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Dopingaffäre im Radsport:Armstrong gibt Stiftungsvorsitz auf

Drastische Konsequenzen nach den Betrugsenthüllungen um Lance Armstrong: Der frühere Toursieger legt mit sofortiger Wirkung sein Amt als Chairman bei der Krebsstiftung "Livestrong" nieder. Sein Hauptsponsor Nike beendet wegen der Dopingaffäre die Zusammenarbeit mit Armstrong - sein einstiger Teamkollege Tyler Hamilton rechnet schon mit einem Geständnis.

Radfahrer Lance Armstrong

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Kündigung von Nike, Rücktritt als Chairman von "Livestrong" und möglicherweise schon bald ein Geständnis: Die Doping-Enthüllungen um Lance Armstrong haben immer weitreichendere Folgen für den Betroffenen: Der Sportartikel-Hersteller Nike verkündete am Mittwoch das sofortige Ende des Sponsoringvertrages mit Armstrong. Kurz zuvor hatte sich dieser als Chairman seiner Krebsstiftung "Livestrong" zurückgezogen.

"Diese Organisation und ihre Mission liegen mir sehr am Herzen", sagte Armstrong: "Um negative Auswirkungen für die Stiftung auszuschließen, werde ich nicht mehr als Chairman arbeiten." Livestrong solle sich auf seine Mission konzentrieren können und nicht von den Problemen des Gründers beeinträchtigt werden, so Armstrong. Der 41-Jährige wird weiter im 15-köpfigen Aufsichtsrat vertreten sein, seine Aufgaben als Chairman werde der bisherige Vize Jeff Garvey übernehmen.

Armstrongs einstiger Teamkollege Tyler Hamilton erwartet unter dem öffentlichen Druck ein baldiges Geständnis des Texaners. "Ich wäre überrascht, wenn er es nicht eines Tages zugeben würde", sagte Armstrongs US-Landsmann Hamilton, dem wegen Dopings das Olympiagold von 2004 aberkannt worden war: "Es weiterhin zu leugnen, ist eine sehr schwere Last." Die Wahrheit werde zwar Konsequenzen für seinen ehemaligen Teamkollegen haben, aber langfristig werde er davon profitieren.

"Die Menschen werden ihm vergeben", sagte Hamilton. Der 41-Jährige fuhr von 1998 bis 2001 mit Armstrong für das US-Postal-Team, gerade in dieser Zeit sei der Radsport von Doping durchsetzt gewesen. Derweil will das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Bezug auf Sanktionen gegen Armstrong zunächst die Entscheidung des Weltverbandes UCI abwarten. Dabei wird unter anderem eine Aberkennung von Armstrongs Bronzemedaille im Zeitfahren bei den Spielen 2000 in Sydney in Erwägung gezogen.

"Die UCI muss entscheiden, ob er schon vor Sydney hätte gesperrt werden müssen", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach: "Wenn das der Fall ist, müssen wir uns mit der Verjährungsfrist befassen." Trotz Ablauf der achtjährigen Frist könne dann die Aberkennung diskutiert werden, so Bach. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte Armstrong wegen seiner Verwicklung in die Dopingpraktiken lebenslang gesperrt.

Es wird erwartet, dass die UCI dem 41-Jährigen unter anderem seine sieben Tour-Siege aberkennt. Der deutsche Topsprinter Andre Greipel (Rostock) distanzierte sich derweil in einem offenen Brief von Dopingpraktiken. "Sportliche Höchstleistung und Erfolge mit unlauteren Mitteln zu erreichen, ist nicht nur ein Tabu, sondern Betrug", schrieb Greipel am Mittwoch. Der Kampf "gegen den ergaunerten Erfolg" müsse daher mit harten Mitteln unbedingt fortgesetzt werden. "Es gibt klare Regeln und Gesetze, und wer sich daran nicht hält, ist ein Betrüger und gehört den Regeln entsprechend sanktioniert", so der 30-Jährige.

Die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) hatte in der vergangenen Woche umfangreiches Beweismaterial und Zeugenaussagen gegen Armstrong vorgelegt, die dessen jahrelanges systematisches Doping belegen sollen. Dem Texaner droht die Aberkennung seiner sieben Tour-Titel durch den Weltverband UCI.

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