DFB-Elf gegen Frankreich Winziger Blick in eine bessere Zukunft

  • Die DFB-Elf verliert in der Nations League 1:2 in Frankreich und muss den Abstieg fürchten.
  • Bundestrainer Löw wagt dabei eine völlig neue Ausrichtung - am Ende steht trotzdem die nächste Niederlage.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen der Nations League.
Von Christof Kneer, Paris

Thomas Müller hatte einen ausgezeichneten Sitzplatz an einem herrlichen Spätsommerabend in Paris, er saß in Stadion St. Denis auf einer Bank. Nicht ganz so gemütlich hatten es Jérôme Boateng, Sami Khedira und Mesut Özil, die tagsüber in München, Turin und London zur Arbeit gingen. Jedenfalls stand keiner der vier Weltmeister von 2014 auf dem Platz, als der alte Weltmeister aus Deutschland am Dienstagabend im dritten Gruppenspiel der Nations League auf den neuen Weltmeister aus Frankreich traf.

Zum ersten Mal sah die deutsche Nationalmannschaft an diesem Abend ein bisschen so aus, wie sich die Leute im Land das nach der verunglückten WM in Russland erhofft hatten: Von seiner sagenumwobenen Achse hatte Jogi Löw nur noch Torwart Manuel Neuer, Verteidiger Mats Hummels sowie den Mittelfeldspieler Toni Kroos in seine Startelf gestellt, stattdessen ließ er im Vergleich zum 0:3 in Amsterdam fünf neue Spieler von der Leine: Niklas Süle, Thilo Kehrer, Nico Schulz, Leroy Sané und Serge Gnabry gaben der Elf ein neues Gesicht.

Dieses Gesicht stand Deutschland über weite Strecken des Spiels nicht schlecht, mitunter wurde gar ein winziger Blick in die Zukunft möglich. In diesem Stil darf die Elf künftig häufiger auftreten, dennoch musste sie sich am Ende der erdrückenden Qualität des Weltmeisters 1:2 (1:0) geschlagen geben. Auch Löws neu formiertes Team ist damit weiter vom Abstieg in der Nations League bedroht. Man darf gespannt sein, welches Fazit der Verband aus diesem Spiel ziehen wird: Löw hat dieses vorletzte Endspiel verloren - gleichzeitig war durchaus etwas Neues zu sehen.

Die Dreierkette wäre bei der WM eine gute Lösung gewesen

Es gehört nun zu den Kuriositäten des aktuellen deutschen Fußballs, dass sich von diesem Spiel sowohl der Bundestrainer als auch dessen Kritiker bestätigt fühlen durften. Löw sah mit einiger Zufriedenheit, wie seriös seine neu bestellte Abwehr-Dreierkette arbeitete, er sah, welche Professionalität sein Mittelfeldzentrum Kroos/ Kimmich ausstrahlte, und vielleicht bereitete es dem geplagten Mann sogar ein bisschen Vergnügen, die flinken Sané, Gnabry und Werner bei ihren Angriffsversuchen zu beobachten. Da war ihm in der Not doch was ganz Apartes eingefallen, diesem Bundestrainer, einerseits.

Andererseits: Warum erst jetzt?

Auch dieses Muster zieht sich ja durch Löws Bundestrainer-Karriere: dass er viele richtige Dinge ein bisschen (zu) spät und erst unter Druck macht. Eine Dreierkette wäre bei der WM auch mal eine gute Lösung gewesen, und auch auf die Idee mit Kimmich auf der Sechs hätte er früher kommen dürfen. Und dass er Leroy Sané nicht ins ebenfalls sagenumwobene Watutinki mitgenommen hatte, war nach diesem Spiel erst recht nicht mehr zu verstehen. Zusammen mit Werner und Gnabry schlug der Angreifer bisweilen ein Tempo an, mit dem seine Präzision zwar nicht immer mithalten konnte - aber allein die Tatsache, dass hier ein deutscher Spieler mal im doppelten Toni-Kroos-Tempo unterwegs war, wirkte erfrischend für alle, die noch die Stehversuche aus Russland in Erinnerung hatten. Erfrischend wirkte das auch für Toni Kroos selbst, der vor sich endlich mal Menschen fand, die sich flink bewegten. Kroos erinnerte sich nach all den 1000 Kurz- und Querpässen der jüngeren Vergangenheit wieder daran, dass man Pässe auch steil nach vorne spielen kann.