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Doping-Enthüllungen:Nötige Reinigung des Radsports

Ein Fahrer, zu dem White zu dieser Zeit ein besonders enges Verhältnis unterhielt, war übrigens der aktuelle Tour-Champion Bradley Wiggins, der dann später zum Team Sky wechselte. Gerüchte, Wiggins habe zumindest damals ebenfalls Kontakte zu del Moral gehabt, kommentierten zuletzt auf SZ-Anfrage weder White noch Team Sky. Trotzdem tangiert die Aufdeckung von Armstrongs Lebenslüge naturgemäß auch das aktuelle Peloton. Nicht nur, weil neben den Geständigen weitere noch aktive Fahrer wie Jaroslaw Popowitsch (RadioShack) mutmaßlich gedopt an Armstrongs Seite fuhren. So ist eben auch Englands neuer Sportheld Wiggins, 32, sehr konkret von dunkler Vergangenheit umgeben. Denn der starke Mann im Mannschaftswagen von Sky, des dominierenden Tour-Teams von 2012, war im Juli erneut sein Landsmann Sean Yates.

Der 52-Jährige fuhr bis 1996 mit Armstrong bei Motorola, wo ebenfalls gedopt wurde. Und ab 2005 assistierte er als Teamchef dem nun schwer belasteten Belgier Bruyneel, wie auch 2008 bei der verdächtigen Astana-Equipe. Gerade in den leitenden Positionen kann schon seit Jahrzehnten nicht von Erneuerung des Radsports die Rede sein. Und das wird so bleiben: Wjatscheslaw Jekimow, der künftig die russische Katjuscha-Flotte führt, zählte von 1997 bis 2005 zu Armstrongs Edelhelfern. Und bei den Kasachen von Astana ist neuerdings der einschlägige Blutdoper Alexander Winokurow als Manager im Amt. Auch von ihm finden sich jetzt in den Usada-Dokumenten Überweisungen an Dr. Ferrari - in Höhe von 50 000 Euro für nur wenige Monate des Frühjahrs 2006.

Wie sich so der Radsport reinigen will, das ist jetzt die Frage. Zumal der Dachverband, die UCI, endgültig desavouiert ist wegen des durch die Usada-Schrift erheblich verstärkten Eindrucks, sie habe Armstrong und dessen Betrugsorganisation bewusst geschützt. Garmin-Profi David Millar forderte nun offensiv die Absetzung des langjährigen UCI-Chefs Hein Verbruggen (1991-2005) als Ehrenpräsident. "Er war der Kopf der Organisation mit dem größten Doping-Problem in der Geschichte des Sports", klagte der einst überführte Doper, der heute als Anti-Doping-Aktivist auftritt. "Es ist nicht glaubwürdig, dass sie von all dem nichts wussten", ergänzte der frühere Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, Richard Pound, bei AFP: "Wenn anderen Teams ein ähnliches Verhalten wie US Postal nachgewiesen wird und die UCI damit nie fertig wurde, können sie doch nicht so blind gewesen sein!"

Radfahrer Lance Armstrong

Umstrittene Karriere in Gelb

Dass US Postal kein Einzelfall war, ist freilich längst belegt angesichts des enttarnten Dopingsystems bei der Bonner Telekom/T-Mobile-Equipe und bei der spanischen Liberty-Mannschaft, die der Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes flottmachte - wie angeblich auch die CSC-Mannschaft um den umstrittenen Dänen Bjarne Riis (der den Verdacht zurückweist). Protagonisten einer verseuchten Ära - und zwar bisher nicht geständige - finden sich überall, wie Armstrongs langjährigen Masseur Freddy Viaene, jetzt Chefpfleger bei Tour-Sieger Cadel Evans (BMC). Und fuhr nicht auch der aktuelle Giro-Sieger Ryder Hesjedal 2004 und 2005 zwei Jahre für Armstrongs Sportgruppe?