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Champions League: VfB Stuttgart:Ibrahimovic ernüchtert den Hornissen-Schwarm

Stuttgart muss sich nach starkem Beginn gegen Barcelona mit einem 1:1 begnügen - und kann sich beim Schiedsrichter bedanken, dass es bei diesem Resultat bleibt.

Auf zehn zu neunzig hatte Aliaksandr Hleb die Chancen auf einen Sieg geschätzt. Der VfB-Angreifer, ausgeliehen vom FC Barcelona, täuschte sich. Selten war es so leicht, den FC Barcelona zu schlagen wie an diesem Dienstagabend im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Nach dem Führungstor von Cacau in der 24. Minute spielte der VfB den Titelverteidiger lange Zeit in Grund und Boden und hätte dabei einen komfortablen Vorsprung herausschießen können.

Doch die Stuttgarter ließen alle Möglichkeiten ungenutzt, und der Ausgleich durch Zlatan Ibrahimovic kurz nach der Pause beraubte die Mannschaft wohl vor dem Rückspiel in zwei Wochen aller Chancen auf ein Weiterkommen. Es sei denn, die Mannschaft von Pep Guardiola findet Gefallen daran, noch einmal am Rande des Abgrunds zu tanzen.

Mit nur einer Niederlage auf dem Konto führt der FC Barcelona die spanische Liga vor Real Madrid an. Trotzdem hat sich so etwas wie Krisenstimmung breit gemacht bei den Katalanen. 4:0 hatte das Team zuletzt gegen Santander gewonnen, wobei Johan Cruyff "das schlechteste Spiel in der Ära von Guardiola" gesehen haben wollte.

Guardiola, der Trainer, gab dem alten Barca-Idol auf einer Pressekonferenz vor dem Spiel in Stuttgart recht und lächelte müde dabei. Er fühle sich ausgelaugt, sagte er. So ergeht es auch seinen Spielern. Die Ansprüche sind ins Unermessliche gestiegen, andererseits kann man nicht besser spielen und nicht mehr gewinnen als in der vergangenen Saison. Sie können höchstens versuchen, das Niveau zu halten. Ist das genug der Motivation?

Der VfB-Spieler legten zu Beginn des Spiels jedenfalls einen ganz anderen Ehrgeiz an den Tag als ihre Gegner. Sie taten, was man tun muss, um das Kombinationsspiel der Spanier zu ersticken. Sie rannten und kämpften und fielen wie ein Schwarm Hornissen über die Favoriten her. Sie arbeiteten dabei, von Trainer Christian Gross glänzend eingestellt, streng nach Plan und ließen keine Lücke im Abwehrverbund. Nach zwanzig Minuten schienen die Spanier keine Lust mehr zu haben, den Kampf mit diesen wütenden Deutschen zu führen. Sie gaben klein bei.

Cristian Molinaro trug den ersten gefährlichen Angriff der Stuttgarter vor. Von links drang er in den Strafraum ein, und auch wenn er für seinen Querpass keinen Abnehmer fand, so war dies doch das Signal zur Attacke. Vier Minuten später trat wiederum Molinari eine Flanke auf den freistehenden Timo Gebhardt. Das Kopfballspiel zählt aber nicht zu den Stärken Gebhardts. Er verwendet lieber den Fuß - so wie in der 24. Minute. Mit einer harten, platzierten Flanke vom rechten Flügel fand er den Kopf von Cacau. Der Stürmer vollendete gegen die Laufrichtung von Victor Valdes zum 1:0.

In den folgenden 15 Minuten spielten die Stuttgarter die Zaubertruppe aus Katalonien in Grund und Boden. Cacau und Khedira scheiterten um Haaresbreite an Victor Valdes, der Torwart hielt wenig später auch den Schuss des erneut frei auf ihn zustürmenden Cacau. Pawel Progrebnjak schoss dem Abwehrspieler Piqué an die Hand - Elfmeter wäre keine falsche Entscheidung gewesen, ebenso, als Serdar Tasci beim Kopfballversuch von Rafa Marquez dreist umgestoßen wurde. Schiedsrichter Bjorn Kuipers sah es zweimal anders, sehr zum Ärger der Stuttgarter. Für einen kurzen Moment wurde der VfB unaufmerksam, Lionel Messi nutzte ihn zu seinem ersten gefährlichen Sololauf. Mit links zog er von der Strafraumgrenze ab, Jens Lehmann lenkte den Ball mit den Fingerspitzen ab - an den Pfosten, und von dort kullerte die Kugel zurück in Lehmanns Arme. Ein unverhoffter Moment des Glücks kurz vor der Pause - konnte an diesem Tag noch etwas schiefgehen?

Lehmann grätscht auf Augenhöhe

Es konnte, nur sieben Minuten nach dem Seitenwechsel. Piqué setzte sich im Kopfballduell gegen zwei Stuttgarter durch und legte ab für Zlatan Ibrahimovic. Dessen ersten Schuss wehrte Lehmann ab, gegen den zweiten war er machtlos. Ein wenig gelangweilt jubelte der Schwede mit den gelben Schuhen. Und die Stuttgarter brauchten einige Minuten, um sich wieder zu fangen. Sie hatten Glück im Unglück: Abwehrspieler Molinari wehrte in der 65. Minute auf der Torlinie einen Schuss von Zlatan Ibrahimovic mit dem Ellbogen ab. Es war eindeutig Absicht. Molinari verhinderte ein sicheres Tor. Ein klarer Fall: Rote Karte und Elfmeter. Doch Schiedsrichter Kuipers gab: Eckball.

Das Spiel wurde jetzt härter und manchmal auch fieser. Jens Lehmann grätschte auf Augenhöhe dem heranstürmenden Puyol entgegen. Spielerische Höhepunkte blieben aus, auch von Hleb, der erstmals unter Trainer Gross 90 Minuten lang durchspielen durfte.

Im Video: Nach dem 1:1 des VfB Suttgart gegen den FC Barcelona in der Champions League äußerte sich VfB-Trainer Groß zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft.

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