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Davis-Cup-Team schafft Klassenerhalt:Cedrik-Marcel Stebe erhebt sich über sich selbst

Euphorie für einen Tag: Der 21-jährige Tennisprofi besiegt im letzten Einzel den früheren Weltranglisten-Ersten Lleyton Hewitt und sichert der deutschen Davis-Cup-Mannschaft noch überraschend den Klassenerhalt. Dennoch bleibt das Team rundum zerstritten.

Der Australier stand nun plötzlich auch noch im Sonnenschein, sein gelbes Oberleibchen reflektierte die Strahlen, dass er fast blendete, und dann fuhr Lleyton Hewitt, dieser große, kleingewachsene Mann des Tennissports mit den Schuhen durch den Sand - vier Meter hinter der Grundlinie, kurz vor den Füßen des Linienrichters, wo er sich ohnehin eigentlich nie aufhalten muss. War da was? Eine Erhebung, ein formidabler Sandhügel womöglich?

Davis Cup Deutschland - Australien

Die Überraschung von Hamburg: Cedrik-Marcel Stebe bestritt gegen den Australier Lleyton Hewitt das Match seines Lebens und gewann in drei Sätzen.

(Foto: dpa)

Hewitt plättete ihn. Er stampfte ihn ein. Er lag doch gleich mit zwei Breaks vorne, erster Satz, und auf der anderen Seite stand nur Cedrik-Marcel Stebe, Weltranglistenplatz 127. Es wäre ja auch ein Witz, würde sich Hewitt, nein, würden sich die Australier, an diesem Wochenende in Hamburg noch wegen einer derartigen Banalität den Sieg nehmen lassen.

Es stand zwar 2:2, es ging für Australien um den ersten Aufstieg seit sechs Jahren - und für das deutsche Davis-Cup-Team darum, den ersten Abstieg aus der Weltgruppe seit 2003 zu verhindern. Aber Hewitt konnte ja nicht ahnen, dass sich Stebe, dieser 21 Jahre junge Profi, noch über sich selbst erheben sollte an diesem Sonntag. Dass Stebe "über Hewitt hinweg rauschte", wie es Stebe selbst später sagte; mit 6:4, 6:1, 6:4 in einer Partie, die fast abgelenkt hätte von all dem Stunk und Zank im deutschen Männertennis. Ja, fast.

Nachdem Hewitt den letzten Ball ins Netz geschlagen hatte, geschah alles gleichzeitig. Die Zuschauer am Hamburger Rothenbaum tobten, Teamchef Patrik Kühnen riss die Arme in die Höhe, und die Zeigefinger richtete er auf seine Spieler, die am Rande standen: Auf Florian Mayer, der zuvor Bernard Tomic 6:4, 6:2, 6:3 geschlagen hatte, auf Philipp Petzschner, auf Benjamin Becker. Es war eine Geste der Fassungslosigkeit, aber auch eine der allertiefsten Genugtuung. Sie sollte sagen: Seht her, ich hab euch doch gesagt, der Stebe, der macht das schon.

Rückblickend darf Patrik Kühnen von sich sagen, dass er alles richtig entschieden hat. Nun, da der Klassenverbleib geschafft ist, ist es aus sportlicher Sicht in Ordnung, dass er seinen besten Profi Philipp Kohlschreiber nach einem persönlichen Zerwürfnis, das seit Februar nicht beigelegt werden konnte, nicht nominiert hatte. Und jetzt bot sich ja auch noch diese fantastische Chance zur Versöhnung aus der Ferne. In aller Öffentlichkeit. Kühnen sagte: "Mit großem Teamgeist sind solche Dinge möglich." Aha! Und in Zukunft eventuell auch wieder mit Kohlschreiber? "Die Spieler müssen sich mit allem einbringen, was sie haben, und nicht nur mit Tennis. Das wird weiter mein Anspruch sein."

Nummer eins im Frauen-Tennis

Steffis Erben