Dominik Köpfer in Wimbledon:Golfen wurde ihm zu langweilig

Lesezeit: 3 min

Day Two: The Championships - Wimbledon 2019

Inzwischen ein Vorbild an Geduld: Dominik Köpfer aus Furtwangen bei seinem Debüt im All England Club.

(Foto: Shaun Botterill/Getty Images)

Dominik Köpfer erreicht überraschend die zweite Runde in Wimbledon. Sein ungewöhnlicher Werdegang zeigt, welche Umwege ein begabter junger Sportler manchmal gehen muss.

Von Barbara Klimke, London

In Wimbledon kommt es auf die Perspektive an. Rasenplätze zum Beispiel sind optisch eine Pracht; und am Abend, wenn die Gärtner die Wassersprenger aufdrehen, duften sie nach frisch gemähtem Gras. Aber sie haben als natürliches Gewächs auch die Eigenschaft, Bälle bisweilen etwas unkontrolliert vom Erdboden springen zu lassen. Als "bad bounces" ist das Phänomen in Tenniskreisen bekannt. Und was sagt Dominik Köpfer dazu, der erstmals in seinem Leben in Wimbledon in der zweiten Runde steht? Er lacht. Von den Turnieren, bei denen er sonst antritt, sagt er, sei er viel Schlimmeres gewohnt: "Das ist doch ideal hier!"

An Dominik Köpfer, 25, aus Furtwangen im Schwarzwald, der inzwischen in Tampa/Florida lebt, zeigt sich gerade, welche Umwege ein begabter junger Sportler manchmal gehen muss, bis sich das schmiedeeiserne Tor mit den fünf Messingbuchstaben AELTC endlich für ihn öffnet.

Schon im vergangenen Jahr trat er beim Qualifikationsturnier für Wimbledon an, gewann zwei Matches und verlor dann in der letzten Runde unglücklich im fünften Satz 5:7. Und trotzdem hat er den All England Lawn Tennis Club so wenig gesehen wie die Blumenkübel mit den üppigen Petunien und Hortensien oder die Rasenwalzen. Nicht einmal von fern. Denn das Qualifikationsturnier wird in Roehampton im Südwesten Londons gespielt, vier Meilen vom Centre Court entfernt. "Ich hab's nicht mal auf die Anlage geschafft", sagt er.

Mehr als die Hälfte dessen, was er bisher in der gesamten Karriere verdient hat

Deshalb wählte Köpfer, der als Nummer 167 der Weltrangliste nicht automatisch bei Grand Slams teilnahmeberechtigt ist, diesmal eine andere Route. Sie führte ihn nach Nordengland, wo in den Hügeln Yorkshires die Ilkley Trophy ausgespielt wird, ein Challenger Turnier, also ein Wettbewerb der dritten Kategorie. Weil er dort im Finale siegte, wurde er zur Belohnung mit einer von acht Wild Cards für Wimbledon bedacht; wegen seiner "Verdienste im Rasentennis", wie es im englischen Traditionsklub etwas betulich heißt.

Also hat er sich umgehend in den Zug nach London gesetzt und seine Chance dann in erstaunlicher Manier genutzt: 6:3, 4:6, 7:6 (9), 6:1 rang er bei seinem Debut im All England Club den Serben Filip Krajinovic nieder, obwohl er am Vorabend "extrem nervös" gewesen war, wie er bekannte. Schon durch das Erreichen der zweiten Runde hat er jetzt, vor dem nächsten Match gegen den Argentinier Diego Schwartzman, ein Preisgeld von 72 000 Pfund Sterling, umgerechnet rund 80 000 Euro sicher.

Das ist mehr als die Hälfte dessen, was er bisher in seiner gesamten Karriere verdient hat, wie er erstaunt feststellte. Zudem ist er neben Jan-Lennard Struff aus Warstein nun der einzig verbliebene deutsche Spieler im Männer-Wettbewerb. Auch das ist erstaunlich, weil Köpfer im Tennis ein Spätberufener ist.

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