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WM-Aus der Nationalmannschaft:Wo bleiben Witz und Geschwindigkeit?

Das Spiel wirkte dennoch in der ersten Halbzeit so, als habe jemand den Lichtschalter weit herunter gedreht. Der Partie fehlte es an Tempo, an Dynamik, an den überraschenden Gedanken. Die Langsamkeit hatte es vor allem den Südkoreanern angetan, die den Deutschen bei jeder Gelegenheit ein paar Sekündchen wegnahmen, damit diese ja nicht in ihren Spielfluss finden. Sie warteten bei Standardsituationen, sie blieben auf dem Rasen liegen. Es war eine effektive Taktik.

Das deutsche Spiel sah dann so aus: Toni Kroos spielte seriöse, richtige Pässe. Özil spielte seriöse, richtige Pässe. Aber um die beiden herum passierte zu wenig, niemand schreckte die südkoreanische Abwehr mit Sprints auf, niemand riss eine Lücke, und so rannte auch niemand in eine Lücke hinein. Gelegentlich näherten sich die Deutschen dem Tor, ganz zaghaft. Den besten Angriff leitete Timo Werner ein, er klaute Jang Hyun-soo den Ball, spielte ihn zu Özil, der sah eine Lücke, Werner sah sie auch, er rannte in sie hinein. Sein Schuss wurde abgeblockt (39.).

Die Südkoreaner wagten sich nur selten in die Nähe des deutschen Tores, und doch hatten sie die beste Torchance. Jung Woo-young schoss einen Freistoß auf Neuer, der bereitete seine Arme für eine Umarmung vor - dann flutschte ihm der Ball aus dieser Umarmung raus. Seinen Fehler bereinigte er selbst, indem er den Ball heldenhaft vor Son Heung-min wegfaustete (19.).

Die zweite Halbzeit begann wie die erste, allerdings dauerte es bis zum Ballverlust von Özil keine 30 Sekunden. Auch er blieb ohne Folgen. Es gab im deutschen Spiel nun verhaltene Tendenzen, das Tempo zu erhöhen. Nach einer Flanke von Kimmich bot sich Goretzka eine prächtige Kopfballchance - Jo parierte ebenfalls prächtig (47.). Nach einem seriösen Pass von Özil probierte Kroos es mit einem seriösen Schuss. Er traf Goretzka (61.). Je länger das Spiel dauerte, umso mehr setzten sich die Deutschen in der südkoreanischen Spielfeldhälfte fest, die Mannschaft hatte auch genug Chancen. Flanke Kimmich, Kopfball Gomez, Parade Jo (68.). Flanke Kimmich, Gomez trat neben den Ball (71.). Die beste Möglichkeit hatte Hummels, der nach einer Flanke von Özil in der Strafraum hineinmarschiert, er traf den Ball, allerdings nur mit der Schulter (87.). Auch das erste Gegentor erzählte dann eine typisch deutsche Geschichte bei diesem Turnier. In der zweiten Minute der Nachspielzeit spitzelte Toni Kroos den Ball im eigenen Strafraum, er spitzelte ihn allerdings durch die Beine von Süle aufs eigene Tor zu. Dort wartete Kim Youg-won. Er traf. Der Schiedsrichter entschied zwar zunächst auf Abseits, nach einem Hinweis des Videoassistenten änderte er zurecht seine Meinung. Deutschland blieben vier Minuten für zwei Tore. Dann rannte Son aufs leere Tor zu.

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© SZ vom 28.06.2018/jbe
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