Olympia Olympische Sommerspiele zu verschenken

IOC-Präsident Thomas Bach will seine Spiele wieder attraktiv machen. Aber wie?

(Foto: AFP)

Los Angeles und Paris stehen für 2024 bereit - und sonst so? In der westlichen Welt will kaum einer mehr Olympische Spiele austragen.

Kommentar von Thomas Kistner

Viel mehr als der Sieg, ist die Niederlage Kernelement des Sports. Die im Dunkeln sieht man zwar nicht mehr, wenn nach dem Wettbewerb die Scheinwerfer der Medien nur noch den Sieger ausleuchten, trotzdem ist Verlieren die Grundübung in diesem Geschäft. Schon deshalb klang es merkwürdig, als Thomas Bach erklärte, das Vergabeverfahren des IOC für die Kür der Olympiastädte überdenken zu wollen, weil das bisherige "zu viele Verlierer" produziere.

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Wie stets, muss man Äußerungen des geschmeidigen Advokaten an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees in ihren politischen Kontext stellen. Der sieht so aus: Das IOC hatte jahrzehntelang kein Problem damit, Verlierer am Fließband zu produzieren - solange sich eine bis zu zweistellige Zahl von Kandidaten aus aller Welt um die Spiele balgten. Der vorerst letzte deutsche Sommerkandidat Leipzig scheiterte im Rennen um die Spiele 2012 bereits in einer Vorauswahl (mit drei anderen Städten). Acht, neun Verlierer gab es früher, ihr Schicksal interessierte die Ringe-Zunft nicht. Viele Gescheiterte versuchten es erneut, Olympia war die globale Zugnummer.

Heute ist das Ringe-Spektakel auf Regionalformat geschrumpft, vom Winterspielort 2018, Pyeongchang in Südkorea, sind es nur 1000 Kilometer nach Tokio (2020) oder bis nach Peking (2022). Willkommen bei den Ostasien-Games.

Das IOC steckt im Existenzkampf. Es ringt um letzte Bastionen in der westlichen Welt, dort, wo genervte Bürger von Oslo bis München, Rom bis Hamburg abwinken, und wo doch die Wurzeln des Olympiasports liegen. Für die Spiele 2024 stehen nur Paris und Los Angeles im Ring. Für das IOC geht es also um alles: um Europa, um die USA. Da sollte es tatsächlich keinen Verlierer produzieren - daher rührt der neue Schmusekurs.

Mit einer Doppelvergabe der Spiele 2024/2028 will das IOC Los Angeles und Paris nun im Paket buchen, kommerzielle Planungssicherheit im Westen herstellen und den globalen Anspruch der Spiele restaurieren. Astana, Doha oder Kuala Lumpur können gern noch warten.

Das Problem ist aber, dass beide Städte, Paris wie L.A., nur die Spiele 2024 wollen. Das haben sie nun kategorisch klargestellt. Und dafür haben sie gute Gründe. Alle Planung, jedes bisherige Arrangement zielt auf 2024, von den Milliardenbudgets über Infrastrukturfragen bis zur Bereithaltung städtischer Baugründe. Das einfach so zu verschieben, käme einer Aufforderung an diese Weltstädte gleich, für vier Jahre den Atem anzuhalten. Zweitens: Beide Bewerber sind zweimal gescheitert, ein drittes Mal wäre eines zu viel. Und wie soll ein schonender Kürprozess aussehen: per Losverfahren? Oder per stiller Einigung auf eine Reihenfolge im Hinterzimmer?

Genau besehen, schachert das IOC bereits um seine Zukunft, wenn es einem Kandidaten die Spiele 2028 als Trostpreis aufdrängt, um ihn nicht zu verprellen. So verschenkt es sein höchstes Gut. Wer hat noch nicht, wer will noch mal - mit Olympia ist es weit gekommen.

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