DFB-Pokal Den Fluch des Mats Hummels gebannt

Kingsley Coman lässt sich für sein Tor zum 1:0 feiern.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern setzt sich im DFB-Pokal mit 6:0 gegen den SC Paderborn durch.
  • Coman, Lewandowski, Kimmich, Tolisso und zwei Mal Robben treffen.

Mats Hummels trabte durch den Strafraum, er war zu weit weg, er würde zu spät sein, er konnte es schon vor sich sehen: dass der Außenseiter ein Tor erzielen würde. Also trabte Hummels weiter ins Tor, vielleicht schon in der Gewissheit, dort gleich den Ball aufnehmen zu müssen. Hummels kennt das ja, Gegentore im Pokal beim Außenseiter, aber das war nicht der Grund, warum er so ruhig blieb. Der Grund war, dass er nichts mehr zu befürchten hatte an diesem Abend.

Und als er dann im Tor angekommen war, wartete dort nicht einmal der Ball auf ihn. Philipp Tietz hatte vorbeigeschossen.

Der Pokal-Fluch des Mats Hummels, das war eine der Geschichten, um dieses Viertelfinale zwischen dem Außenseiter aus Paderborn und dem Favoriten aus München vor dem Anpfiff als eine nicht ganz so eindeutige Angelegenheit erscheinen zu lassen. Zweimal war der Innenverteidiger zuvor im DFB-Pokal beim Tabellenführer der dritten Liga angetreten, zweimal hatte er verloren. 2009 mit Dortmund in Osnabrück (2:3), ein Jahr später ebenfalls mit dem BVB in Offenbach (2:4 nach Elfmeterschießen). Und am Dienstagabend wartete in Paderborn wieder: der Tabellenführer der dritten Liga.

Der Pokal-Fluch des Mats Hummels wurde gebannt, der FC Bayern erlebte einen weitgehend schreckfreien Abend, durch das 6:0 (3:0) in Paderborn zog der Klub zum neunten Mal in Serie ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Der Favorit glänzte nicht durchgehend, aber er erledigte das meiste mit eiskalter Konsequenz. Das reichte für eine eindeutige Angelegenheit gegen den SC Paderborn, der zwar phasenweise nicht hinterherkam, der aber phasenweise auch frech und forsch spielte.

Das war ja die zweite Geschichte, um dieses Viertelfinale zwischen dem Außenseiter und dem Favoriten vor dem Anpfiff als eine nicht ganz so eindeutige Angelegenheit erscheinen zu lassen: dass Paderborn einen offensiven, mutigen Stil pflegt, und dass die Mannschaft diesen auch im Duell mit dem FC Bayern umsetzen wollte. Jupp Heynckes, der Münchner Trainer, nahm diese Ankündigung ernst, er demonstrierte das mit seiner Aufstellung. Sieben Spieler wechselte er aus im Vergleich zum 2:0 am Samstag in Mainz, gegen Paderborn begann somit die vermeintlich stärkste Mannschaft, die Heynckes zurzeit zur Verfügung steht.

Diese Stärke wies die Mannschaft auch sofort nach dem Anpfiff nach, in der dritten Minuten hatte Robert Lewandowski die Chance zur Führung: Er scheiterte mit seinem Kopfball jedoch an Michael Ratajczak. Es hätte der Auftakt zu einem langweiligen Abend werden können. Es war der Auftakt zur besten Phase des Tabellenführers der dritten Liga.

Paderborn attackierte früh, zwang die Gäste dadurch zu leichten Fehlern. Und so kam der Außenseiter selbst immer wieder zu guten Gelegenheiten, meistens nach Standardsituationen, und meistens war dann Marlon Ritter beteiligt. In der achten Minute schlug dieser einen Freistoß in den Strafraum, kurz danach lag der Ball hinter FCB-Keeper Sven Ulreich im Tor - der Treffer zählte allerdings nicht; Sebastian Schonlau hatte im Abseits gestanden. Auch danach tauchte der Gastgeber immer wieder gefährlich im Strafraum auf, die Münchner Verteidiger waren minutenlang gefordert. "Das haben die Paderborner geschickt gemacht", lobte Heynckes, "und wir waren nicht aufmerksam." Und so musste Hummels bis zur 19. Minute fürchten, dass sich sein Pokal-Fluch fortsetzen könnte. Dann jedoch ging es ganz schnell.