Copa América Messi wütet wie Maradona

Lionel Messi (links im Getümmel) und Gary Medel (mittig im Getümmel) sehen jeweils die rote Karte.

(Foto: AFP)
  • Argeninien gewinnt das Spiel um Platz drei bei der Copa América 2:1 gegen Chile.
  • Spielmacher Lionel Messi sieht dabei Rot, ebenso wie Chiles Kapitän Gery Medel.
  • Anschließend holt Messi zum Rundumschlag gegen die Mächtigen des Fußballs aus - im Stile eines Diego Maradona.
Von Javier Cáceres, Rio de Janeiro

Und dann kam der Moment, an dem sich Lionel Messi in Diego Maradona verwandelte. Nicht auf dem Rasen, wo er das schon hin und wieder getan hat, er hat das eine oder andere Tor des argentinischen Mythos imitiert. Sondern jenseits davon. Argentinien war soeben Dritter der Copa América geworden, durch ein 2:1 gegen Chile, errungen in einem erwartbar hart geführten Spiel, immerhin standen sich die Finalisten der beiden vergangenen Südamerika-Meisterschaften gegenüber.

Doch die Bronzemedaille holte Messi nicht ab. Aus allerlei Gründen, wie er selbst sagte - ehe er im Stile Maradonas zum Rundumschlag gegen die Mächtigen des Fußballs ausholte: "Wir müssen nicht Teil dieser Korruption sein, dieser Respektlosigkeiten gegenüber der ganzen Copa", sagte Messi und meinte: den Südamerikaverband Conmebol. "Die Korruption, die Schiedsrichter, all diese Dinge verhindern, dass die Leute am Fußball teilhaben, an der Show. Es ruiniert alles ein bisschen", fügte Messi hinzu.

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Aktuellen Anlass für Messis Suada bot die absurde rote Karte, die er gesehen hatte. Es war der zweite Platzverweis seiner Karriere. Den ersten hatte ihm Markus Merk aus Kaiserslautern bei seinem Debüt für Argentinien in Ungarn verpasst, keine zwei Minuten nach seiner Einwechslung, und sie war ebenfalls absurd gewesen. Diesmal, in São Paulo, waren 37 Minuten gespielt, als Messi sich an der Grundlinie in der Nähe des chilenischen Tores einen Zweikampf mit Gery Medel lieferte. Messi gab Medel leicht einen mit, und Medel wurde zum "Pitbull" (so wird er gerne bezeichnet). Drei Mal stieß Medel seine Brust an jene von Messi, überzog ihn dabei mit Verwünschungen, doch Messi hielt stand.

"Der Schiedsrichter wollte wichtiger sein als das Spektakel"

Dann kam der paraguayische Schiedsrichter herangerauscht - und zeigte beiden Rot. Später schlug Messi den Bogen zum Halbfinale gegen Brasilien, wo der Videoschiedsrichter nicht eingegriffen, Brasilien mit 2:0 gesiegt und Messi den Südamerikaverband Conmebol mit Schiebungsvorwürfen überzogen hatte. "Ich denke, dass man mir das nun in Rechnung gestellt hat", sagte Messi, "mit einer gelben Karte wäre alles erledigt gewesen."

In der Tat. Medel sah das so, dessen chilenischer Landsmann Arturo Vidal ebenfalls. "Der Schiedsrichter wollte wichtiger sein als das Spektakel", sagte Vidal: "Wie kann das angehen, dass er die beiden Kapitäne vom Platz stellt, nur weil sie sich ein bisschen schubsen?" Die Conmebol veröffentlichte ein Kommuniqué, in dem Messis Kritik als "unakzeptabel" zurückgewiesen wurde, "manchmal gewinnt man, manchmal verliert man."

Da war Messi längst noch einen Schritt weiter gegangen. Er sagte, dass "alles" so konstruiert sei, damit Brasilien die Copa América gewinnt. Er habe keinen Zweifel, dass die Hausherren den Titel holen. Das soll Messi schon im kleinen Kreis geäußert haben - lange vor Beginn der Copa. Und die Korruptionsgeschichten rund um den südamerikanischen Verband laden dazu ein, Messis Worten Glauben zu schenken. Für Messi und Argentinien ist die rote Karte perspektivisch eine schlechte und eine gute Nachricht: Die Sperre muss er in der WM-Qualifikation absitzen. Die gute: Argentinien ist bei der nächsten Copa América (2020) zusammen mit Kolumbien Co-Gastgeber. Und Logik und Erfahrungen besagen, dass Argentinien dann ebenfalls in den Genuss von Bevorzugungen kommen wird.

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