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Champions League: Bayern - Bordeaux:Mit Robben als Joker

Vor dem voraussichtlich entscheidenden Gruppenspiel gegen Bordeaux beklagt der FC Bayern etliche Ausfälle - und macht sich Gedanken über Veränderungen im Kader.

Louis van Gaal, das sieht man, ist ein Genussmensch, bereits nach wenigen Wochen in München kannte er feine Lokale, zum Beispiel das Innenstadtrestaurant von Alfons Schuhbeck oder den vornehmen Italiener Acquarello in Bogenhausen. Mit dem Genussmenschen Uli Hoeneß vebringt der Genussmensch van Gaal zudem die Abende vor Spielen, man trinkt Rotwein - ein altes Ritual des Managers aus Zeiten mit Trainer Ottmar Hitzfeld.

Arjen Robben steht gegen Bordeaux nicht in der Startelf.

(Foto: Foto: Getty)

Der Trainer van Gaal bevorzugt spanische Rebsorten, daher dürfte am Montagabend kein Bordeaux auf den Tisch gekommen sein, zur Einstimmung auf die Champions-League-Partie gegen Frankreichs Meister Girondins. Und auch wenn im Wein die Wahrheit zu finden ist - Hoeneß und van Gaal wussten diesmal schon vor dem ersten Schluck, was Sache ist: "Es gibt keinen Kompromiss, wir müssen dieses Spiel gewinnen", sagte der Manager. "Wir wollen weiterkommen, also müssen wir gewinnen", sagte der Trainer.

Müssen, das bedeutet: Druck. Man kennt dieses Kribbelgefühl, Druck gehört zum FC Bayern wie die weiß-blauen Rauten im Wappen: "Wenn wir gewinnen, ist es normal", präzisierte Kapitän Mark van Bommel, "spielen wir Unentschieden, ist es schon eine Katastrophe. Wenn wir verlieren, geht fast die Welt unter." Damit war die Ausgangssituation für Dienstagabend perfekt interpretiert. Den Bayern, nach dem 1:2 in Bordeaux Gruppendritter hinter Girondins und Juventus Turin, hilft nur ein Sieg, es ist beinahe: ein Alles-oder-nichts-Spiel - im Paket mit dem folgenden Heimspiel gegen Haifa, da müssen die Bayern erneut gewinnen. Sonst wird das nichts mit den Playoffs 2010.

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Hoeneß sieht das Team "auf dem aufsteigenden Ast". Ein internationales Überwintern wäre fürs Prestige, auch für das von van Gaal, immens wichtig, nur ein einziges Mal, 2002, schied Bayern nach der Vorrunde aus. In der Bundesliga will Hoeneß "bis Weihnachten Erster sein" - Betonung: "Falls Ribéry und Robben fit sind."

Ohne die beiden hat der FC Bayern ein kreatives Vakuum im Mittelfeld, man sah das zuletzt wieder beim 0:0 in Stuttgart. Arjen Robben (Knie-OP) kehrt gegen Bordeaux in den Kader zurück. "Er fängt nicht an, aber er ist ein Joker für 30, 35 Minuten, da hat er bisher immer ein Tor gemacht", hofft van Gaal. Auch Hoeneß setzt bei engem Spielstand auf den Hochgeschwindigkeitsdribbler: "Wenn du Robben als Waffe auf der Bank hast, kannst du immer noch was bewegen."

Van Bommel möchte "schlau spielen", mit viel Kalkül - und weniger Fouls als im Hinspiel. Den Rot-gesperrten van Buyten vertritt in der Abwehrmitte Demichelis, auch Thomas Müller (Gelb-Rot-Sperre) fehlt. Im Sturm hat Luca Toni bessere Aussichten als Mario Gomez, der in Stuttgart Glücklose.

Kommt Neuer 2010?

Doch Genaues weiß man nie bei van Gaal, auch die Vereinsikonen haben gerade mit Erleichterung registriert, dass Urteile dieses Trainers über Spieler - ob positiv oder negativ - nie in Beton gegossen sind. Van Gaal hat Ribéry schätzen gelernt, er weiß inzwischen, dass Toni noch wertvoll ist - und es würde auch niemanden wundern, sollten die bisher kühl behandelten Gomez und Timoschtschuk in Kürze etablierte Stammspieler sein.

Hoeneß redet beim Rotwein mit van Gaal ja nicht über Steuersenkungen oder Königin Beatrix, man redet über alles, was anliegt beim FC Bayern, und auch dieser Trainer erhält zuweilen sanfte Signale. Klare Signale sendete Hoeneß zu diversen Personalien: Torwart Neuer? Kommt vielleicht 2010, früher nicht! Geht Timoschtschuk im Winter wieder? Nie im Leben! Wenn, dann dürfen Dauerreservisten wie Andreas Görlitz weg, der seinen Wechselwunsch bereits mitgeteilt hat.

Anstoßen konnte Hoeneß mit van Gaal auf das neue Sponsorenpaket von Audi. Der Autobauer soll Anteile an der FC Bayern AG erwerben, hinzu kommt ein hoch dotierter Werbevertrag. Die Gesamteinnahmen liegen laut Hoeneß "näher an 200 als an 80 Millionen Euro". Beide Summen wurden in der Presse kolportiert.

© SZ vom 03.11.2009

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