BVB in Leverkusen Mit starkem Kampl, ohne Champagner

Dortmunds Neuer hat sich gut eingefügt: Kevin Kampl (links) im Zweikampf mit Lars Bender.

(Foto: AFP)

"Er war selbstbewusst, gallig - ein sehr guter Start": Beim 0:0 von Borussia Dortmund in Leverkusen fügt sich Zugang Kevin Kampl ausgezeichnet in die Mannschaft ein. Für schönen Fußball sind derzeit aber andere Bundesligisten zuständig.

Von Andreas Morbach, Leverkusen

Ein paar Gewissensbisse plagten Kevin Kampl nach seinem ersten Bundesligaspiel dann doch. Dortmunds ausgesprochen umgänglicher Zugang aus Salzburg hatte bereits ausgiebig über den nicht zu unterschätzenden Wert des Punktgewinns in Leverkusen referiert, auch das "komische Gefühl", mit einer Vergangenheit von immerhin 14 Bayer-Jahren an die frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt zu sein, war nochmals tangiert worden. Aber da war eben auch der nicht minder seltsame Eindruck, gerade an einem wenig augenfreundlichen, 90-minütigen Pressing-Hochamt beteiligt gewesen zu sein.

"Das waren schon viele hohe Bälle und viel Kampf", räumte Kampl nach dem 0:0 zwischen Rheinländern und Westfalen ein. Und weil ihm, neben dem prinzipiell "ganz guten Anfang" für die Vorrunden-Abstürzler aus Dortmund, die Darbietung insgesamt doch auch etwas unangenehm zu sein schien, richtete der 24-jährige Dauerläufer den Blick rasch in die nahe Zukunft. Auf sein erstes Heimspiel im schwarz-gelben Fußballtempel, am Mittwoch gegen Augsburg, für das der gebürtige Solinger versprach: "Dann wird das spielerisch schon einen Tick besser aussehen."

Für die Ästhetik sind Andere zuständig

Seine neuen Mitstreiter sind in diesem Punkt allerdings eher zurückhaltend. "Wir wussten schon vorher, dass das hier kein Leckerbissen wird", erwähnte zum Beispiel Nuri Sahin, der die Zuständigkeiten im Land klar absteckte: "Um die schönen Spiele müssen sich im Moment die Anderen kümmern." Ganz ähnlich betrachtet die Lage von ganz unten im Keller, wo der BVB durch den Freiburger Sieg über Frankfurt angekommen ist, sein Trainer. "Man kann nicht auf der einen Seite fühlen und wissen, dass man im Abstiegskampf steckt, und gleichzeitig Champagnerfußball fordern", erklärte Jürgen Klopp.

Das hochintensive Duell der beiden Champions-League-Achtelfinalisten jedenfalls schmeckte über weite Strecken mehr nach abgestandenem Bier. Anschließend debattierten Klopp und sein Bayer-Pendant Roger Schmidt darüber, welches Team mehr hohe Bälle über das Mittelfeld hinweg fabriziert hatte. Und der BVB fuhr am Ende mit einer Fehlpassquote von 54 Prozent zurück ins Revier - dem schlechtesten Wert, seit über die Qualität von Zuspielen Buch geführt wird.

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"Dass unsere Passquote nicht gut war, habe ich mitbekommen. Wir wollten die Pressing-Linie überspielen - aber das müssen wir natürlich nicht jedes Mal machen", sagte Klopp zu den offensichtlichen Mängeln im Aufbauspiel seiner Mannschaft, im Großen und Ganzen war er mit dem Gezeigten aber einverstanden. "Wir müssen uns über kleine Schritte Sicherheit holen und irgendwann werden wir dann auch den fußballerischen Aspekt wieder reinbringen", erklärte der BVB-Coach - ganz im Sinne von Kevin Kampl, der zwölf Millionen Euro teuren Wintererwerbung aus Österreich.

Leverkusens Cheftrainer Schmidt, der Kampl an seiner letzten Arbeitsstätte in Salzburg groß herausgebracht hat, hätte den slowenischen Nationalspieler ebenfalls gerne in seiner Mannschaft gesehen. Doch so viel Geld wie der BVB in seiner Not wollte der Werksklub den Salzburgern nicht überweisen. "Er war gut, aber er wird noch besser werden", urteilte Schmidt am Samstagabend über Kampl, der mit seinem Leverkusener Tagespensum von 12,2 Kilometer so viel gelaufen war wie kein anderer Gästespieler.

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Schöngeister haben es schwer

Der lobenswerte Einsatz des Hobbyanglers, dessen Passquote jedoch nur dezent über dem BVB-Schnitt lag, war auch Klopp nicht entgangen. "Er war selbstbewusst, gallig - ein sehr guter Start", befand Dortmunds Übungsleiter, dem bei Transfers zwischen Hin- und Rückrunde prinzipiell der Bauch grummelt. "Im Winter ist das nicht einfach. Da muss vieles passen - und bei ihm passt das, keine Frage", betonte der 47-Jährige und erzählte, warum das so ist: "Kevin ist unkompliziert, ein sehr angenehmer Zeitgenosse."

Ein angenehmer Zeitgenosse - angekommen in einem weniger angenehmen Umfeld. "Ob wir jetzt 17. oder 18. sind, macht keinen großen Unterschied. Das fühlt sich beides nicht gut an", verriet Kampls Mittelfeldkollege Matthias Ginter. Und auch Jürgen Klopp machte aus seinem Herzen keine Mördergrube, als er als einstiger Meister- und jetziger Schlusslichttrainer erwähnte: "Wir haben nur zwei Punkte Rückstand auf eine Region, die ich im Moment als Paradies bezeichnen würde."