Dressurreiten: eine enttäuschende WM:Sport der reichen Töchter

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WM-Bronze für die deutschen Dressurreiter - welch Enttäuschung: Es ist das schlechteste Ergebnis seit 40 Jahren. Der deutsche Reitsport hat ein Struktur-Problem.

Claudio Catuogno

Es erzählt eine Menge über den Stellenwert der deutschen Dressurreiter in der Welt, wenn sie bei der WM in Kentucky Team-Bronze gewinnen - und zu Hause wird notiert: So schlecht waren sie seit 1970 nicht mehr! Ist eine Bronzemedaille weniger wert, weil die Ahnen und Urahnen grundsätzlich mit Gold geschmückt von den Championaten heimkehrten? Eher nicht, und so gesehen hatte die Gelassenheit, mit der die Vertreter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) den durchwachsenen WM-Auftritt ihrer Equipe kommentierten, fast wieder etwas Wohltuendes. "Es geht auch wieder nach oben." - "Greifen wir wieder an." Keine Erfolgsserie hält ewig, und die anderen Nationen reiten auch nicht auf Ackergäulen daher.

Reit-WM Dressur - Isabel Werth

Die deutsche Ausnahmereiterin Isabell Werth weist seit Jahren auf die Probleme des deutschen Reitsports hin.

(Foto: dpa)

Veraltete Strukturen

Allerdings müssten weitblickende Verbandsvertreter schon auch die Frage stellen, ob im holländischen Reitsport zuletzt Grundlegendes besser organisiert wurde als hierzulande. Immerhin weist eine Athletin aus dem Bronze-Quartett von Kentucky seit Jahren auf genau dieses Problem hin: "Wir haben gute Reiter, gute Pferde und gute Pferdebesitzer, aber wir bringen sie nicht ausreichend zusammen" - das war schon 2006 der zentrale Vorwurf von Isabell Werth an jene, die im deutschen Reitsport das Sagen haben. Die allerdings haben sich von der Gewohnheit des Erfolgs täuschen lassen, anstatt ihre Strukturen zu hinterfragen.

Der Erfolg steht und fällt besonders im Dressursport mit dem Pferd, das ein Reiter zur Verfügung hat - und umgekehrt. In den Niederlanden hat der Verband mit Sponsorenhilfe ein beachtliches Förderprogramm aufgelegt, damit die talentiertesten Reiter des Landes mit den talentiertesten Pferden arbeiten können - auch, wenn sie nicht das Geld haben, sich diese zu kaufen. In Deutschland ruht die Dressur weiter auf den Schultern der - sehr verdienten - Familiendynastien: Linsenhoff, Klimke, Balkenhol, Kemmer. Dressurreiten auf internationalem Niveau ist der Sport der reichen Söhne und Töchter geblieben.

Bei den Reittalenten ohne Gehöft und Chauffeur lässt sich der Bundestrainer eher selten blicken. Und weil auch in umgekehrter Richtung niemand zusammenführt, was zusammengehört, kommt ein weiteres Phänomen hinzu: Immer mehr deutsche Spitzenpferde werden für immer mehr Geld ins Ausland verkauft.

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