Nach Eklat um verweigerten Handschlag:Fechtverband hebt Suspendierung von ukrainischer Sportlerin auf

Nach Eklat um verweigerten Handschlag: Hier verweigert Charlan ihrer russischen Gegnerin Smirnowa den Handschalg.

Hier verweigert Charlan ihrer russischen Gegnerin Smirnowa den Handschalg.

(Foto: IMAGO/Tadashi Miyamoto)

Der Verband sowie das IOC geben offenbar dem großen öffentlichen Druck nach: Olha Charlan darf bei der Fecht-WM starten. Zuvor hatte sie auch einen Startplatz für die Olympischen Spiele 2024 zugesagt bekommen.

Die ukrainische Fechterin Olha Charlan darf bei der Fecht-WM nun doch wieder an den Start gehen. Der Fechtverband FIE hob ihre Sperre am Freitagabend auf. Die Entscheidung sei im Einklang mit dem olympischen Geist getroffen worden, sagte FIE-Interimspräsident Emmanuel Katsiadakis nach Beratungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee IOC. Charlan steht für den Teamwettbewerb im Säbel, der am Samstag beginnt, auf der Meldeliste. Damit beugt sich der Fechtverband offenbar dem großen öffentlichen Druck, den es in diesem Fall gegeben hatte.

Die 32-Jährige war am Donnerstag bei den Weltmeisterschaften in Mailand nach ihrem Sieg gegen die unter neutraler Flagge angetretene Russin Anna Smirnowa (23) disqualifiziert worden, da die viermalige Weltmeisterin nach dem Gefecht den Handschlag verweigert und stattdessen den Säbel hingehalten hatte. Smirnowa weigerte sich daraufhin, die Planche zu verlassen und protestierte fast eine Stunde gegen die Geste der Ukrainerin. Schließlich verließ Smirnowa die Planche - und Charlan flog aus dem Wettbewerb.

Beim Fechten ist nach dem Kampf ein Handschlag vorgesehen. Wer den verweigert, wird disqualifiziert und für alle weiteren Wettkämpfe gesperrt, für 60 Tage. Charlan selbst hatte bereits im Vorfeld angekündigt, russischen Sportlerinnen nicht die Hand geben zu wollen.

An der Suspendierung hatte es teils heftige Kritik gegeben. Die ukrainische Fecht-Föderation zeigte sich "tief entrüstet". Der deutsche Verband sah "durch die sehr strikte Auslegung der Regeln ein fatales Signal weit über die Fechtwelt hinaus gesetzt". Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba äußerte sich. Er warf Smirnowa vor, "ein dreckiges Spiel mit der Handschlag-Show" zu spielen.

Charlan bedankte sich nun laut FIE-Mitteilung beim Weltverband. "Das Wichtigste für eine Athletin ist, antreten zu können, für meine Familie, mein Team, mein Land und alle Menschen, die mich unterstützen", wurde sie zitiert. "Während dieser wenigen schwierigen Tage habe ich all die Unterstützung geschätzt, die ich aus der ganzen Welt erhalten habe."

Zuvor hatte IOC-Chef Thomas Bach Charlan einen Olympia-Platz versprochen. "Angesichts deiner besonderen Situation wird dir das Internationale Olympische Komitee einen zusätzlichen Quotenplatz für die Olympischen Spiele Paris 2024 zuweisen, falls du dich in der Zwischenzeit nicht qualifizieren kannst", schrieb Bach am Freitag in einem persönlichen Brief an die Säbelfechterin.

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