Deutsche EM- und Olympiabewerbung:Furcht vor neuer Abstimmungspleite

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Auf die Termine hätte es ebenfalls Auswirkungen. Die Veranstaltungen müssten entzerrt werden, wie selbst die Supersommer-Euphoriker einräumen. Von fünf bis sechs Wochen sprach Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Üblich sind aber nur dreieinhalb Wochen Pause. Überdies verliefe die in der Charta vermerkte "Medienberichterstattung" sicherlich anders.

Insofern fällt an diesem Freitag eine Vorentscheidung, wie der deutsche Sportkalender 2024 aussehen wird. Europas Fußballunion verkündet in Nyon, welche zwölf Städte die über den ganzen Kontinent verteilte EM 2020 austragen und welches Land den Zuschlag für Halbfinals und Endspiel erhält.

Formal hat sich der deutsche Fußballverband dafür zwar beworben, doch in den vergangenen Tagen hat sich der Trend für eine wohl längst getroffene Abmachung verfestigt: Das Finale 2020 geht nach England, Deutschland begnügt sich mit dem Gruppenpaket - und ist dafür als Austragungsland der EM 2024 gesetzt. Denn ein 24er-Turnier können ohnehin nur die paar großen Länder Europas stemmen - und nur Deutschland steht finanziell gut da. Nur: Damit wären die Aussichten auf Olympia im selben Jahr dahin.

19 Kandidaten für EM 2020

2020 findet die Fußball-EM erstmals auf dem ganzen Kontinent statt. An diesem Freitag entscheidet die Europäische Fußball-Union (Uefa), in welchen Städten. Die wichtigsten Fragen:

Wie viele Austragungsstätten gibt es?

13. An zwölf Orten finden je drei Gruppenspiele sowie ein Achtel- oder Viertelfinale statt ("Standardpaket"). An einem Ort Halbfinale und Finale.

Wer hat sich ums Standardpaket beworben?

Insgesamt 19 Verbände: Aserbaidschan (Baku), Belgien (Brüssel), Bulgarien (Sofia), Dänemark (Kopenhagen), Deutschland (München), England (London), Irland (Dublin), Israel (Jerusalem), Italien (Rom), Mazedonien (Skopje), Niederlande (Amsterdam), Rumänien (Bukarest), Russland (St. Petersburg), Schottland (Glasgow), Schweden (Stockholm), Spanien (Bilbao), Ungarn (Budapest), Wales (Cardiff), Weißrussland (Minsk).

Wer hat sich für die Finalwoche beworben?

Deutschland (München), England (London)

Wie läuft die Vergabe?

Zunächst bestimmt der Uefa-Vorstand den Finalort, danach die übrigen Spielorte. Die Bewerber teilt er in sechs bis acht geografische Zonen ein, die jeweils mindestens zwei Spielorte umfassen. Damit sollen den beteiligten Teams und den Zuschauern weite Reisen erspart werden. dpa

Doch selbst wenn der Uefa-Entscheid anders ausfiele, sieht es für Sommerspiele 2024 in Deutschland mau aus. Es gilt als abgemacht, dass eine Stadt aus den USA kandidiert - und nach den Machtgesetzen der Sportwelt dürfen die Amerikaner nicht noch einmal brüskiert werden. Zumal das IOC just mit dem Fernsehsender NBC einen Vertrag über fast acht Milliarden Dollar besiegelt hat. Die Kandidaten Hamburg und Berlin haben zwar jüngst erste Konzepte vorgelegt, doch wie es heißt, überwiegt in der Spitze des deutschen Sports die Einschätzung, dass es sportfachlich noch einiger Korrekturen bedarf. Auch bezweifeln Experten, dass die angegebenen Kosten - jeweils knapp über zwei Milliarden Euro - wirklich ausreichen; sie gehen von deutlich mehr aus.

Das dürfte die skeptische Grundhaltung in der Bevölkerung gegenüber dem IOC befeuern. Die Funktionäre treibt auch die Furcht vor einer neuen Abstimmungspleite um, wie schon bei der Münchner Kandidatur für 2022. Vor allem ein Nein in der Bundeshauptstadt Berlin wäre für die DOSB-Spitze, aber auch für IOC-Präsident Thomas Bach eine Blamage. Vielleicht ist auch deshalb eine Tendenz gen Hamburg zu vernehmen, wo die Chancen auf ein positives Bürgervotum als höher gelten.

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