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BVB:"Gegen Leipzig wird es brennen bei uns"

BVB: Stürmer Marco Reus bejubelt sein Tor gegen Mainz 05

War was? Marco Reus trifft für den BVB gegen Mainz zum 1:0.

(Foto: Jan Huebner/imago)
  • Lucien Favre schien in Dortmund schon vor dem Aus zu stehen. Doch dank einer Systemumstellung findet sein Team wieder in die Spur.
  • Das Spiel gegen Mainz ist auf vielen Ebenen überzeugend.
  • Doch am Dienstag kommt Leipzig nach Dortmund. Die erste echte Bewährungsprobe.

Manchmal kann es für einen Trainer angenehm sein, einfach nur zuzuhören statt selbst zu großen Erklärungen anzusetzen. Also lauschte Borussia Dortmunds Coach Lucien Favre nach dem überzeugenden 4:0 (1:0) seiner Mannschaft in Mainz aufmerksam dem kleinen Statistikreferat eines Journalisten. Passend zu seinem bevorstehenden 50. Bundesligaspiel für den BVB, entnahm der Schweizer den Ausführungen, er sei mit einem Schnitt von 2,14 Punkten pro Partie der bisher beste Dortmunder Trainer der Bundesliga-Geschichte - vor Kollegen wie Thomas Tuchel (2,12), Willi Multhaup (1,94), Jürgen Klopp (1,91) oder Ottmar Hitzfeld (1,85).

Wie gut das tue nach all den kritischen Diskussionen in den vergangenen Wochen? "Ja, sehr gut, natürlich, sehr gut", sagte Favre lachend und machte noch einmal eine kleine Pause: "Sehr, sehr gut".

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Lucien Favre, 62, hat allen Grund, wieder etwas entspannter zu sein. Vor ein paar Wochen, nach dem 0:4 beim FC Bayern und einem üblen 3:3 gegen Paderborn (nach 0:3), hatte wohl nicht mehr viel gefehlt, und seine Zeit als BVB-Coach wäre vorbei gewesen. Doch dann berappelte sich seine Mannschaft und gewann seither vier Spiele nacheinander. Sie qualifizierte sich - wenngleich etwas glücklich - für das Achtelfinale der Champions League und schob sich in der Liga auf Platz drei.

Jetzt spüren sie in Dortmund also einen neuen Spirit. Andererseits ist klar, dass erst das nächste Spiel klären wird, wie fundiert der Umschwung tatsächlich ist: Bereits am Dienstag kommt RB Leipzig nach Dortmund. "Das ist ein Spitzenspiel. Wir spielen zu Hause. Wir wollen gewinnen", gab Sportchef Michael Zorc in Kurzform zu Protokoll. Ähnlich eindeutig formulierte es BVB-Kapitän Marco Reus, der in Mainz eine starke Leistung zeigte: "Gegen Leipzig wird es sicher brennen bei uns."

In Dortmund herrscht weitgehend Einigkeit über den Hauptgrund für die jüngste Erfolgsserie: Seit ein paar Spielen lässt Trainer Favre nicht mehr mit Viererkette, sondern in einem 3-4-3-System antreten - wobei die Erzählung so geht, dass der Schweizer zu diesem Modell erst ein bisschen überredet werden musste. In jedem Fall steht die Mannschaft nun stabiler als zuvor. Einige Dortmunder hat diese taktische Modifikation in Positionen gebracht, in denen sie ihre Stärken besser ausspielen können - wie Julian Brandt, der jetzt einen flexiblen Achter gibt. Die Offensivkräfte agieren nun auch gelöster. "Die Systemumstellung hat uns gutgetan", sagte am Samstag stellvertretend der Mittelfeldspieler Julian Weigl: "Es war der richtige Schritt, um hinten Sicherheit zu bekommen, und langsam kommt auch das Selbstverständnis im Ballbesitz zurück."

Es passt allerdings ins Bild, dass der Trainer Favre selbst bei diesem Thema die geringste Leidenschaft zu versprühen scheint: "Wir pressen gut, wir sind kompakter, wir sind besser geworden bei der Balleroberung", lautete seine Analyse zu den Vorzügen der Umstellung. Doch es sei auch kein Problem, das alles wieder zu ändern, betonte Favre, seine Mannschaft könne sofort auch wieder 4-2-3-1 spielen oder 4-3-3 oder noch manch anderes System. Die Frage ist, ob diese Sichtweise alle in Dortmund gerne hören. Und eine weitere Frage ist, ob das neue System gegen einen Gegner vom Kaliber Leipzig ebenso taugt wie zuletzt gegen Düsseldorf oder Mainz.

Ob das neue 3-4-3-System auch gegen Leipzig geeignet ist?

In Mainz jedenfalls lief in der neuen Anordnung alles wunderbar für die Borussia. Bis auf eine kleine Phase zu Beginn dominierten die Dortmunder, sehr spielfreudig und sehr kombinationssicher - und es war vielleicht der einzige Makel, dass sie nicht noch höher gewannen. Allein Reus hatte bereits zwei Chancen vergeben, bevor er in der 32. Minute mit seinem ersten Auswärtstor seit Mai das 1:0 erzielte. Erst nach dem Seitenwechsel, einer missglückten Mainzer Systemumstellung und zwei von Jadon Sancho (66.) und Thorgan Hazard (69.) vollendeten Kontern war die Partie entschieden. Gegen Ende konnte Linksverteidiger Nico Schulz (84.) sogar noch auf 4:0 für Dortmund erhöhen.

"Wir sind sehr zufrieden. Wir haben sehr dominant gespielt, die Tore sehr schön herausgespielt und zum richtigen Zeitpunkt gemacht", lobte Sportchef Zorc. Daher konnten die Dortmunder auch verschmerzen, dass es in der Anfangsphase keinen Elfmeter gab, als sich der Mainzer Verteidiger Jeremiah St. Juste in einen Schuss warf und den Ball gleich zweimal mit der Hand berührte. Unverständnis herrschte dennoch über die Entscheidungsfindung des Schiedsrichters und seines Videoassistenten in der Kölner Zentrale: "Das ist für mich fußballfremd. Vielleicht hatten sie in Köln ja eine schwarze Mattscheibe vor sich", ätzte BVB-Manager Michael Zorc.

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