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DFB:Keller sucht die Entscheidung

DFB-Präsident Keller ´unzufrieden" mit Einjahresbilanz

Mitten in einem ausgewachsenen Machtkampf: DFB-Präsident Fritz Keller.

(Foto: dpa)

Im Machtkampf zwischen Präsident Keller und Generalsekretär Curtius wird der Ton immer derber. Nun will Keller einen internen Untersuchungsausschuss - es könnte das Finale des Konflikts werden.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Es gab schon viele Machtkämpfe im Deutschen Fußball-Bund (DFB), so wild wie im Moment aber ging es intern wohl noch nie zu. Die Auseinandersetzung zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius wird mit aller Härte geführt. Pausenlos dringen Interna nach außen, die Vertrauensbasis erscheint irreparabel zerstört, immer deutlicher wird, dass nur für einen der beiden noch Platz an der Verbandsspitze ist. Dazu passt, dass zur Klärung wichtiger interner Fragen nun sogar die Berufung eines neuen, eher ungewöhnlichen Gremiums betrieben wird, das es so in der auch an ungewöhnlichen Gremien reichen Historie des Verbandes noch nie gab.

Nach SZ-Informationen wird im DFB-Präsidium diskutiert, einen internen Untersuchungsausschuss einzurichten. Demnach warb Präsident Keller jüngst bei seinen Kollegen schriftlich für eine solche Konstruktion, um unter anderem die "Indiskretionen" der vergangenen Monate begutachten und sachlich aufarbeiten zu lassen. Nach Kellers Idee sollten sich drei oder vier Kollegen aus dem Präsidium sowie ein Wirtschaftsprüfer zu diesem Prüfstab zusammenschließen. Er selbst, heißt es nach SZ-Informationen, wolle "vollumfänglich die Informationen bereitstellen, die mir vorliegen und die mich dazu gebracht haben, kein Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Friedrich Curtius mehr zu haben". Der Fehdehandschuh ist geworfen - es geht richtig zur Sache.

Der DFB bestreitet den Vorgang auf Anfrage nicht. Er teilt dazu nur mit, das Präsidium habe ja im Oktober beschlossen, "an mehr Geschlossenheit an der Führungsspitze zu arbeiten, um im Interesse des Verbandes und aller Mitglieder gemeinsam nach vorne zu schauen". Daher wolle man sich "weder zu laufenden internen Gesprächen äußern noch an externen Spekulationen beteiligen".

Aber wo soll die Geschlossenheit herkommen, wenn die Weggefährten heillos zerstritten und die Fronten so verhärtet sind, dass sich eine interne Untersuchung aufdrängt?

Der Vorgang illustriert die zerstörte Vertrauensbasis

Untersuchungsausschuss. So eine Einrichtung wird gemeinhin mit den großen Themen der Berliner Politik verbunden: Wirecard, Mautdebakel, Abgasskandal. Da soll dann durch parlamentarische Gremien aufgedröselt werden, wer was wann wusste und wer für was die Verantwortung trägt. Beim DFB ist die Konstruktion natürlich eine andere. Aber der Vorgang illustriert, wie angespannt die Lage ist und wie sehr trotz aller internen Gesprächsrunden über die vergangenen Monate die Vertrauensbasis zerstört worden ist.

Seit Monaten läuft der Machtkampf zwischen Keller, 63, und Curtius, 45. Ein zentraler Streitpunkt ist der Umgang mit dem Wirken der Ermittler von der Firma Esecon, die seit mehr als eineinhalb Jahren im Verband zugange sind - und jede Menge Unruhe ausgelöst haben. Ende Januar soll endlich ihr Bericht zur sogenannten Generalinventur vorliegen, inklusive neuen Erkenntnissen zu den Fragwürdigkeiten rund um die WM 2006. Just zu diesem Punkt hatten sich der DFB und seine externen Fahnder lange Zeit weitreichende Erkenntnisse erhofft; bis hin zur konkreten Auflösung des knallharten Korruptionsverdachts um die Frage, wie das "Sommermärchen" einst ins Lande kam.

