Darmstadt 98 in der Bundesliga Schlechter als alle - und trotzdem hervorragend

Seit dem Winter Trainer in Darmstadt: Ex-Nationalspieler Torsten Frings.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Darmstadt 98 steigt bald aus der Bundesliga ab. Doch Torsten Frings hat in seinem ersten Trainerjahr ein Team geformt, das in eine gesunde Zukunft blickt.

Kommentar von Christof Kneer

Im Sommer 2006 war Torsten Frings der Mittelpunkt der Welt. Das lag daran, dass die Welt in besagtem Sommer weitgehend aus einem Fußballturnier in Deutschland bestand, das die deutsche Elf am Ende nicht gewann. Und wie man weiß, gewann es sie es nur deshalb nicht, weil Frings im Halbfinale gegen Italien gesperrt war. Und wie man ebenfalls weiß, war er nur gesperrt, weil die Italiener ihn angeschwärzt hatten.

So jedenfalls ging damals eine populäre Verschwörungstheorie. Das Viertelfinale gegen Argentinien hatte imposante Bilder geliefert, verschwitzte Männer standen anderen verschwitzten Männern mit erhobenen Fäusten gegenüber, während sich wieder andere verschwitzte Männer dazwischenwarfen. Es war ein Schlachtengemälde wie von da Vinci, der leider noch nicht wissen konnte, dass Schlachtengemälde später einmal "Rudelbildung" heißen würden. Am Ende wurde jedenfalls von höchster Stelle befunden, dass Frings den Argentinier Cruz angegriffen haben soll, was sowohl Frings wie auch Cruz dementierten.

Frings war damals praktisch a Weltstar, wie Franz Beckenbauer sagen würde, und heute ist er in Darmstadt. Und das ist überhaupt kein Widerspruch.

Und was auch kein Widerspruch ist: Torsten Frings, 40, ist der Trainer der schlechtesten Mannschaft der Bundesliga, und er macht das ganz hervorragend.

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Der SC Paderborn als mahnendes Beispiel

Frings hat sich im ersten Trainerjahr schon eine Elf nach seinem Bilde geformt. Darmstadt haut sich rein, leistet Widerstand und nimmt keine Rücksicht darauf, dass der Abstieg auch durch Verschwörungstheorien oder Rudelbildungen nicht mehr zu verhindern ist.

Frings ist immer ein Mentalitätsspieler gewesen, und wenn er mal ein bis zwei schlechte Launen haben wollte, dann war er ausdrücklich der Meinung, dass er sich die auch leisten sollte. Als Trainer hat sich Frings das Brummen abgewöhnt, seine Mentalität aber auf die Mannschaft übertragen, die nun, quasi langhaarig und tätowiert, keinen Zentimeter Raum herschenkt und sich ein grimmiges Fest daraus macht, berühmte Teams wie Schalke oder den HSV mit in den Strudel hinunterzuziehen.

In Darmstadt ahnen sie, dass jeder noch so kleine zähl-, aber auch fühlbare Erfolg eine Anschubfinanzierung für die Zukunft in der zweiten Liga ist. Natürlich haben sie den SC Paderborn als mahnendes Beispiel vor Augen: Der Sensationsaufsteiger stieg gleich wieder in die zweite Liga ab, dann direkt in die dritte, und jetzt droht gar der Fall in Liga vier. Jede noch zu spielende Minute in der ersten Liga soll die Darmstädter nun in dem Gefühl bestärken, dass ihnen so was mit Torsten Frings nicht passieren kann.

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