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Basketball:Dircules' größte Momente

Nach 21 Jahren und mehr als 31 500 Punkten beendet Dirk Nowitzki seine Karriere in der NBA. Seine größte Leistung ist jedoch, dass er so bodenständig geblieben ist. Seine Karriere im Rückblick.

Von Jonas Beckenkamp

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NBA: Phoenix Suns at Dallas Mavericks

Quelle: USA TODAY Sports

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Er macht also Schluss! Tatsächlich! Nach 21 Jahren in der NBA! "Das war mein letztes Heimspiel, so wie ihr das erwartet habt", sagte Dirk Nowitzki nach dem Spiel seiner Dallas Mavericks gegen die Phoenix Suns. Einmal wird er noch auflaufen, am Donnerstag im Auswärtsspiel bei den San Antonio Spurs - dann ist endgültig Schluss. Lesen Sie einen Rückblick auf Nowitzkis einzigartige Karriere.

NBA: Oklahoma City Thunder at Dallas Mavericks

Quelle: USA TODAY Sports

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Die Haare sind etwas kürzer, der Körper ist weiterhin drahtig: Nowitzki ist in der NBA seit zwei Jahrzehnten eine Instanz. Mit 40 Jahren kann er immer noch mitspielen bei seinen Dallas Mavericks und auch wenn der Klub diese Saison erneut die Playoffs verpasst - Nowitzki hat immer noch seine Momente. Sein Spiel mag ein wenig langsamer geworden sein, doch Rekorde purzeln bei ihm fast jede Saison. Erst vor zwei Jahren hatte der Würzburger die 30 000 Zähler ...

Dallas Mavericks - Los Angeles

Quelle: dpa

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... geknackt - und zwar mit genau diesem Zwei-Punkte-Versuch gegen die LA Lakers. Natürlich war es auch da sein berühmter Wurf, der Fadeaway Jump, bei dem er sich leicht nach hinten fallen lässt und es so nahezu unmöglich macht, den Wurf zu verteidigen.

Nowitzki

Quelle: Imago

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Der Mann mit der Nummer 41 ist mit seinen Bestleistungen in illustrer Gesellschaft: Nur der unstoppbare Lakers-Center Kareem Abdul-Jabbar (38 387), Karl Malone (36 928), Kobe Bryant (33 643), LeBron James (32 439), Michael Jordan (32 292, im Bild 2003 bei einer Partie gegen Nowitzki) haben in der NBA mehr Würfe versenkt. Wilt Chamberlain liegt jetzt hinter dem langen Blonden aus Germany - dabei hatte er in den 60ern einst sogar 100 Punkte in einer Partie geschafft.

Dirk Nowitzki

Quelle: www.41-world.com

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Die Story von Nowitzki ist die vielleicht größte eines deutschen Sportlers im Ausland - sie begann auf einem Tennisplatz in Unterfranken. In seiner Jugend spielte Nowitzki zunächst Tennis, er gewann in seiner Altersklasse sogar die unterfränkische Meisterschaft, gehörte zu den besten bayerischen Nachwuchsspielern und dachte gar über eine Karriere als Profispieler nach. Weil er aufgrund seiner Größe von seinen Mitschülern hin und wieder "Freak" genannt wurde, wechselte er jedoch schnell zum Basketball. "Ich bin außerdem kein Einzelsportler", sagte er später einmal. Dennoch: Selbst als gemachter NBA-Profi hatte sich Nowitzki später noch bei seinem Heimatverein TG Würzburg in der Kreisklasse B gemeldet. Er wollte im Sommer ein wenig zocken.

Dirk Nowitzki Basketball Würzburg

Quelle: Imago

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Im Alter von 15 Jahren kam der 2,13-Meter-Schlaks zur DJK Würzburg, die damals in der zweiten Bundesliga spielte. Sein Talent fiel dem ehemaligen Nationalspieler Holger Geschwindner - Kapitän des deutschen OIympia-Teams bei den Spielen 1972 in München - auf. Der kauzige Physiker bot sogleich an, drei Mal pro Woche mit Nowitzki individuell zu trainieren. Allerdings stellte Geschwindner einige ungewöhnliche Forderungen.

Geschwindner verzichtete fast komplett auf Krafttraining und Taktikschulung, und konzentrierte sich darauf, Nowitzki das Werfen und Passen beizubringen. Dazu verlangte er von dem jungen Basketballer, ein Instrument zu lernen und Bücher zu lesen, damit sich Nowitzki auch als Persönlichkeit weiterentwickeln würde. Nach einem Jahr stellte Geschwindner seinen Schüler vor eine schwierige Wahl.

