Dubiose Beraterverträge Thomas Bach erhielt 125 000 Euro für 20 Tage Arbeit

Im Auftrag der Olympischen Ringe unterwegs: der IOC-Präsident Thomas Bach

(Foto: Getty Images)
  • Ein bisher unbekannter Beratervertrag mit dem Industriekonzern Ferrostaal legt offen, dass Thomas Bach 125 000 Euro für maximal 20 Arbeitstage erhalten hat.
  • Es ist nicht die erste Beratertätigkeit des heutigen IOC-Präsidenten.
  • Bach selbst kann keine Interessenskonflikte erkennen: "Habe immer sauber getrennt".
Von Claudio Catuogno

125 000 Euro wären für die meisten Menschen ein üppiges Jahresgehalt. Ein Wirtschaftsanwalt kann diesen Betrag auch mal in 20 Tagen einstreichen. 125 000 Euro jährlich für "maximal 20 Tage" Arbeitsleistung - das ist die stolze Summe, die dem heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach ein bisher unbekannter Beratervertrag mit dem Industriekonzern Ferrostaal zwischen 2005 und 2009 einbrachte. Das Papier liegt dem Recherchezentrum Correctiv vor. Zu Bachs Aufgaben gehörte die "Herstellung von Kontakten und, falls erforderlich, Teilnahme an Verhandlungen mit Regierungen, Behörden, Verbänden sowie Unternehmen". Waren dafür Auslandsreisen nötig, gab es laut Vertrag noch mal 5000 Euro Tagespauschale obendrauf.

Praktisch, auch fürs Business: Bach besitzt Diplomatenpässe

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Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses war der frühere Fechter Thomas Bach bereits seit 14 Jahren Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, von 2000 bis 2004 war er dessen Vizepräsident. 2006 übernahm er das Amt erneut und wurde auch zum Präsidenten des neu gegründeten Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) gewählt. Wobei das eine - Bachs Zugang zu den Mächtigen und Einflussreichen dieser Welt über seine diversen Sport-Ämter - angeblich gar nichts mit dem Interesse von Ferrostaal an dem Wirtschaftsanwalt Bach aus Tauberbischofsheim zu tun hatte. Bach habe berufliche Aufgaben und Ehrenämter "immer sauber getrennt", teilte sein Sprecher am Freitag mit. Bach selbst äußerte sich nicht.

Auch auf die Frage, ob Bach während seiner Zeit als IOC-Vize und DOSB-Chef noch weitere lukrative Beraterverträge unterhielt, gibt das IOC keine Auskunft - Bach unterliege der "Schweigepflicht" gegenüber ehemaligen Mandanten. Sämtliche Beratungsverträge seien aber der IOC-Ethikkommission offengelegt worden, und auch bei unabhängigen Überprüfungen hätten diese Verträge "niemals zu irgendwelchen Beanstandungen geführt". Mit dem Antritt seiner IOC-Präsidentschaft 2013 habe Bach alle sonstigen Posten niedergelegt; einzige Ausnahme sei der Aufsichtsratsvorsitz beim Holzmaschinenkonzern Weinig AG.

Ein Mann, der sich im Ehrenamt für den Sport aufreibt, müsse doch weiter einem normalen, im Zweifel halt gut bezahlten Beruf nachgehen dürfen - so stellt Bach die Dinge gern dar. Interessenskonflikte? Da habe er immer "sauber getrennt". Dass seine Auftraggeber ihm die üppigen Tagessätze auch in der Hoffnung gewährten, von seinen globalen Sport-Kontakten zu profitieren? Ist bloß bösartige Unterstellung! Und doch so naheliegend: 2008 wurde ein Beratervertrag mit der Firma Siemens bekannt, der Bach zuletzt 400 000 Euro pro Jahr sicherte. Siemens machte unter anderem beim Bau von Sportanlagen für Großereignisse Milliardenumsätze.

Das FDP-Mitglied Bach bewegt sich seit jeher in einer Grauzone von Sportbusiness, Politik und Wirtschaft. Nun also auch noch Ferrostaal: ein Industriedienstleister mit Sitz in Essen, der 2005 noch zum MAN-Konzern gehörte. Ferrostaal produziert selbst keine Waren, sondern betätigt sich vor allem als Auftragsbeschaffer für deutsche Firmen, auch in der Rüstungsbranche. Immer wieder floss dabei Schmiergeld, etwa beim Verkauf von U-Booten nach Griechenland und Portugal. 2011 verurteilte das Landgericht München Ferrostaal zu 140 Millionen Euro Strafe. Der Vertrag mit Bach wurde 2005 abgeschlossen, kurz nachdem der auch zum Chef des deutsch-arabischen Wirtschaftsnetzwerks Ghorfa gewählt worden war. Beste Kontakte zu den Führer der Region hatte und hat Bach unbestritten - man trifft sich unter anderem in IOC-Runden.

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In jedem Fall wird jetzt auch immer deutlicher, wie praktisch es war, dass Bach vom Auswärtigen Amt gleich drei Diplomatenpässe gleichzeitig ausgestellt bekam. Der Sportfunktionär Bach, nicht der Wirtschaftsanwalt. Aber lässt sich das trennen? Nicht nur für den Sport-Sprecher der Grünen im Bundestag, Özcan Mutlu, ist es jedenfalls längst evident, dass sich Bach seine IOC-Kontakte jahrelang privat versilbern ließ. "Thomas Bach muss dringend alle seine Beraterverträge transparent machen, nur so kann der Sport seine Glaubwürdigkeit ein wenig wiedererlangen", sagte Mutlu. Außerdem müsse es in den Verbandsstatuten "untersagt sein, dass Spitzenfunktionäre ganz nebenbei ihre Netzwerke aus dem Sport für teuer bezahlte Lobbyarbeit missbrauchen".