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DFB-Pokal:Gute Bekannte

Jahn Regensburg - Werder Bremen

Gefrustet nach dem Schlusspfiff: Für die Fußballer des SSV Jahn Regensburg endet mit einem 0:1 gegen Werder Bremen eine durchaus unterhaltsame Pokalspielzeit.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Mit dem SSV Jahn Regensburg verabschiedet sich nach der Niederlage gegen Bremen der letzte bayerische Pokalvertreter in dieser Saison. Aus ihrer Enttäuschung schöpfen die Oberpfälzer Kraft für ihr Ziel, in der zweiten Fußball-Bundesliga einen Stammplatz zu behaupten.

Von Johannes Kirchmeier, Regensburg

Als der Schiedsrichter Guido Winkmann am Mittwochabend ein letztes Mal in seine Pfeife blies, wich die Spannung aus den Körpern der Regensburger Fußballer um ihn herum. So als wären sie mit Luft gefüllt - und jemand hätte ihnen diese geradewegs abgelassen. Der Torhüter Alexander Meyer plumpste auf den kühlen Rasen, vor ihm sackte der Innenverteidiger Jan Elvedi hinunter. Beide legten sie ihre Hände gefrustet aufs Gesicht. Die Spieler des Zweitligisten waren niedergeschlagen, nachdem ihre kleine, aber feine Pokalreise durch das knappe 0:1 (0:0) gegen den Bundesligisten SV Werder Bremen endete. "Es stand bis zum Schluss 0:1 und natürlich glaubt man immer noch daran, dass man ein Tor machen kann. Deshalb ist die Enttäuschung jetzt schon groß", sagte Meyer nach der Viertelfinal-Partie im Stadion des SSV Jahn. Als letztes bayerisches Team schieden die Regensburger aus (der FC Bayern scheiterte ja schon in Runde zwei an Holstein Kiel), nach einer durchaus unterhaltsamen Pokalspielzeit.

Erstmals in seiner Vereinsgeschichte war der Jahn so weit gekommen, woran der Torwart auch direkten Anteil hatte: Mit drei Siegen im Elfmeterschießen qualifizierte sich der Klub für die Runde der letzten Acht, Meyer hielt in jeder Partie mindestens einen Elfmeter. Die Vorfreude war daher riesig gewesen auf dieses Viertelfinalspiel. Das zeigten auch die Einsendungen der Fans an den Verein, die einem Klubaufruf gefolgt waren und ihre Fan-Utensilien an ihren Häusern und in den Gärten drapierten: "Ostbayern wirft sich in Schal(e)", nannte der SSV die Aktion. Und auch wenn am Mittwoch die Begegnung nach 90 statt der fast schon üblichen 120 Jahn-Minuten beendet war, fiel bei genauerem Hinsehen in der eingangs erwähnten Szene auch auf: Nicht nur Regensburger plumpsten auf den Boden, sondern auch einige Bremer.

Die Leistung gegen Werder Bremen ist ein wichtiges Signal der Regensburger gewesen

Die Sequenz verriet: Das war ein hartes Stück Arbeit in der Oberpfalz für den großen Favoriten gewesen, der durch ein Tor des früheren 1860-München-Stürmers Yuya Osako gewann. Wie üblich verwickelte der SSV seinen Gegner in viele kleine Duelle zwischen den Strafräumen, die er auch oft für sich entschied. "Wir können stolz auf das sein, was wir in dieser Pokalsaison geleistet haben", sagte der Trainer Mersad Selimbegovic. Sein Gegenüber Florian Kohfeldt stimmte ihm zu und beglückwünschte die Jahnelf für "eine überragende Leistung".

Es bestanden auch Gelegenheiten für den Gastgeber, selbst noch zu treffen: Toptorjäger Andreas Albers scheiterte etwa zweimal aus aussichtsreicher Position - erst spitzelte er nach einem flink ausgeführten Einwurf in den Strafraum den Ball über Werder-Torwart Jiri Pavlenka, blöderweise aber auch knapp über dessen Tor (47. Minute). Und kurz vor Schluss stand er plötzlich noch einmal frei vor dem Torhüter, schoss diesen jedoch an (90.).

Aus dem Bremen-Spiel will Selimbegovic nun auch Hoffnung schöpfen für die restliche Zweitliga-Saison, in der es für den SSV als Tabellen-14. noch um den Klassenverbleib geht: "Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir auch gegen einen starken Gegner eine Chance hatten." Gerade beim nächsten Kontrahenten Kiel (Samstag, 13 Uhr), der um den Aufstieg kickt, dürfte sich das Spiel ähnlich gestalten. Acht Partien stehen noch an, eine ist wie das Pokal- ein Nachholspiel. Zur Erinnerung: Elf Mitglieder der Jahn-Mannschaft und des -Funktionsteams hatten sich Anfang März mit dem Coronavirus infiziert. Insofern war die Leistung am Mittwoch ein wichtiges Signal dafür, dass alle wieder fit sind nach der virusbedingten Auszeit.

Die Prämien von etwa zwei Millionen Euro mildern ein wenig die Einbußen des Jahn

Neben Regensburg mussten in der zweiten Liga im März auch Kiel und Hannover 96 in Quarantäne wegen positiven Covid-19-Tests, in dieser Woche folgten nun der Karlsruher SC sowie der SV Sandhausen. Die englischen Wochen dürften also zunehmen im Endspurt. Sollten noch mehr Vereine dazukommen, droht vielleicht sogar ein Terminengpass, da direkt nach der Saison die Relegation und im Juni die Europameisterschaft anstehen. Der Jahn selbst spielt bis 24. April nun alle drei bis vier Tage, ist von den Absetzungen der KSC- und SVS-Spiele an den kommenden beiden Wochenenden aber nicht betroffen.

Im Pokal folgt nach dem knappen Ende der ungewöhnlich erfolgreichen Reise der nächste Anlauf in der neuen Saison. Lange waren der Wettbewerb und der Jahn keine rechten Freunde, nach den jüngsten Erlebnissen sind sie vielleicht aber gute Bekannte. In dieser Spielzeit taten die Siege dem Verein besonders gut - mildern die Prämien von etwa zwei Millionen Euro doch zumindest ein wenig die Einbußen, die eine bislang nahezu Zuschauer-lose Saison in Regensburg mit sich bringt. Und eine Möglichkeit, um weiter Geschichte zu schreiben, bleibt der Mannschaft ja noch: Auch der vierte Zweitliga-Verbleib in Serie wäre für den Jahn historisch.

© SZ/and/fse
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