überall rund. Aber zum "Turboman", als den man ihn in seiner Heimat kennt, wird Vargas nur, wenn er das rote Leibchen der chilenischen Nationalelf überstreift. Dann trifft er. Ein ums andere Mal.

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Am Montagabend bekam das im Estádio Morumbi von São Paulo Japans Vertretung zu spüren, eine leicht getunte Version der Mannschaft, die 2020 die Olympischen Spiele in Tokio bestreiten soll und mit 0:4 unterging. Japan spielte ansprechend, Youngster Takefusa Kubo, 18, deutete an, wieso er als "japanischer Messi" gilt und Real Madrid sich gerade ein Loch in den Bauch freut, dass man ihn beim FC Tokio loseisen konnte - zumal Kubo bei Reals Erzrivalen FC Barcelona ausgebildet wurde.

Kapitän Gary Medel bekniete den Nationalcoach - mit Erfolg

Aber: Es mangelte den Japanern in beiden Strafräumen an der Effizienz, die Chile zeigte. Für den Titelverteidiger der Copa América trafen Erick Pulgar und Alexis Sánchez, jeweils nach Vorarbeit des exzellenten Leverkuseners Charles Aránguiz. Und es traf: Eduardo Vargas. Mit seinen beiden Toren kam er in 90 Minuten auf die gleiche Anzahl an Treffern, die er für Hoffenheim in anderthalb Jahren geschossen hatte, ehe er zu Tigres nach Mexiko weiterzog.

Für Vargas war der Triumph gegen Japan umso bemerkenswerter, als er bis vor Kurzem noch ein Geächteter war. Bei einer Freundschaftsspielreise Chiles durch Skandinavien fiel er im März 2018 dem Nationaltrainer Reinaldo Rueda negativ auf. Vargas leistete sich, wie der Coach sagte, "Undiszipliniertheiten", und das ließ sich rasch dahingehend übersetzen, dass Vargas nicht nur die horrenden Steuern auf alkoholische Getränke in Schweden egal waren. Er hatte zudem Damen, die nicht seinem Familienkreis, sondern einer Branche angehören, die 1999 in Schweden verboten wurde, das Hotelzimmer zeigen wollen.

Kapitän Gary Medel alias El Pitbull bekniete den kolumbianischen Trainer seines Teams, Reinaldo Rueda, Vargas zu vergeben. Keiner treffe so sicher wie der frühere Bundesligaprofi. Am Ende lenkte el profe ein. Kurz vor der Südamerikameisterschaft, 439 Tage nach dem Eklat von Stockholm, kehrte Vargas in die Nationalelf zurück. Und Medel durfte sich nach der Partie gegen Japan bestätigt fühlen. "Uns fehlten Tore, und Eduardo ist zurückgekommen. Genau das, was wir brauchten", sagte der "Pitbull".