Champions League:So überlebte der FC Bayern das Höllenspektakel

Benfica Lissabon  - FC Bayern München

Höllenspektakel live: Raul Jimenez (rechts) feiert sein Tor mit dem Kollegen Pizzi, Bayerns Joshua Kimmich ist bedröppelt.

(Foto: dpa)

65 000 Zuschauer bringen das Feld zum Beben. Doch der FC Bayern kontrolliert auch ein wildes Spiel in Lissabon - und behilft sich mit einer Eckball-Variante.

Von Thomas Hummel, Lissabon

Es kam der Moment, da blickten sich die Gäste-Besucher auf der Tribüne ängstlich um. Ist das ein Erdbeben? Die Tribüne des Estadio da Luz begann zu vibrieren, immer stärker, bis das Stadion wackelte. Hat nicht 1755 ein Erdbeben die Stadt fast völlig zerstört? Diesmal waren es die Menschen selbst, die mit tausendfachem Getrampel ihrem Bauwerk zusetzten. Der FC Bayern und seine mitgereisten Anhänger durften feststellen, dass sie keine Naturkatastrophe erlebten. Sie waren in der Hölle gelandet. Im "Inferno da Luz" wie die Einheimischen die Stimmung im Stadion von Benfica Lissabon nennen.

Die Münchner hatten tags zuvor noch leise gelächelt bei der Ankündigung, sind sie doch weitgereist und gestählt von vielen Fußballschlachten. Am Mittwochabend aber mussten sie feststellen, dass die Portugiesen nicht übertrieben hatten. Was die 65 000 veranstalteten, war nichts anderes als ein gottverdammtes Höllenspektakel, das einem die Sinne raubte und das Trommelfell bis zur Schmerzgrenze verbog. Von VIP-Gästen mit Häppchen und Sektgläschen keine Spur. Umso erstaunlicher war, dass sich die elf Münchner Fußballer auf dem Platz nur unwesentlich davon beeindrucken ließen.

Manuel Neuer fliegt aus dem Tor

"Man versucht, das auf dem Platz auszublenden. Man konzentriert sich auf seine Aufgabe", sagte Joshua Kimmich. Die Aufgabe war, den Verein zum fünften Mal in Serie in Halbfinale der Champions League zu bringen. Das 1:0 aus dem Hinspiel zu verteidigen. Die Aufgabe wurde mit dem 2:2 erfüllt. Auch wenn dazu ein für den FC Guardiola ungewöhnlich wildes Spiel nötig war.

Es begann damit, dass Manuel Neuer bei einer Flanke aus dem Tor flog und ohne Ball im grünen Rasen landete. Den hatte vor ihm Raul Jimenez zum 1:0 ins verwaiste Netz geköpfelt, auch Javi Martínez und David Alaba griffen nicht ein. "Ich hätte drin bleiben sollen", erklärte Neuer später. Nach 27 Minuten bebte das Stadion des Lichts, denn Benfica hatte tatsächlich den Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert. Kurz darauf hatte Jimenez sogar die Chance auf das 2:0, er scheiterte jedoch diesmal an Neuer.

Würde der FC Bayern nun untergehen wie Wolfsburg in Madrid? Wie sie selbst damals gegen Real oder in Barcelona? Als sie die vergangenen beiden Halbfinals mit gleich mehreren Gegentoren binnen Minuten verloren?

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