NOWITZKI NELSON

Quelle: AP

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Nowitzki spielte dann noch zwei Jahre in Würzburg und nahm im Jahr 1998 bei der "Nike Hoops Heroes Tour" teil, wo er gegen NBA-Spieler wie Charles Barkley und Scottie Pippen antrat. Nach dem Match sagte Barkley: "Der Junge ist ein Genie, wenn er in der NBA spielen möchte, dann soll er mich anrufen." Wenige Wochen später versuchte sich Nowitzki im Finale des Hoop Summit gemeinsam mit europäischen Talenten gegen eine Auswahl von US-Nachwuchsspielern. Er erzielte 33 Punkte und schaffte 14 Rebounds - und war von da an im Fokus von NBA-Teams.

Beim Draft, der Auswahl der besten Nachwuchsspieler, entwickelte sich dann ein kleiner Krimi um Nowitzki (hier mit einer "Frisur", wie sie damals üblich war). Die Boston Celtics wollten Nowitzki an zehnter Stelle auswählen, Trainer Rick Pitino hatte Nowitzki nach einem 45-minütigem Training zugesichert, ihn verpflichten zu wollen. Doch Dallas-Trainer Don Nelson fädelte zwei geschickte Deals ein, um Nowitzki zu den Mavericks zu holen. Er wählte an sechster Stelle Robert Traylor, den die Milwaukee Bucks unbedingt haben wollten - und tauschte ihn gegen Nowitzki und den Suns-Guard Steve Nash.

NOWITZKI WILLIAMS

Quelle: AP

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Nowitzki hatte zu Beginn seiner NBA-Karriere einige Probleme. Er war nicht kräftig genug, um mit den anderen Power Forwards mithalten zu können - dazu zeigte er in der Verteidigung eklatante Schwächen, was ihm den Spitznamen "Irk" einbrachte - das fehlende "D" verwies darauf, dass er keine "Defense", keine Verteidigung, spielen könne.

NOWITZKI KOVACIC

Quelle: SZ

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"Der Wechsel aus Deutschland in die NBA war, als würde man aus einem Flugzeug springen und hoffen, dass sich der Fallschirm schon irgendwie öffnet", sagte Nowitzki später über seine erste Saison in Dallas. Er war derart frustriert, dass er sogar überlegte, zurück nach Würzburg zu wechseln. Der wichtigste Wechsel fand jedoch bei den Eigentümern der Mavericks statt. Ross Perot verkaufte den Verein an den jungen Milliardär Mark Cuban, der die Mavericks professionalisierte. "Ich bin ein Fan", sagte Cuban einmal. "Ich bin ein Fan, der die Möglichkeit hat, ein Team zu gestalten - und das tue ich." Von Beginn galt Cuban auch als Anhänger von Nowitzki, der nun "German Wunderkind" genannt wurde, nachdem er in seiner zweiten Saison 17,5 Punkte im Schnitt erzielt hatte.

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Quelle: AP

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Nowitzki wurde aufgrund seiner Fähigkeiten schnell zu einem der prägenden Spieler der Dallas Mavericks - und zu einem Liebling der Fans. Das lag vor allem daran, dass Nowitzki trotz seiner Erfolge stets bescheiden blieb. "Das liebe ich an diesem Kerl", sagte Charles Barkley einmal. "Er lässt sich nicht zu einer Marke aufbauen, wie es Shaquille O'Neal oder Kobe Bryant getan haben - er will einfach ein guter Basketballspieler sein." Nowitzki wurde heimisch in Dallas, er lernte flink Englisch und steigerte seine Punkteausbeute.

FIBA EuroBasket 2005 Final Greece v Germany

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Ebenfalls wichtig für Nowitzki: das deutsche Nationalteam. Mit der deutschen Mannschaft konnte er Erfolge feiern wie den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2002 oder die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2005 - doch es gab auch herbe Enttäuschungen. So verpassten die deutschen Basketballer jeweils die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2000 und 2004. "Eine Olympia-Teilnahme wäre mein Traum", sagte Nowitzki nach der verpassten Qualifikation zu den Spielen 2004. Er hatte aber noch einen anderen Traum.

