3:3 gegen Hoffenheim Der BVB hat ein Führungsproblem

Bedient: BVB-Keeper Roman Bürki.

(Foto: AP)
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Lucien Favre dürfte sich aufgeregt haben. Für seine Genesung war das Geschehene nicht von Vorteil, hatte keinen therapeutischen Effekt. Der grippekranke Trainer hat das 3:3 (2:0)-Unentschieden von Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim im Fernsehen angeschaut und dabei telefonisch Kontakt mit seinem Trainer- und Analysten-Team gehalten. Die Mannschaftsansprache vor dem Spiel im Hotel hatte Favre sogar noch selbst gehalten.

Und zunächst lief auch alles perfekt. Bis zur 67. Minute hatte Dortmund eine 3:0-Führung herausgeschossen und sah bis zur 75. Minute wie der sichere Sieger aus. Doch Hoffenheim kam noch zurück. Ishak Belfodil (75.), Pavel Kaderábek (83.) und noch einmal Belfodil (87.) glichen den Rückstand für unermüdlich kämpfende Hoffenheimer binnen 13 Minuten aus.

Mit Favre und dem wegen muskulärer Probleme aussetzenden Kapitän und Spielmacher Marco Reus fehlten den Dortmunder gleich zwei wichtige Führungspersönlichkeiten, vielleicht auch deshalb vermochten sie die Hoffenheimer Aufholjagd nicht zu stoppen. Zum dritten Mal binnen einer Woche gaben die Dortmunder eine Führung her.

Hoffenheim zeigt in Dortmund enorme mentale Stärke

Favres Vertreter auf der Bank waren seine Assistenten Manfred Stefes und Edin Terzic. Der 36 Jahre alte Terzic, im Sauerland geborener Kroate, war im BVB-Nachwuchsbereich einst Co-Trainer unter Hannes Wolf und danach Co-Trainer von Slaven Bilic erst bei Besiktas Istanbul und dann bei West Ham United. Der 51 Jahre alte Rheinländer Stefes war bis 2017 insgesamt zwölf Jahre Assistent aller Trainer bei Borussia Mönchengladbach - von 2011 bis 2015 auch unter Favre. "Lucien Favre ist genauso enttäuscht wie wir alle", berichtete Stefes hernach vom Telefonat mit Favre. "Wir haben 75 Minuten gut gespielt und dann am Ende naiv verteidigt - das ist extrem bitter."

Beim BVB war viel Bewegung im Kader: Roman Bürki war zurück im Tor, Lukasz Piszczek zurück in der Abwehr, Jadon Sancho zurück im Angriff, Mahmoud Dahoud für den gesperrten Thomas Delaney im Mittelfeld und Maximilian Philipp für den verletzten Reus in der zentralen Offensive. Anfangs taten sich die Dortmunder noch ein bisschen schwer gegen aggressiv und dicht im 5-3-2 verteidigenden Hoffenheimer, doch nachdem Sancho (32.) und Mario Götze (43.) die 2:0-Pausenführung herausgeschossen hatten, schien alles auf einen Sieg hinauszulaufen.

Doch der Vorsprung täuschte. Schon vier Tage zuvor im Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen hatten die Dortmunder in der Verlängerung zwei Mal eine Führung verspielt - und im Elfmeterschießen verloren. Und auch im vorangegangenen Bundesligaspiel hatten sie beim 1:1 in Frankfurt eine Führung hergegeben.

Nagelsmann sagt: "Wir hatten Chancen für sechs oder sieben Tore"

Doch die 3:0-Führung diesmal hätten sie niemals verspielen dürfen. In der 67. Minute erzielte Raphael Guerreiro das 3:0. Der BVB sah wie der sichere Sieger aus, doch Hoffenheim zeigte enorme mentale Stärke. In der 75. Minute traf Sancho nach einem Konter nur den Pfosten. Es wäre das 4:0 gewesen und vermutlich auch der Sieg. Doch dann entglitt dem BVB die Partie. "Wir haben gespürt, dass noch etwas möglich ist", sagte Hoffenheims Florian Grillitsch. "Das spricht für unsere Moral", fügte Ermin Bicakcic hinzu. Dem Trainer Julian Nagelsmann war wichtig zu betonen, dass das Unentschieden verdient war: "Wir hatten Chancen für sechs oder sieben Tore."

Die Dortmunder gebrauchten hinterher alle das Adjektiv "bitter". Auch Terzic. "Die erste Halbzeit lief noch so, wie wir uns das vorgestellt hatten - die zweite nicht mehr." In gleich drei Spielen binnen einer Woche Führungen zu verspielen und aus keinem dieser Spiele als Sieger hervorzugehen, sei "ärgerlich" - "aber wir stehen immer noch auf Platz eins". Man nehme dieses Problem in Angriff. Terzic hofft, dass sich diese Schwäche nicht auf das Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel am Mittwoch bei Tottenham Hotspur in London auswirkt. Allerdings wären die Dortmunder dort mit einem Unentschieden gewiss zufriedener.

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