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DOSB-Versammlung:Fragen der Transparenz

Vor Mitgliederversammlung des DOSB

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), spricht in der DOSB-Zentrale bei einer Pressekonferenz.

(Foto: dpa)
  • Bei der DOSB-Mitgliederversammlung steht dieses Jahr keine entscheidende Wahl an, brisante Themen gibt es trotzdem.
  • Neue Leistungssportreformen, neuerliche Olympiabewerbungen und mangelnde Transparenz sind große Kritikpunkte.
  • Auch der Druck auf Präsident Alfons Hörmann ist im vergangenen Jahr nicht weniger geworden.

Vor einem Jahr kam der deutsche Sport in Düsseldorf zu einer ungewöhnlichen Mitgliederversammlung zusammen. Erstmals musste sich der amtierende Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) einer Kampfkandidatur stellen. Triathlon-Chef Martin Engelhardt forderte Alfons Hörmann heraus, weil er und viele andere so unzufrieden waren mit dem Stil ihres obersten Vertreters. Am Ende gewann Hörmann klar und erklärte: "Ich werde, lieber Herr Engelhardt, die Werte, die Sie eingefordert haben, mit dem Team herzlich gern umsetzen, und werde einen Stil pflegen, der von Transparenz und Offenheit geprägt ist."

An diesem Freitag und Samstag trifft sich der DOSB erneut zu seinem Konvent. Eine Wahl steht diesmal nicht an, und deswegen gibt es auch keine konkrete Widerstandsbewegung. Aber ob sich die Lage gebessert hat? "Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten, die ich vor einem Jahr in Düsseldorf aufgebracht habe, hat jedenfalls nicht stattgefunden", sagte der damalige Gegenkandidat diese Woche der Rheinischen Post. Und wie es mit Transparenz und Offenheit aussieht, zeigt sich exemplarisch an zwei Beispielen.

Erstaunen über die Logo-Nutzung

Eines davon betrifft den Umgang mit einer Firma aus Hörmanns Umfeld. Denn wie sich herausstellte, vergab der DOSB in den vergangenen Jahren Aufträge im IT-Bereich ausgerechnet an die Allgäuer Scaltel AG, deren Aufsichtsratschef Hörmann von Oktober 2010 bis Juli 2018 war. Es geht um einen sechsstelligen Betrag. Der DOSB ist aber der Auffassung, dass alles völlig sauber ablief.

Das Unternehmen wirbt nun sogar auf seiner Internetseite mit einer Referenz des DOSB, bei der auf einem Bild die olympischen Ringe zu sehen sind. Das löst im Sport Erstaunen aus: Denn die Ringe sind ein kostbares Werbegut. Andere Partner nutzten bei Referenzen in der Regel keine Bilder mit den Ringen. Der DOSB verteidigt aber auch das. Entsprechend der seit 2010 gültigen Regeln sei die Logo-Nutzung in diesem Fall korrekt; diese sei erlaubt, "wenn das entsprechende Unternehmen nicht in Konkurrenz zu einem offiziellen Vermarktungspartner des DOSB steht".

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Ein anderer Vorgang betrifft den weiter großen Unmut über die sogenannte Leistungssportreform. Die hat dem Sport zwar geholfen, dass die Zuschüsse aus dem Bundesinnenministerium (BMI) in den vergangenen Jahren auf zirka 260 Millionen Euro anwuchsen, aber sie bescherte den Verbänden auch viel Ärger und Ungewissheit - und die beginnen schon bei der Formulierung des Ziels. Die Reform war primär einmal als Konzept zur Steigerung der Medaillenzahlen gedacht, aber in den vergangenen Monaten dimmte Hörmann den Druck merklich runter. Und da ist, unabhängig von einer inhaltlichen Bewertung, jetzt eben die Frage, was für Verbände und Athleten denn nun gilt, wenn es im Konzept so steht und der Präsident es anders sagt.

Insbesondere macht den Verbänden dabei ein Konstrukt namens Potas zu schaffen. Eine fünfköpfige Potas-Kommission soll alle Verbände nach einem komplizierten Verfahren und 132 Attributen durchleuchten; kürzlich legte sie für die Sommerverbände ein Ranking vor. Danach waren viele verblüfft, weil etwa die traditionell erfolgreichen Ruderer ganz hinten landeten. Und so verschärfen sich jetzt die Debatten über den Sinn einzelner Attribute, den Aufwand für die Verbände - aber auch über die Zusammensetzung der Potas-Kommission. Denn in das Gremium sind auch zwei Mitglieder des DOSB-Präsidiums involviert: die frühere Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann als reguläres, DOSB-Vize Uschi Schmitz als Ersatz-Mitglied. "Ich finde das nicht günstig, wenn Leute aus dem System das System beurteilen sollen. Es wäre besser, wenn das ein ganz unabhängiges Gremium wäre", sagt etwa Kanu-Präsident Thomas Konietzko.

Was wird aus Hörmanns Kandidatur als CSU-Landrat?

Hinzu kommt: Nach SZ-Recherchen bekommen die DOSB-Präsidiumsmitglieder für ihre Potas-Arbeit auch ein Honorar. Zur genauen Höhe gibt es zwar keine Angaben, das BMI nennt nur die Personalkosten, die es für die aus fünf regulären und vier Ersatzmitgliedern bestehende Kommission insgesamt aufwendet (145 500 Euro). Nun ist die Arbeit für Potas gewiss umfangreich, aber dass DOSB-Präsidiale dafür Geld bekommen, wurde den DOSB-Mitgliedern offenkundig nicht kommuniziert, sondern nur dem Präsidium. Der DOSB teilt mit: Höhe und Angemessenheit würden ausschließlich vom BMI geprüft und festgelegt.

Aber auch bei anderen Themen herrscht Verwunderung. Die Debatte um eine neuerliche Olympia-Bewerbung etwa treibt manch seltsame Blüten, auch wenn die nur teils auf den Sport zurückzuführen sind, sondern oft auch auf Politiker und Wirtschaftslobbyisten. Am Donnerstag gab Hörmann erneut zu verstehen, dass sich der DOSB noch Zeit lassen will. "Ich wende mich mit Händen und Füßen dagegen, irgendeinen konkreten Terminplan zu definieren, weil den im Moment niemand definieren kann", sagte er. Für sich selbst dagegen definiert Hörmann einen klaren Terminplan. Im kommenden März will er sich auf dem CSU-Ticket als Oberallgäuer Landrat wählen lassen - die Chancen dafür stehen sehr gut. Manch einer im Sport unkt schon, dass eine erfolgreiche politische Wahl Auswirkungen auf sein Sportamt haben könnte. Aber dem widerspricht Hörmann. Er sei für vier Jahre als DOSB-Präsident gewählt, und er wolle diese vier Jahre auch in jedem Fall erfüllen, sagte er am Donnerstag. Es ist nur die Frage, in welchem Stil er das tun wird.

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