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BVB vor Bayern-Spiel:Kompakt mit Kehl

BVB Borussia Dortmund Jürgen Klopp Sebastian Kehl

Krisenmanager des BVB: Trainer Jürgen Klopp und Sebastian Kehl.

(Foto: dpa)

Borussia Dortmund hat viele talentierte Spieler im Mittelfeld. Doch in der Krise und vor dem Gastspiel beim FC Bayern ist der 34-jährige Sebastian Kehl die auffälligste Erscheinung. Dabei hieß es, er sei ein Auslaufmodell.

Von Carsten Eberts

Matthias Sammer, Bert van Marwijk, Jürgen Röber, Thomas Doll. Auch diese Trainer hat Sebastian Kehl bei Borussia Dortmund erlebt. Vielen in der Mannschaft kann Kehl wie ein Geschichtenerzähler berichten, wie das damals war, in der guten, alten Zeit. Für die meisten seiner Teamkollegen ist es dagegen unvorstellbar, dass ein anderer als Jürgen Klopp die Mannschaft trainiert hat.

2002 kam Kehl vom SC Freiburg zum BVB, er war zwischenzeitlich Kapitän und Nationalspieler. Diese Ämter hat er längst abgegeben. Seit der BVB all diese jungen, hochtalentierten Sechser verpflichtet hat, galt Kehl als Auslaufmodell mit seinen mittlerweile 34 Jahren, Sven Bender, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Matthias Ginter - sie alle würden vor ihm stehen, unkten die Propheten. Doch es läuft gerade wenig normal beim BVB. Viele sind verletzt, das Gebilde wankt.

Eine kompakte Form im Mittelfeld zu finden ist die aktuell größte Aufgabe in Dortmund. Und Klopp kam in der schwersten Krisenzeit recht schnell darauf, dass Kehl diesbezüglich doch kein Auslaufmodell ist. Seit einigen Wochen setzt er verstärkt auf Kehl, dem neben Pierre-Emerick Aubameyang formstärksten Spieler. Wenn rings herum alles wackelt, soll Kehl seinen Kollegen Halt vermitteln. Und das macht er nicht schlecht.

Etwa am Dienstagabend, beim 3:0 im DFB-Pokalspiel beim FC St. Pauli. Da stand Kehl erneut in der Startelf, nicht etwa als Zuarbeiter eines Strategen - sondern als Wortführer im Mittelfeld. Auf der neu installierten Triple-Sechs übernahm er den zentralen Part. Er dirigierte, fightete, eroberte unerlässlich Bälle. Und er sprach lange darüber, was sich im Dortmunder Mittelfeld geändert hatte.

Eine Triple-Sechs, das sind drei Spieler in der zentralen Defensive, wo bei den meisten Mannschaften sonst zwei Spieler agieren, manchmal auch nur einer. Neben Kehl durften Kevin Großkreutz und Henrikh Mkhitaryan ran, einer links, einer rechts. Sie formierten einen hartnäckigen, schwer zu umspielenden Riegel. Das ist kein Novum beim BVB, gab es früher bereits. Doch die Maßnahme passt gut zur aktuellen Situation.

Man müsse sich in der derzeitigen Situation "nicht übers Schönspielen unterhalten", erklärte Kehl. Lieber erst einmal wieder kompakt stehen, ehe über eine neue Dimension des Überfallpressings nachgedacht werden kann. Kehl hat beim BVB alles erlebt, die Fast-Insolvenz, die Konsolidierung, drei Meisterschaften, einen DFB-Pokal-Sieg, ein Champions-League-Finale. Er lässt sich, anders als mancher Kollege, auch von einer kleinen Ergebniskrise nicht schocken. Das weiß Klopp.

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