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Fußball:DFL-Chef Seifert erhält noch mehr Macht

DFL-Mitgliederversammlung in Neu-Isenburg

Christian Seifert wird in der DFL noch mächtiger.

(Foto: dpa)
  • Die Deutsche Fußball-Liga segnet nach heftigen Kontroversen eine Strukturreform ab.
  • Geschäftsführer Christian Seifert erhält noch mehr Macht.
  • Doch bald dürfte es neue Debatten geben.

Es war ein gewohntes Bild, das es am Dienstag in einem Konferenzsaal des Frankfurter Kempinski-Hotels zu sehen gab: Auf der einen Seite des Podiums saß Reinhard Rauball, auf der anderen Christian Seifert, dazwischen ihr Sprecher. So sah das in den vergangenen Jahren oft aus nach Veranstaltungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), des Zusammenschlusses der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Liga. Rauball, 72, und Seifert, 50, waren das Führungs-Duo der Liga, Rauball seit 2007 als Präsident, Seifert seit 2005 als Geschäftsführer.

Doch von August an ändert sich das. Rauball will sich nicht noch mal wählen lassen, einen Nachfolger gibt es nicht, sondern eine neue Struktur, wie die Mitgliederversammlung am Dienstag beschloss. Und die bedeutet grob zusammengefasst: Seifert erhält noch mehr Macht.

In Zukunft soll es zwar weiter ein neunköpfiges Präsidium geben, das aus sieben Vertretern der Vereine und zweien der DFL-Geschäftsführung besteht. Aber es gibt keinen Präsidenten mehr, sondern drei statt bisher zwei Stellvertreter und einen Präsidiumssprecher: nämlich Seifert. Der war in den vergangenen Jahren operativ ohnehin schon der entscheidende Mann, aber nun lägen "operative Verantwortung und kommunikative Vertretung" in einer Hand, wie der scheidende Präsident Rauball sagte.

Aufsichtsratschef soll kein Externer werden, sondern ein Vertreter der Vereine

Mit dieser Entscheidung endet zunächst eine Strukturdebatte, die mit der Ankündigung von Rauballs Ausscheiden vor einem Jahr begann. Dabei gab es durchaus heftige Kontroversen innerhalb der 36 Profiklubs, weswegen die Änderungen nun auch anders ausfallen als ursprünglich angedacht. Für diverse Beteiligte, inklusive Seifert, ist die jetzige Lösung aber offenkundig nur ein Zwischenschritt, und so dürfte es bald schon zu den nächsten Debatten kommen.

Dabei wird es in den nächsten Wochen hinter den Kulissen trotz der neuen Struktur heftige personalpolitische Kämpfe geben. Denn Rauball gibt nicht nur das Amt des DFL-Präsidenten ab, sondern auch den Vorsitz des Aufsichtsrates, der die Arbeit der Geschäftsführung überwacht. Naheliegend wäre es zwar, dass in diesem Kontrollgremium Externe sitzen, doch die Klubs wollen dorthin nur ihre eigenen Vertreter entsenden. Und deswegen kommt es zu einer kuriosen Verquickung: Der Stellvertreter des Präsidiumssprechers wird zugleich Aufsichtsratschef sein, also einmal Seiferts erster Vertreter und einmal sein erster Kontrolleur. Der bisherige Vizepräsident Peter Peters (Schalke 04) gilt als ein aussichtsreicher Kandidat für diese Position, aber gegen ihn gab es im Laufe der Strukturdebatte von manchen Vereinsvertretern auch Vorbehalte. Die Wahlen für die neuen Positionen in Präsidium und Aufsichtsrat finden bei der DFL-Generalversammlung am 21. August statt.

Seifert wiederum schloss aus, dass er neben seinem neuen Amt auch noch einen Vorstandsposten im Weltverband Fifa oder in der europäischen Organisation Uefa übernimmt. Das ließe sich mit seiner Funktion zeitlich und inhaltlich nicht vereinbaren. Seit dem Rücktritt von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und von seinen internationalen Ämtern ist der deutsche Fußball dort nicht vertreten. Den neuen DFB-Präsidenten wollen DFB und DFL gemäß eines veränderten Fahrplanes nun bis Ende August vorschlagen; Ende September soll auf dem Bundestag die Wahl erfolgen.

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