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DFB-Elf in der Einzelkritik:Elf Wanderer ohne Ziel

Toni Kroos gelingt kein weiterer Geniestreich, Mats Hummels nimmt den falschen Körperteil für seinen Torabschluss und Marco Reus verirrt sich im Labyrinth. Die DFB-Elf beim WM-Aus in der Einzelkritik.

Von Martin Schneider, Kasan

14 Bilder

Korea Republic v Germany: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

Quelle: Getty Images

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Manuel Neuer

Lief in einem Akt der Verzweiflung in der letzten Sekunde noch einmal nach vorne, es war das letzte Aufbäumen, die letzte Regung, das Sinnbild der Verzweiflung. Südkorea schoss dann noch das 2:0, weil Neuer irgendwo auf dem Feld stand, aber das war dann auch egal. Wackelte einmal nach einem Freistoß, aber ansonsten war er derjenige, der am wenigsten für dieses Aus konnte. Tore verhindern, das war vor dem Spiel klar, das würde nicht reichen.

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Quelle: AFP

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Joshua Kimmich

Macht in Russland mehr Meter als die transsibirische Eisenbahn. Läuft am meisten im deutschen Team (im Schnitt 11,4 Kilometer), zieht die meisten Sprints an (39,5 pro Spiel) und wäre auch gegen Südkorea noch mehr gelaufen, wenn nicht ein Fifa-Bürokrat auch die Länge des Fußballfeldes in Kasan auf 105 Meter begrenzt hätte. Sein Problem: Fußball ist nicht Marathon. Wurde oft freigespielt, aber die letzte Präzision, die fehlte in seinen Hereingaben und die wäre so bitter nötig gewesen.

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Niklas Süle

Ist 1,95 Meter groß, vermutlich um die 90 Kilo schwer und nimmt damit doppelt so viel Raum ein wie jeder Südkoreaner. Hat keinen verheerenden Ballverlust in seiner WM-Bilanz stehen, war der defensivere der beiden Innenverteidiger und machte keinen entscheidenden Fehler - aber daran wird sich nun auch niemand mehr erinnern.

WM 2018 - Südkorea - Deutschland

Quelle: dpa

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Mats Hummels

Hatte die beste deutsche Chance der ersten Halbzeit, was natürlich auch etwas über das Spiel aussagte. Machte in Abwesenheit von Thomas Müller den Thomas Müller und wollte in der 39. Minute den Ball reinmüllern. Wurstelte sich nach einer Standardsituation an zwei Gegenspielern vorbei, scheiterte dann aber am dritten. Hatte die beste deutsche Chance in der zweiten Halbzeit - aber er traf freistehend eine Flanke von Mesut Özil nur mit der Schulter statt mit dem Kopf. Hätte der große Retter dieses Spiels sein können.

Korea Republic v Germany: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

Quelle: Getty Images

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Jonas Hector

Lernte in den ersten Minuten die beiden Lees auf seiner Seite kennen. Lee Jaesung und Lee Yong, die beide bei einem Verein namens Jeonbuk Motors spielen, brachten ordentlich PS auf die Straße. Wurde dann von einem Menschen namens Wooyoung Jung an der Seitenlinie sauber weggegrätscht. Ausgerechnet Jung, der bei der Kölner Ikone Podolski in Japan im Verein spielt, grätschte den Kölner weg. Hatte kurz vor der Pause Pech, dass ihm Schiedsrichter Mark Geiger eine mögliche Vorlage für Timo Werner zurückpfiff. Ansonsten auch vom Joshua-Kimmich-Syndrom befallen. Lief viel, machte viel, war engagiert - aber nicht präzise genug in seinen Flanken und Pässen.

