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Champions League:Schockmomente für den englischen Fußball

Champions League - Round of 16 First Leg - Chelsea v Bayern Munich

Thomas Müller feiert, Chelsea trauert: In der Champions League ist die Bundesliga gerade obenauf.

(Foto: REUTERS)

Die Resultate in der Königsklasse zeigen, dass die Bundesliga gegenüber der Premier League aufgeholt hat. Nur ein Verein scheint noch über allen zu schweben.

Immerhin hatte Jens Lehmann nicht von einem Bummelzug gesprochen. Aber an die Gültigkeit des Vergleichs, den er im Mai 2004 zog, glauben viele bis heute: "Wenn man das Tempo auf der Insel mit der Bundesliga vergleicht, ist das wie ICE und D-Zug." Ungeschlagen war Lehmann damals mit dem FC Arsenal englischer Meister geworden, und auf den Wirbel, den vor ihm die Franzosen Patrick Vieira und Thierry Henry inszenierten, hatte er aus seinem Tor heraus den besten Blick. Sucht man den FC Arsenal jedoch im Augenblick in der Premier-League-Tabelle, so ist festzuhalten: Er kommt in jeder Hinsicht viel zu spät, er ist auf Platz neun abgerutscht.

Überhaupt scheint in dieser Saison einiges durcheinander geraten zu sein in jener Oberklasse, die für sich in Anspruch nimmt, die beste zu sein, und die sich mit diesen Argumenten ihre globalen TV-Bilder sündteuer abkaufen lässt. Diverse Resultate aus der Champions League, in der sich Europas Ligen vergleichen, dürften Schockmomente fürs Selbstverständnis gewesen sein. So stand Chelsea am Dienstagabend Spalier, als der FC Bayern seine frisch erblühte Spielfreude vorführte; schon im Oktober, noch unter Niko Kovac, waren die Münchner mit 7:2 durch Tottenham gerauscht. Und vorige Woche erst, ebenfalls im Achtelfinal-Hinspiel, hatte RB Leipzig diesen Trend verstärkt, als die Sachsen den Vorjahresfinalisten erneut vorführten, indem sie Tottenham kaum an den Ball kommen ließen.

Die Insel ist also trotz Brexit zumindest eine Fußballreise wert. Kein Wunder, dass Bayern-Vorstand Rummenigge noch in Londoner Nacht demonstrativ einen Kuli zückte, um dem auf Probe arbeitenden Kovac-Nachfolger Hansi Flick die Vertragsverlängerung anzudienen. Die Bayern haben wieder ein gutes Gefühl, auf dem Rasen und nebendran - und mit ihnen scheint sich die Bundesliga insgesamt ein Stück weit vom Komplex zu befreien, dass es immer wieder hieß, sie laufe Gefahr, den Anschluss zu verpassen.

Der FC Bayern (3:0 in Chelsea), Leipzig (1:0 bei Tottenham) und Dortmund (2:1 gegen Paris) sind mit dynamischen Präsentationen in die K.-o.-Runde eingestiegen. Hier spiegelt sich auch die neue interne Rivalität, der Mehrkampf an der Bundesliga-Spitze. Einen solchen reklamierten die Engländer seit Jahren als Qualitätskriterium für die Premier League. Meister könnten dort sehr viele werden, trommelten ihre PR-Strategen, sogar ein kleiner Klub wie Leicester City (2016). Momentan aber herrscht auf der Insel eine Monokultur; mit 22 Punkten Vorsprung ist der FC Liverpool fast so weit entrückt wie Jupp Heynckes 2013 mit dem FC Bayern, als er 25 Punkte voraus im Ziel eintraf.

In der Champions League muss Liverpool im Rückspiel jedoch zunächst ein 0:1 gegen die Mauerkünstler von Atlético Madrid ausgleichen. Gelingt dies, wird der Titelverteidiger kaum zu bremsen sein. Die Bundesliga hat auf die Premier League aufgeholt, noch nicht aber auf Jürgen Klopp, ihren 2015 an die Insel verlorenen Lokführer. Die Geschwindigkeiten nähern sich zwar an, fraglich ist jedoch, ob einer mal nah genug an den Klopp-ICE rankommt, um den Blinker zu setzen.

© SZ vom 27.02.2020/ska
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