New Jersey Nets Jason Kidd shakes hands with Dallas Mavericks Dirk Nowitzki during the NBA All-Star basketball game in New Orleans

Quelle: REUTERS

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14 Mal wurde der lange Blonde ins All-Star-Team berufen (im Bild mit seinem späteren Teamkollegen Jason Kidd), er gewann 2006 den Drei-Punkte-Wettbewerb und wurde neun Mal in den Kader der besten zehn Spieler der Saison gewählt. Doch ein Titel war ihm stets der wichtigste: der des NBA-Champions. Jahrelang versuchte Dallas-Besitzer Mark Cuban, um Nowitzki herum ein titelfähiges Team aufzubauen. Immer wieder glänzten die Mavs in der regulären Saison, sie hatten großartige Spielzeiten mit mehr als 60 Siegen. Doch in den Playoffs folgte dann das Aus gegen Teams wie Sacramento, Golden State, San Antonio oder die Lakers.

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Quelle: AFP

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Im Jahr 2006 standen die Mavericks vor dem ersten Titelgewinn. Dirk Nowitzki spielte den scheinbar besten Basketball seines Lebens, der ESPN-Kolumnist Bill Simmons sagte gar: "Außer Larry Bird hat niemand so auf der Position des Forwards agiert wie Dirk Nowitzki." Die Mavericks führten im NBA-Finale gegen die Miami Heat mit 2:0 - und lagen im dritten Spiel mit 15 Punkten vorne. Doch Dallas verlor die Partie und die drei Spiele danach, wobei Nowitzki in diesen drei Spielen gerade einmal 20 von 55 Würfen im Korb unterbringen konnte. "Diese Erinnerung verfolgt mich bis jetzt", sagte Nowitzki hinterher. Es war der bitterste Moment seiner Laufbahn, denn so oft erreicht man bekanntlich kein NBA-Endspiel.

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Quelle: AFP

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Aber er versuchte es wieder. "Er ist ein Phänomen", urteilte Experte Charles Barkley während der Spielzeit nach dem verlorenen Finale. "In jedem Jahr kommt er aus der Sommerpause zurück und spielt besser als je zuvor." Tatsächlich feilt Nowitzki in jedem Sommer in der Nähe von Bamberg mit seinem Mentor Geschwindner an seinen Schwächen. "Es ist unglaublich, wie hart er arbeitet, um so gut zu sein, wie er ist", sagt Kollege Tyson Chandler. Im Jahr 2007 wurde er als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet, die Fans in Dallas nannten ihn von da an "Dircules".

Im Jahr 2008 dann durfte er sich seinen Traum erfüllen: Das deutsche Team hatte sich für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert - und Dirk Nowitzki (im Bild vorne) durfte die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen. "Das war der schönste Moment in meinem Leben", sagte Nowitzki später über die Olympia-Teilnahme.

Dirk Nowitzki

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Kurz darauf wurde das Privatleben von Nowitzki erschüttert. Er verlobte sich mit Cristal Taylor, offenbar ohne von ihrer dunklen Vergangenheit zu wissen. Taylor hatte sich mehr als zehn Identitäten zugelegt und immer wieder Männer betrogen. Sie sei schwanger von Nowitzki, behauptete Taylor nach ihrer erneuten Verhaftung. Nowitzki erklärte sogleich, Verantwortung für das Kind übernehmen zu wollen - jedoch keinen Kontakt mehr zu Taylor haben zu wollen: "Mir wurde klar, dass ich diese Frau nur noch aus dem Haus haben wollte." Später stellte sich heraus, dass Taylor gar nicht schwanger war.

Daraufhin konnte sich Nowitzki wieder auf Basketball konzentrieren - und erreichte die Form seines Lebens. In den Vereinigten Staaten übertrafen sich die Experten gegenseitig mit Lobliedern auf den Mann aus Germany. Alle waren sich einig, dass Nowitzki einmal in die Hall of Fame, die Ruhmeshalle der erfolgreichsten Basketballer, aufgenommen werden wird. Kein Wunder bei den formidablen Statistiken: Weit mehr als 20 Punkte pro Spiel hat er in seiner Karriere erzielt, gar mehr als 25 in den Playoffs. Er hat seine Defensivarbeit deutlich verbessert, gilt als exzellenter Passer und hervorragender Anführer. "Die Akteure der Mavericks spielen auch für ihn", sagte 2010 sein Kollege Jason Kidd.

