BVB in der Bundesliga "Vielleicht ist es ja nur Zufall"

Enttäuscht in Berlin: BVB-Trainer Thomas Tuchel.

(Foto: AFP)

Wieder verliert Dortmund nach einem großen Sieg in der Champions League - diesmal 1:2 bei Hertha BSC. Trainer Tuchel reagiert fast schon lakonisch.

Von Javier Cáceres, Berlin

Zu den bemerkenswerten Begebenheiten der laufenden Saison zählt, dass die Hertha aus Berlin gerade an starken Gegnern wächst. Am Samstag war das wieder zu beobachten: Nach einem überzeugenden Vortrag gegen den gefällig auftretenden Champions-League-Viertelfinalisten Borussia Dortmund siegten die Berliner mit 2:1. Damit bringt Hertha sich wieder in den Kampf um die Champions-League-Plätze der kommenden Saison ein. Denn die weiterhin drittplatzierten Dortmunder und der Tabellenvierte Hoffenheim sind nur noch drei beziehungsweise zwei Punkte von den Berlinern entfernt.

Ein derart famoser Ertrag war das Resultat eines über 90 Minuten lang wirklich guten Bundesligaspiels. Das vollbesetzte Berliner Olympiastadion bot die Bühne für das Aufeinandertreffen zweier Mannschaften, die hervorragend organisiert waren und zu jedem Zeitpunkt nach dem gegnerischen Tor suchten, von denen keine bereit war, auch nur einen Schritt zu viel zurück zu tun. Und es war gleichzeitig ein Spiel, das in seinen Wendungen so trügerisch war wie die Sonne über Berlin, die am Mittag noch so frühlingshaft wirkte und dann doch nicht wärmte.

Der trügerische Moment, der der Partie innewohnte, lag auch an dem blendenden Tempo und der Aggressivität, die der BVB mit Spielbeginn an den Tag legte. Es schien, als wollten sie nach ihrem rauschenden 4:0-Sieg gegen Benfica Lissabon vom Mittwoch einen möglichen Zweifel an Energiereserven nach dem Champions-League-Kraftakt gar nicht erst aufkommen lassen. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hatte vier neue Spieler aufgeboten: Matthias Ginter, Raphael Guerreiro, Shinji Kagawa und André Schürrle.

Ginters Unachtsamkeit bringt die Borussia aus der Bahn

Durch ebendiesen Schürrle kamen die Gäste kamen im vollbesetzten Berliner Olympiastadion auch umgehend zur ersten Chance. Doch der Weltmeister verzog aus halblinker Position, völlig freistehend. Hernach hatte Innenverteidiger Ginter im Anschluss an eine Ecke die Gelegenheit, den Ball im Tor der Berliner unterzubringen. Und das sollten die Vorboten für den "Mangel an Effektivität und Präzision", den Dortmunds Trainer Tuchel nach der Partie als den ausschlaggebenden Grund für die Niederlage beklagen sollte. Dass der BVB nach einem Champions-League-Sieg erneut in der Liga verlor? "So ist es halt", sagte Tuchel, "vielleicht ist es ja nur Zufall."

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Fataler als die vergebenen Gelegenheiten war aus Dortmunder Sicht freilich die Szene in der 10. Minute, die Ginter wieder zum Hauptdarsteller erkor. Er bekam einen Pass nicht unter Kontrolle und verlor den Ball an Herthas hellwachen Sturmveteranen Vedad Ibisevic. Herthas Kapitän entwischte dem Dortmunder Abwehrmann, düpierte ihn unterwegs noch mit einem Übersteiger und legte seinem Sturmkollegen Salomon Kalou den Ball mundegerecht auf: Kalou musste aus kurzer Distanz nur noch einschieben, um seinen sechsten Saisontreffer zu erzielen. "Wir haben das Tor durch eine Unachtsamkeit weggeschenkt", ärgerte sich Tuchel. Und Ginter gab zu: "Ich habe die Situation total unterschätzt und mir den Ball zu weit vorgelegt. Das darf natürlich nicht passieren."