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101 Tore für Portugal:Ronaldo jagt jetzt Ali Daei

Schweden - Portugal

Im Klub der Hunderter: Portugals Cristiano Ronaldo.

(Foto: dpa)

Der Angreifer schafft es als Zweiter in den Klub der Fußballer mit 100 Länderspieltoren - und antwortet damit auch auf die These, dass Portugal angeblich ohne ihn stärker wirkt.

Von Javier Cáceres

Es gab mal im Fußball einen "Klub der Hunderter", der galt als exklusiv. Doch nach der inflationären Zunahme der Länderspiele ist er inzwischen reduziert worden. Rund 500 Fußballer haben mehr als 100 Einsätze gesammelt, obwohl der Weltverband Fifa eine Bereinigung vornahm, als er die Olympiateilnahmen strich. Aber: Es existiert noch ein anderer, weit unzugänglicherer Klub der Hunderter, man kann ihm nur mit der härtesten Währung des Fußballs beitreten, mit Toren. Am Dienstagabend, in Stockholm, wurde der Portugiese Cristiano Ronaldo Mitglied Nummer zwei. Mit zwei Traumtreffern zum 2:0-Sieg im Nations-League-Spiel gegen Schweden, die seine Marke bei der portugiesischen Nationalelf auf 101 Tore schraubten.

Mitglied Nummer eins ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga, der Iraner Ali Daei, 51. Der frühere Stürmer von Bielefeld, Hertha BSC und des FC Bayern kam von 1993 bis 2006 in 149 Spielen auf 109 Tore. Ronaldo ist der erste Europäer, der die dreistellige Marke übertroffen hat. Auf den Plätzen folgen Spieler, die nicht mehr aktiv sind: vorneweg die Ungarn Ferenc Puskás (84) und Sandor Kocsis (75). Lionel Messi, Ronaldos Widersacher um die Vorherrschaft im Weltfußball, kam bisher auf 70 Länderspieltore. Auch hat der Argentinier keine Titel mit dem A-Team geholt - Ronaldo schon, er wurde Europameister 2016. Eins haben beide freilich gemein: Sie haben Tore in allen Schattierungen geschossen. 56 Länderspieltore erzielte Ronaldo mit dem rechten, 21 mit dem linken Fuß, den Rest erledigte er per Kopf. Das sind Zahlen eines totalen Stürmers.

Es gibt Menschen, die nun über ihn staunen, Nationaltrainer Fernando Santos, 65, zählt nicht dazu, er kennt ja die Gründe. Er hat ihn schon trainiert, als er 18 war, und lässt nun eine Lob-Kaskade los: "Schon damals sah man, dass er ein Phänomen sein würde. Ein Rekordbrecher. Wenn alle glauben, er habe alle erreicht, findet er noch einen, den er übertreffen kann. Sein Hunger nach Titeln ist in seinem Erbgut. Er wird in den kommenden Jahren so bleiben. Er will mehr und mehr und mehr."

"Eine Mannschaft ohne den Besten der Welt kann nicht besser sein als eine Mannschaft mit dem Besten der Welt"

Die Tore 100 und 101 - 16 Jahre nach seinem ersten Nationalmannschaftstreffer, gegen Griechenland bei der für ihn tragisch verlaufenen EM im eigenen Land - waren auch noch hübsch anzusehen. Schwedens Presse hatte ihn zuvor gereizt. Nach dem 4:1 Portugals vom Samstag gegen den aktuellen WM-Zweiten Kroatien hatte sie geschrieben, dass die Portugiesen ohne Ronaldo stärker daherkommen als mit ihm, gegen Kroatien hatte Ronaldo wegen Fußbeschwerden gefehlt. "Eine Mannschaft ohne den Besten der Welt kann nicht besser sein als eine Mannschaft mit dem Besten der Welt", sagte Coach Santos.

Die Portugiesen spielten tatsächlich als Mannschaft stark, doch alles stand am Ende im Schatten von Ronaldo und seiner individuellen Klasse, die ihm auf Klublevel 638 Treffer in 850 Pflichtspielen für Sporting Lissabon, Manchester United, Real Madrid und Juventus Turin beschert hat. Unmittelbar vor der Halbzeit foulte Gustav Svensson einen Portugiesen in Nähe der Strafraumgrenze, Ronaldo trat an und versenkte den Ball im linken Winkel - ein Tor, das man auch einrahmen könnte, wenn es nicht Ronaldos 100. Treffer gewesen wäre. In der 73. Minute schoss er dann in den rechten Giebel und stellte den fünften Sieg in sieben Nations-League-Spielen sicher. Portugal ist EM-Gegner der DFB-Elf, die im gleichen Wettbewerb noch sieglos ist. "Es waren zwei Supertore. Ich bin sehr glücklich", sagte Ronaldo, dessen Teamkamerad Pepe nach Schlusspfiff den Ball sicherstellte und dem Stürmer überreichte.

Dass der "Meilenstein eines Monsters", wie es sein früherer Mitspieler Deco formulierte, in Stockholm gesetzt wurde, war für Ronaldo keine Überraschung. Auf dem Weg zur WM 2014 hatte er dort eine seiner besten Leistungen für sein Land und einen Hattrick geliefert. "Ich hatte hier mein Zeichen hinterlassen, und ich wusste, dass ich das wieder machen würde", sagte Ronaldo, der übrigens gegen Deutschland nie getroffen hat.

Die Schweden hingegen zählen neben den Litauern (je sieben Treffer) zu den bevorzugten Opfern Ronaldos. Nur die Geisterspielatmosphäre betrübte Ronaldo: "Ich liebe es, wenn ich ausgepfiffen werde, das reizt mich." Ohne Publikum zu spielen, das sei "wie ein Garten ohne Blumen, wie ein Zirkus ohne Clowns". Doch egal, Ali Daeis Bestmarke wackelt, das ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn Ronaldo schwört, er sei von Rekorden nicht besessen, was man als Lüge betrachten kann - man kann ahnen, was kommt. Auch wenn Ronaldo schließt: "Die Zukunft liegt in den Händen Gottes."

© SZ vom 10.09.2020/chge
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