Ein Treiber der aktuellen Eskalation sollen auch Dienstleistungen im weiten Feld der Kommunikationsberatung sein. In der Verbandszentrale, so ist zu hören, habe von präsidialer Seite eine merkwürdig mühselige Schnitzeljagd nach einem ungewöhnlichen Vertragswerk geführt werden müssen, das womöglich einiges zu den Vorgängen offenbaren könnte, die den DFB seit Monaten in Atem halten.

Die Lager für den Crash an der Verbandsspitze sind jedenfalls formiert: Der Profibereich und andere zunehmend irritierte Beobachter stützen den erst seit Herbst 2019 amtierenden Keller, die hohen Amateurvertreter wie Vizepräsident Rainer Koch oder Schatzmeister Stephan Osnabrügge stehen im Lager von Curtius. Letzteres Trio hat auch die Mehrheit im mächtigen fünfköpfigen Präsidialausschuss, dem gesetzlichen Vertreter des Verbandes. Dort weiß Keller allein Peter Peters an seiner Seite, den Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Aber geprüft werden sollen die Dinge im ohnehin zuständigen Präsidium. Dort sitzen 13 stimmberechtigte Funktionäre, neben Keller, Curtius, Osnabrügge, Koch und Peters drei DFL-Vertreter sowie fünf Funktionäre aus Amateur- und Regionalverbänden. Es bleibt abzuwarten, wie sich Letztere positionieren. Nach SZ-Informationen stemmen sich hochrangige Präsidiumsvertreter mit aller Kraft gegen einen Untersuchungsausschuss; beschworen wird, was längst verloren ist: die Einheit im Verband. So könnte am Ende stattdessen auch eine außerordentliche Präsidiumssitzung stehen, bei der alle Erkenntnisse, Fakten und vielleicht auch problematischen Papiere auf den Tisch kommen. Dann wäre quasi das komplette Präsidium der Untersuchungsausschuss.

In jedem Fall steht das furiose Finale des Machtkampfes bevor. Im Herbst war das vergiftete Binnenklima im Kontext von Steuer-Ermittlungen gegen DFB-Spitzenleute erstmals nach außen gedrungen. Ende Oktober mailte Curtius dem Präsidium, er habe in einem Gespräch mit Keller eine gemeinsame Mediation vorgeschlagen - und hätte gerne "zwei neutrale Begleiter" aus dem Präsidium dabei. Aber dieses hielt auf der folgenden Sitzung nur allgemein fest, Ziel sei es, "die entstandenen internen Dissonanzen schrittweise aufzuarbeiten".

Peter Peters attackiert in einem Gastbeitrag den DFB insgesamt

Seither spitzte sich der Konflikt aber massiv zu. Keller geriet wiederholt unter Rechtfertigungsdruck, nachdem Interna herausgedrungen waren. Liga-Mann Peters schlug zurück, via Gastbeitrag fürs Fachmagazin Kicker attackierte er in bemerkenswerter Derbheit den DFB insgesamt und Curtius sehr konkret. Die Vertreter der Amateur- und Regionalverbände sowie Schatzmeister Osnabrügge konterten, indem sie anmahnten, man habe doch beschlossen, das Thema im Januar "gemeinsam und vertrauensvoll" aufzuarbeiten.

Dem Vernehmen nach soll Curtius' Seite kürzlich erneut eine Mediation unter Mithilfe des Ethik-Komitees angeregt haben. Keller, heißt es, habe abgelehnt. Zu oft sei er enttäuscht worden von solchen Gesprächen, längst sprächen brisante Vorgänge für sich - was ihn zur Idee eines Untersuchungsausschusses animierte.

Spannend wird sein, was und wen Keller alles meint, wenn er Indiskretionen beklagt - und welche internen Recherchen auf dem Tisch landen. Ein Untersuchungsausschuss wäre sicher nicht der schlechteste Weg, endlich Licht in die dunkle Seite des DFB zu bringen.

© SZ/cca
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