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Wolfsburg und Dortmund:Nach der Party wird's kompliziert

RB Leipzig v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Jubel, Trubel, Schweigsamkeit: Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner ließ auch am Sonntagabend alle Fragen nach seinem Verbleib beim VfL unbeantwortet.

(Foto: Cathrin Mueller/Getty Images)

Oliver Glasner erreicht mit Wolfsburg die Champions League, ebenso Edin Terzic mit Dortmund - und doch könnten sie ihre Klubs verlassen. Andere Vereine lauern schon.

Von Ulrich Hartmann

Zunächst herrschte allseits pure Freude: "Ich bin unendlich glücklich", gab Borussia Dortmunds Trainer Edin Terzic bekannt. "Heute habe ich Lust auf Party", kündigte VfL-Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner an. Beider Trainer Klubs haben sich am Sonntagabend sicher für die Champions League qualifiziert: Der frisch gekürte Pokalsieger Dortmund durch ein 3:1 in Mainz, Wolfsburg durch ein 2:2 beim Liga-Zweiten Leipzig.

Doch beim Blick in die Zukunft verflüchtigte sich der Überschwang. Beide Trainer wurden erwartungsgemäß gefragt, ob sie in der neuen Saison überhaupt noch bei ihren Champions-League-Vereinen sein werden. "Ich kann dazu heute nichts sagen", entschuldigte sich Terzic, der beim BVB dem neuen Chefcoach Marco Rose assistieren soll. "Heute ist kein Zeitpunkt, um über meine Zukunft zu sprechen", sagte Glasner.

Tatsächlich könnten alle vier deutschen Königsklassen-Qualifikanten neue Trainer bekommen. Beim FC Bayern (Julian Nagelsmann), in Leipzig (Jesse Marsch) und in Dortmund (Rose) steht das schon fest. Und auch in Wolfsburg käme ein Abschied des Österreichers Glasner nicht überraschend. Sein Verhältnis zu Geschäftsführer Jörg Schmadtke gilt als derart angespannt, dass er seinen Vertrag (bis 2022) womöglich nicht erfüllen will. Für Spieler beider Mannschaften wäre eine Trennung indes bedauerlich, Glasner und insbesondere auch Terzic gelten in ihren Kadern als beliebt.

Beim BVB ist die Schlüsselfrage, ob sich Terzic als Co-Trainer einreihen mag

Für Bundesligisten auf Trainersuche hingegen könnte es ein Glücksfall sein, sollten beide auf den Markt kommen. Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen benötigen noch neue Trainer, im Falle eines Glasner-Abschieds allerdings auch Wolfsburg. Für Terzic könnten alle drei Varianten interessant werden. Das Trainerkarussell dreht sich nicht mehr klassisch monoton im Kreis, es ist längst ein wildes Fahrgeschäft geworden, mit vielen abrupten Drehungen, bei denen es Teilnehmern schon mal schummrig werden kann.

Beim BVB ist die Schlüsselfrage, ob sich Terzic wieder als Co-Trainer einreihen mag - Marco Rose bringt aus Mönchengladbach auch seine bewährten Partner Alexander Zickler und René Maric mit. Terzic aber hat nun hinreichend bewiesen, dass er zum Chefcoach taugt. Er kündigte am Sonntag an, nach dem letzten Saisonspiel gegen Leverkusen mit der Klubspitze und auch "persönlich" mit Rose über alles sprechen zu wollen. Eine Tendenz ist beim Herzensdortmunder nicht herauszuhören.

Vorstandschef Watzke und Sportdirektor Zorc haben ihm bereits zugebilligt, mit eventuellen Wechselgedanken auf sie zukommen zu dürfen. "Edin hat den Schlüssel in der Hand", sagte Watzke. Den BVB-Bossen ist so oder so bewusst: Marco Rose sollte am besten unverzüglich Erfolg haben und beim Team gut ankommen. Wenn nicht, würden Fans und Medien, sofern Terzic noch da ist, wohl schnell auf den Co-Trainer und dessen Triumphe im Frühjahr verweisen. Noch schlimmer wäre dann jedoch, wenn Terzic mit einem anderen Klub als Cheftrainer mehr Erfolg hätte.

Zuspruch erhielt Glasner immerhin vom gegnerischen Trainer

In Wolfsburg hängt die Entscheidung wohl vom Verhältnis Glasner/Schmadtke ab. Die Spieler und seinen Trainerstab lobte Glasner auffällig: "In der Mannschaft herrschen Spirit und Geschlossenheit; da haben wir ein richtig gutes, angenehmes Klima", sagte er Sonntagabend. Weil sein Vertrag weiter gelte, habe er nicht das Gefühl, sich aktuell zur Zukunft äußern zu müssen. Spätestens nach dem Saisonfinale am Samstag müsste Glasner aber vielleicht doch etwas sagen, zumal er anschließend in den Urlaub fahren und sein "Handy ausschalten" will.

Zuspruch erhielt Glasner immerhin vom gegnerischen Trainer: "Der Oliver", sagte der Noch-Leipziger Nagelsmann, "der darf ganz allein entscheiden, was er machen will."

© SZ/mok
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