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Quelle: AFP

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Im Juni 2011 hatte es Nowitzki tatsächlich geschafft: Durch den 4:2-Finalsieg gegen die Miami Heat holten die Dallas Mavericks den NBA-Titel, Nowitzki wurde dabei als MVP ausgezeichnet - er war damit der wertvollste Spieler des Finals. In der Stunde des Triumphes sagte der Würzburger: "Ich kann das noch gar nicht richtig in Worte fassen, was das jetzt bedeutet. Aber das kann uns nie mehr einer nehmen, die Meisterschaft im Jahr 2010/11 gehört für immer den Dallas Mavericks." Nachdem sich der damals 32-Jährige direkt nach der Schlusssirene kurz in die Kabine verdrückt hatte, um ein paar Tränen loszuwerden, stemmte er schließlich die Trophäe in die Luft: Dirk Nowitzki war Meister - und daheim in Würzburg fand eine Party statt, nach der Zehntausende mit Augenringen zur Arbeit erschienen.

Lithuania vs Germany

Quelle: dpa

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Doch die lange Saison des Jahres 2011 war noch nicht zu Ende: Nach nur zwei Wochen Urlaub bestätigte Nowitzki, dass er mit der Nationalmannschaft an der EM 2011 in Litauen teilnehmen würde - um mit einem guten Abschneiden die Olympia-Qualifikation möglich zu machen. Daraus wurde leider nichts. Der ausgepumpte Playoffheld war nicht bei vollen Kräften, er konnte sein Team nicht wie gewohnt tragen und die deutsche Mannschaft schied in der Zwischenrunde aus. Nowitzkis DBB-Karriere ging vorerst zu Ende.

Dirk Nowitzki Vorschaubild

Quelle: SZ

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In Dallas musste der Kapitän der Mavs damit klarkommen, dass einige Stützen der Meistermannschaft den Klub verließen. Immer noch war der Klub in der normalen Saison besser als viele andere, aber ein Problem wurde immer deutlicher: Beim Mitbieten um die beliebtesten Markenhelden, Dunkingkönige und Riesen hatte Dallas kaum Erfolg. Meist landeten die besten Profis bei anderen Teams - während Nowitzki vieles alleine regeln musste. Die Jahre 2012 und 2013 endeten mit frustrierenden beziehungsweise verpassten Playoffs.

Immerhin ließ sich der Deutsche seinen Humor nicht nehmen und verkleidete sich auch mal als Donald Trump. 2015 erschien eine Doku über sein Lebenswerk im Kino: In "Der perfekte Wurf" (hier eine SZ-Rezension) kamen alte Rivalen oder Weggefährten wie Kobe Bryant und Jason Kidd zu Wort, während Nowitzki total unprätentiös in seinem Kleinwagen durch Dallas gondelt. "Schon Wahnsinn", sagt er am Ende des Films, "ich kann halt ganz gut Bälle in Körbe werfen, aber andere sind bestimmt in haufenweise wichtigeren Dingen talentiert - und die kennt kein Mensch."

Deutschland - Spanien; nowitzki

Quelle: Lukas Schulze/dpa

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Im Spätsommer 2015 durfte Deutschland als einer von vier EM-Ausrichtern einspringen - der DBB konnte sogar zu Hause in Berlin seine Vorrundenspiele absolvieren. Für Nowitzki war das ein Grund, doch noch einmal ins Nationalteam zurückzukehren. Mit 36 Jahren agierte er aber nicht mehr als alleiniger Leader, sondern als Helfer für Dennis Schröder, den neuen deutschen NBA-Glitzertypen. In fünf Partien kämpfte Nowitzki bis zum letzten Schweißtropfen, aber Gegner wie Italien, Spanien oder die Türkei waren zu stark. Vier äußerst knappe Niederlagen beendeten Nowitzkis internationale Karriere - und es flossen Tränen.

Champions for Charity Benefiz Fussballspiel zu Ehren von Michael Schumacher mit den Nazionale Pilot; Dirk Nowitzki

Quelle: imago/Nordphoto

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Doch er erholte sich auch davon. Nowitzki, mittlerweile Vater von drei Kindern aus einer Ehe mit seiner schwedischen Frau Jessica, kommt immer wieder gerne zurück nach Deutschland. 2016 ließ er ein weiteres Playoff-Aus mit den Mavericks hinter sich und nahm an einem Benefiz-Fußballspiel in Mainz teil. Etwas hüftsteif, aber in bester Laune gelang ihm eine Flanke zu einem Fallrückziehertor von Lukas Podolski. Der Treffer wurde sogar "Tor des Monats" in der ARD.

Kurz vor seinem Karriereende schaffte Nowitzki noch einen besonderen Rekord. Er überholte in der ewigen Scorerliste der NBA einen der allergrößten: Wilt Chamberlain. Er beendet seine Karriere damit als sechstbester Punktesammler der Geschichte.

© SZ.de/schma

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