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Druck im Fußball:"Ich kenne auch Fälle, in denen die Spieler nicht gestützt wurden"

Die Einschätzung bezüglich der Leistungszentren teilt VDV-Mann Baranowsky nicht ganz. Zwar gebe es dort heute eine verpflichtende sportpsychologische Betreuung, "aber die ist an vielen Stellen noch nicht so, wie sie sein müsste". Und im Profibereich wiederum existiere nicht mal eine Verpflichtung für solche Angebote. Gemäß einer 2017 erhobenen Umfrage unter Fußballern der drei deutschen Top-Ligen gaben nur 15 Prozent an, über eine gute sportpsychologische Betreuung zu verfügen, 25 Prozent sprachen von einer durchwachsenen Betreuung - und 60 Prozent von gar keiner.

Der VDV-Geschäftsführer räumt ein, dass sich nach dem Tod von Robert Enke 2009 einiges getan habe und es in Klubs vereinzelt gute Modelle gebe. "Aber ich kenne auch Fälle, in denen die Spieler nicht gestützt wurden, sondern in denen ihnen das Leben zur Hölle gemacht wurde", sagt er: "Wenn man zurückdenkt an die Versprechungen, die nach Roberts Tod gemacht wurden, und das abgleicht mit der heutigen Situation, dann haben diejenigen leider recht behalten, die sagten, das Thema werde relativ schnell aus dem Fokus verschwinden."

Gewerkschaftler Baranowsky sieht die Verbände in der Pflicht, die Betreuung zu verbessern. Nach seiner Meinung müssten die Verbände stärkere Vorgaben machen anstatt abzuwarten, dass von unten und von den Klubs Veränderungen kämen. "Dort fehlt das Expertenwissen, und die Klubs erkennen die Chancen nicht, die ihnen die Sportpsychologie bietet", sagt er: "Wenn die Spieler sich nicht trauen, Probleme anzusprechen, dann tut sich das System keinen Gefallen, sondern schadet sich selbst."

© SZ vom 13.03.2018/tbr

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