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Chronologie der Hoeneß-Affäre:Der Rücktritt bleibt aus

  • 1. Mai 2013: Die Zeit veröffentlicht ein Interview mit Hoeneß, in dem er seine Leidenschaft für das Spekulieren erklärt. "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin", sagt Hoeneß. Als kranker Mann sehe er sich nicht, "zumindest heute nicht mehr". Sein Konto in der Schweiz stehe in keinerlei Verbindung zum FC Bayern München. Weitere, unerklärte Konten gäbe es nicht. Einen Rücktritt vor dem Champions League Finale schließt er aus, sagt aber auch: "Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Person dem Verein schadet, werde ich Konsequenzen ziehen."
FC Bayern Muenchen AG - Annual General Meeting

Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern weint Uli Hoeneß vor Rührung. Hemmungslos.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • 3. Mai 2013: Sportartikelhersteller Adidas erklärt, trotz der Affäre um Hoeneß Aktionär bleiben zu wollen. Verstrickungen in die Steuergeschäfte gäbe es keine. Chef Herbert Hainer sagt: "Wir sind absolut sauber. Wir sind mit der Zusammenarbeit äußerst zufrieden."
  • 6. Mai 2013: Der Aufsichtsrat des FC Bayern tagt turnusgemäß. Hoeneß äußert sein Bedauern über die Vorfälle und bittet um Entschuldigung. Er bietet an, seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender bis zur Entscheidung über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige ruhen zu lassen. Die Mitglieder lehnen das Angebot überraschend ab. "Im Interesse des FC Bayern, der sich voll und ganz auf das Erreichen der weiteren sportlichen Ziele [...] konzentrieren soll", heißt es in der Pressemitteilung des Vereins. Das Kontrollgremium kündigt an, die Angelegenheiten im Blick zu behalten und sich bei Bedarf weiter mit dem Thema zu befassen.
  • 11. Mai 2013: Die Anwälte von Uli Hoeneß bestätigen, Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt zu haben, Anlass ist der Verdacht auf Verletzung des Steuergeheimnisses. Es soll aufgeklärt werden, warum die Steuersünde von Hoeneß öffentlich gemacht wurde.
  • 1. Juni 2013: Der FC Bayern München gewinnt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Triple. Nach der Meisterschaft und dem Sieg im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund wird der Mannschaft in Berlin der DFB-Pokal überreicht. Hoeneß ist im Berliner Olympiastadion dabei, beim Feiern hält er sich ein wenig im Hintergrund.
  • 13. Juli 2013: Beim FC Bayern hat Ende Juni Pep Guardiola das Traineramt übernommen, um Hoeneß wird es relativ ruhig, das Interesse der Medien gilt nun dem neuen Coach. Doch am 13. Juli berichtet das Magazin Spiegel, dass die Staatsanwaltschaft München II im August Anklage gegen Hoeneß erheben wolle.
  • 25. Juli: Hoeneß gibt sich in der Steuerangelegenheit zuversichtlich: "Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt", sagt der Bayern-Präsident beim Uli-Hoeneß-Cup, einem Freundschaftsspiel zwischen Bayern und Barcelona. Es kommt anders.
  • 30. Juli 2013: Es ist soweit: Die Staatsanwaltschaft München II erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Die Wirtschaftsstrafkammer muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.
  • 4. November 2013: Die 5. Strafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen Hoeneß zu. Das bedeutet: Uli Hoeneß muss vor Gericht. Die Steuerschuld soll 3,5 Millionen Euro betragen. Der Prozess ist für März terminiert.
  • 6. November: Uli Hoeneß legt ein Mandat nieder und gibt seinen Posten im Aufsichtsrat der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG auf.
  • 13. November: Als bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Hoeneß den Saal betritt, klatschen die Mitglieder frenetisch Beifall, sie besingen ihren Präsidenten minutenlang. Hoeneß weint vor Rührung. Hemmungslos.
  • 23. Januar 2014: Ermittler der Münchner Staatsanwaltschaft durchsuchen Finanzbehörden in Miesbach und Nürnberg. Der Verdacht: Das Steuergeheimnis des FC-Bayern-Präsidenten sei verletzt worden. Es werden zahlreiche Unterlagen sichergestellt.
  • 10. März 2014: Seit Montag wird der Fall Ulrich H. nun vor Gericht verhandelt - gleich zu Beginn gab es eine Überraschung. Hoeneß' Verteidiger gaben bekannt, dass die Steuerschuld ihres Mandanten weit höher liegt: Sie schätzen bei 18,5 Millionen Euro. Einen Tag später gab die Steuerfahnderin vom Finanzamt Rosenheim ihre Berechnung bekannt: Sie geht von mindestens 27,2 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern aus. Hoeneß droht eine lange Haftstrafe.

Antworten auf wichtige Fragen: Das kommt jetzt auf Hoeneß zu | Wieso die Wirtschaftsbosse im Aufsichtsrat so lange herumlavierten | Erklärung im Wortlaut: "Der Fehler meines Lebens" | Videoumfrage: "Er zeigt endlich mal Rückgrat" | Alles über den Hoeneß-Prozess