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Doping in Österreich:Rücktritt des mächtigen Verbandschefs Schröcksnadel?

Auch andere Kritiker drängen auf einen Wechsel. Wolfgang Konrad, der mit dem Wien-Marathon das größte nationale Sportereignis veranstaltet, macht Schröcksnadel für den Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit verantwortlich; dem Wiener Standard sagte er: "Der hat einen Saustall in seinem Verband." Regelrecht brisant erscheint die Offenlegung von Franz Gattermann. Der frühere Langlauf-Cheftrainer war 2007 zurückgetreten, ein Jahr nach dem Turiner Dopingskandal.

Den Oberösterreichischen Nachrichten sagte er, damals hätten sich Top-Läufer "privat von irgendwelchen Gurus betreuen lassen. Da wusste man nie, wo sie sind. Ich habe gesagt, dass man das abstellen muss, weil ich für diese Leute nicht den Kopf hinhalten will". Die Reaktion des ÖSV habe ihn veranlasst, hinzuwerfen: "Man hat mir gesagt, dass das in den vergangenen zehn Jahren immer so gelaufen ist und es sich bewährt hat."

Das wirft Fragen an den ÖSV auf. Staatsanwalt Kai Gräber, dessen Münchner Sonderstaatsanwaltschaft die Ermittlungen angeschoben hatte, verbrachte das Wochenende überwiegend im Büro. Die "um die 40 Blutbeutel", die in einer als Kühlraum benutzten Erfurter Garage gefunden worden sind, wurden nach München ins Landeskriminalamt gebracht. Angeschlossen ans Kühlsystem, beginnt dort nun die Auswertung: Erst werden die Beweismittel nach Finger- und DNA-Spuren abgesucht, dann folgt die Inhaltsanalyse. Weitere Blutbehälter kommen aus Seefeld hinzu: Ein Beutel steckte am Arm des überrumpelten Dopers Hauke, zwei weitere lagen im Waschbecken, drei andere waren darunter verstaut.

Sämtliche Behälter, so Gräber, trügen nur Decknamen oder Buchstaben. Trotzdem wird die Identifizierung nicht schwerfallen, die riesigen Datenregister der Anti-Doping-Agenturen weltweit stehen ja zum Abgleich zur Verfügung. Zudem hat der inhaftierte Sportarzt Schmidt, dessen Wirken die Ermittler bis tief in die Nullerjahre zurückverfolgen wollen, noch die Gelegenheit, sein Schicksal abzumildern. Das geht nur über eine umfassende Kooperation - die Nennung aller Kundennamen inklusive. Mit Denifl ist ein Anfang gemacht.

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