Probleme beim FC Liverpool Respekt vor Robert

Jürgen Klopp: "Kein Scheißergebnis", aber halt auch "kein Traumresultat".

(Foto: AFP)
  • Weil er die Stärken des Bayern-Stürmers Lewandowski fürchtet, setzt Liverpool-Trainer Jürgen Klopp im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League auf einen unkonventionellen Defensivplan.
  • Doch damit opfert Liverpool auch seinen gewöhnlichen Offensivplan.
  • Mittelfeldspieler James Milner darf nicht von Anfang an mitkicken - was sich im Spiel bemerkbar macht.
Von Sven Haist, Liverpool

Das Gespräch, das Jürgen Klopp und Robert Lewandowski in einem Nebengang des Presseraums führten, ließ sich für Außenstehende nicht verstehen. Ob die beiden über das vorausgegangene Spiel redeten, sich an ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund erinnerten oder ob es gar nicht um Fußball ging, war aber auch unerheblich.

Dass sich Klopp - trotz der Hektik durchgetakteter medialer Verpflichtungen - die Zeit nahm für eine minutenlange Unterhaltung mit seinem früheren Spieler, war bemerkenswert genug. Fast unbeobachtet diskutierten Klopp und Lewandowski miteinander, und alleine die Art der Gesprächsführung veranschaulichte den Respekt, den beide jeweils vor dem anderen haben.

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Im Sommer 2010 holte Klopp den damals 21 Jahre alten, völlig unbekannten polnischen Angreifer nach Dortmund. Auf Anhieb schnappten die beiden dem FC Bayern zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg weg. Den Erfolgen lag die Konterstrategie zugrunde, dass Lewandowski nach Dortmunder Ballgewinnen, meist in der gegnerischen Spielhälfte, direkt dorthin sprintete, wo sich der größte Freiraum befand. Die Mitspieler beförderten den Ball entsprechend auf Verdacht in diese Zonen. Der Strategie, die ihn einst groß machte im deutschen Fußball, wollte Klopp am Dienstagabend als Trainer des FC Liverpool keinesfalls selbst auf den Leim gehen. Er fürchtete Lewandowski, der inzwischen ja ein Münchner Stürmer ist.

Klopp verursachte den Stillstand auf dem Platz

Auch Klopps enzyklopädisches Wissen über den FC Bayern, mit dem er sich bisher 30 Mal duellierte, sorgte beim Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Liverpool dafür, dass der deutsche Rekordmeister - erstmals seit vier Jahren in diesem Wettbewerb - keinen Schuss aufs Tor zustande brachte. Entgegen der Gewohnheit wahrten Liverpools Außenverteidiger diesmal meist ihre Position in der Viererkette; zur Absicherung der Spielfläche dahinter und als Hilfestellung für die neuformierte Innenverteidigung, die sich dadurch ganz mit Lewandowski beschäftigen konnte. Mit 34 Ballkontakten wies der Solostürmer der Bayern die geringste Spielbeteiligung auf, im Strafraum berührte er bloß dreimal den Ball.

Nur: Zur Umsetzung des unkonventionellen Defensivplans opferte Liverpool auch seinen gewöhnlichen Offensivplan. Statt die Spieler sich die Lunge aus dem Leib rennen zu lassen, damit sich die Zuschauer die Kehle aus dem Hals schreien, verursachte Klopp mit seinem Vorgehen einen Stillstand auf dem Platz, der gleichzeitig die Fans auf den Tribünen aus dem Spiel nahm. Als hätten die Leute in Anfield ihren Trainer und ihr Team nicht mehr erkannt, pegelte sich die Lautstärke auf einem Level ein, das im Vergleich zum üblichen Irrsinn in Anfield auf einen Allerweltskick hindeutete. Dem Telegraph mangelte es an Schärfe und Feindseligkeit im Stadion, der Mirror bilanzierte, dass Klopps Heavy-Metal-Fußball verstummt sei. Und am Ende stand dann ein 0:0.

"Das war keine Champions-League-Nacht, sondern ein bisschen wie das Hornberger Schießen. Viel ist nicht passiert, was wir uns merken werden", sagte Klopp. Der Spielausgang sei für Liverpool "kein Scheißergebnis", aber halt auch "kein Traumresultat". Das Unentschieden hat zur Folge, dass Liverpool beim Rückspiel in drei Wochen in München ein Unentschieden reichen würde, sofern Tore fallen - während Bayern gewinnen muss für den Einzug ins Viertelfinale. "Ich bin sicher, dass sich die Bayern heute besser fühlen als wir. Mit jedem Tag allerdings werden wir das Ergebnis als besser empfinden und die Bayern als schlechter", sagte Klopp.