WM 2018 - Südkorea - Deutschland

Quelle: dpa

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Sami Khedira

Rückkehrer Nummer eins. Verschuldete gegen Mexiko das erste Gegentor und schoss daraufhin keinen Freistoß in den Winkel, um diesen Ballverlust wieder vergessen zu machen. Musste gegen Schweden pausieren und hatte nun vermutlich schlicht Glück, dass Sebastian Rudy nach seinem mehrfachen Nasenbeinbruch noch nicht richtig Luft bekam. Spielte eindeutig defensiver als gegen Mexiko - aber nicht zwingend sicherer. Braucht Selbstbewusstsein für sein Spiel und das ist ihm offensichtlich abhanden gekommen. Hatte nach 30 Sekunden den ersten Wackler, verursachte nach 18 Minuten einen unnötigen Freistoß, weil er mit viel zu hohem Bein in den Zweikampf ging und wirkte bei vielen Ballannahmen schlicht nervös. Folgerichtig, dass er nach der Schweden-Führung im Parallelspiel für Mario Gomez runter musste.

Korea Republic v Germany: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

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Toni Kroos

Deutschland hätte wieder einen seiner Geniestreiche gebraucht, stattdessen sprang der Ball in der Nachspielzeit von seinem Fuß zu Kim Young-gwon. Der Schiedsrichter entschied erst auf Abseits, doch der Videoschiedsrichter erkannte den Irrtum, sah Kroos' verhängnisvolle Berührung und entschied auf Tor für Südkorea. War einmal der Held, aber das war nicht genug, um diese deutsche Mannschaft zu retten.

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Leon Goretzka

Spielt in seinem Klub Schalke zusammen mit dem Brasilianer Naldo, der für seine Torpedo-Kopfbälle bekannt ist. Hätte ein bisschen Naldo sein müssen, als er Sekunden nach dem Wiederanpfiff frei zum Kopfball kam. Hätte auch ein bisschen Özil sein müssen, brachte seine Pässe nicht so genau zum Mitspieler wie die Nummer zehn. Der dritte Spieler im deutschen Kader nach Hector und Kimmich, der ein bisschen Power für ein bisschen Genauigkeit hätte opfern müssen. Ging in der 63. Minute für Thomas Müller.

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Quelle: AP

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Mesut Özil

Rückkehrer Nummer zwei. Profitierte von der sehr lässigen Einstellung von Julian Draxler und von der Tatsache, dass der Bundestrainer den Artenschutz für Thomas Müller für beendet erklärte. Ging weite Wege, bot sich überall an, nahm die Pässe sauber an und spielte sie präzise weiter. War der beste Deutsche in der ersten Halbzeit. Das große Aber: Es fehlte der eine zündende Pass, die eine Idee und die hätte von irgendjemandem kommen müssen. Sie kam auch von Özil nicht.

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Quelle: AP

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Marco Reus

Suchte den Weg durch die koreanische Abwehr und verlief sich in diesem roten Labyrinth. War überall, aber viel zu oft zur falschen Zeit am falschen Ort und wirkte wie ein Wanderer ohne Ziel. Ist in Dortmund ja genau für seine Zielstrebigkeit bekannt, dafür, dass er in einer künstlerisch veranlagten Elf auch mal einen Ball einfach reinknallt. Hätte dringend mehr der BVB-Reus sein müssen. Weinte nach dem Schlusspfiff.

World Cup - Group F - South Korea vs Germany

Quelle: REUTERS

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Timo Werner

Rannte und rannte und rannte und rannte sich fest. Versuchte es immer und immer wieder und es tat fast weh, ihm dabei zuzusehen, wie ständig ein südkoreanisches Bein entweder seinen Weg oder seinen Pass kreuzte. Das Spielfeld hätte zehn Meter länger sein müssen, dann wäre er schon irgendwie durchgekommen. Verfing sich wie Reus im südkoreanischen Netz.

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Quelle: AFP

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Mario Gomez

Kam herein, um ein Stürmertor zu machen und machte kein Stürmertor. Vergab wie gegen Schweden einen Kopfball, verpasste in der 71. Minute dann eine Hereingabe von Kimmich in guter Position.

Korea Republic v Germany: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

Quelle: Getty Images

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Thomas Müller

Kam herein, um ein Müller-Tor zu schießen und machte kein Müller-Tor. Vergab einen Kopfball, sonst hatte er keine Aktion.

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Quelle: AFP

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Julian Brandt

Schoss gegen Mexiko gegen den Pfosten, schoss gegen Schweden gegen den Pfosten und die ganze Nation hoffte, dass er diesmal das Tor treffen würde. Traf das Tor nicht.

© SZ vom 28.6.18/jbe
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