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DFL:Alle sind gegen die neue Champions League

Vor DFL-Versammlung

DFL-Chef Christian Seifert.

(Foto: Arne Dedert/dpa)
  • Auf der DFL-Mitgliederversammlung votieren alle 36 deutschen Profi-Klubs gegen die kursierenden Pläne zur Reform der Champions League.
  • DFL-Chef Christian Seifert sagt, das Konzept würde langfristig sogar die Existanz der nationalen Ligen gefährden.

In Budapest kommen am Freitag die 55 Mitgliedsverbände von Europas Fußball-Union (Uefa) zusammen, um über ein heikles Thema zu beratschlagen. Seit Monaten gibt es Debatten über die Reform des Europapokals und insbesondere der Champions League ab der Saison 2024/25 - maßgeblich befeuert von der ECA, der Interessen-Vertretung der Großklubs. Zwar betonte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin zuletzt, dass noch nichts entschieden sei, sondern nur "Ideen und Meinungen" im Raum stünden. Aber die Ideen und Meinungen werden immer konkreter, und kurz vor dem Budapester Treff kommt nun aus dem deutschen Profifußball eine klare Haltung: eine einstimmige Ablehnung der Pläne durch alle 36 Erst- und Zweitligisten - inklusive der Großvereine FC Bayern und Borussia Dortmund.

Im Offenbacher Büsing-Palais trafen sich die Mitglieder der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Mittwoch. Dabei ging es etwa um das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, nach dem das Land Bremen bei sogenannten Risikospielen Gebühren für die Kosten des polizeilichen Mehraufwandes verlangen darf. Eine Arbeitsgruppe soll dies nun beraten, auch die Frage, inwieweit die Gebühren allein beim Heimverein Werder Bremen hängen bleiben könnten oder ob sich nicht auch der jeweilige Gastverein beteiligen müsste. Der Videoassistent kommt ab der nächsten Saison nun auch in der zweiten Bundesliga zum Einsatz. Und die Verabschiedung der neuen DFL-Struktur, die darauf hinausläuft, dass Geschäftsführer Christian Seifert noch mehr Macht erhält, ist auf Juni vertagt.

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Aber das große Thema dieser Sitzung, das war die klare Ablehnung der Europapokal-Reformvorschläge. "Das Konzept hätte fatale und nicht akzeptable Konsequenzen für die nationalen Ligen in Europa", sagte Seifert. Es würde mittel- bis langfristig deren Akzeptanz, Relevanz und letztlich sogar Existenz gefährden.

Bei den ECA-Reformideen geht es um eine Art dreigeteiltes Europaliga-System, also mit Champions League sowie zweiter und dritter europäischer Liga sowie insgesamt 128 Teilnehmern. Die Königsklasse selbst soll ein relativ geschlossener Kreis werden, in dem 24 von 32 Mannschaften automatisch fürs nächste Jahr gesetzt wären und sich nur acht Teilnehmer über die anderen europäischen Wettbewerbe sowie die nationalen Ligen qualifizieren könnten. Schließlich soll es in der Vorrunde der Champions League nicht mehr wie bisher acht Vierergruppen geben, sondern stattdessen vier Achtergruppen - mit einer entsprechenden Erhöhung der Spieltage.

Seifert sagte, die DFL sei nicht generell gegen Veränderungen. Aber Kritik gibt es insbesondere an den beiden Punkten, die die Champions League betreffen: die Anzahl der Spieltage und vor allem der Zugang zum Wettbewerb. "Veränderungen an diesen beiden Stellen dürfen nicht dazu führen, dass die Relevanz und Zukunft der nationalen Ligen gefährdet wird. Das würde dem gesamten europäischen Fußball nachhaltig schaden, und das kann niemals im Interesse der Uefa sein", so Seifert.

Nun ist allerdings die Frage, wie viel internationale Unterstützung die Position der DFL erhält. Laut Seifert seien alle Top-Ligen gegen die Reformpläne. Und innerhalb der von Andrea Agnelli, dem Präsidenten von Juventus Turin, geführten ECA gibt es offenbar ein vielschichtiges Stimmungs- und Interessensbild. Schließlich gehören den mehr als 200 vollwertigen oder assoziierten Mitgliedern dieser Vereinigung auch 13 deutsche Klubs an, allen voran der FC Bayern und Dortmund. Und die stimmten in Offenbach nun erstaunlich geschlossen gegen das Reformpapier.

Zudem ist klar, dass schon seit Monaten ein Ausloten und Feilschen im Gange ist, welche Veränderungen durchsetzbar sind. So kursierte bereits der Ansatz, dass die Champions League auch an Samstagen und Sonntagen spielen soll; aktuell ist davon nicht mehr die Rede. Aber es ist die Frage, ob manches von dem, was heute noch vehement abgelehnt wird, später mal als Kompromissmasse dienen wird.

Der Spielplan, so Seifert, sei aus deutscher Sicht nicht das Kernproblem, weil sich bei nur 18 Bundesligisten noch Spieltage unterbringen ließen. Dass aber das Abschneiden in den nationalen Ligen weitgehend irrelevant sein würde für die Qualifikation zur Champions League, erachtet Seifert als schwerwiegend.

Auf die Frage, was passiere, falls die Uefa den Reformplänen folgt, formulierte Seifert aber kein konkretes Szenario. Sondern er sagte nur, er vertraue darauf, dass Uefa-Präsident Ceferin den Prozess mit Weitsicht moderiere.

Und dass er keinen Anlass habe zu glauben, dass die Reform so widerspruchslos durchginge, wie sich das mancher in der ECA wünscht.

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