Borussia Dortmund in der Bundesliga:Der Torjägerroboter ist jetzt komplett

Borussia Dortmund: BVB-Spieler Mats Hummels und Erling Haaland

BVB-Stürmer Erling Haaland schießt Tore auf alle erdenkliche Arten - jetzt auch per Kopf. Das ist auch Mats Hummels (li.) aufgefallen.

(Foto: Matthias Koch /Matthias Koch/imago)

Erling Haaland rettet den BVB verlässlich mit seiner virtuosen Kunst. Mats Hummels prophezeit dem Stürmer eine schillernde Zukunft - denn er hat eine seiner wenigen Schwächen behoben.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Am Sonntagabend hat der Trainer Marco Rose eine offizielle Erling-Haaland-Warnung herausgegeben. Das ist sozusagen eine Unwetterwarnung für die Bundesliga. Es ist ja nicht so, dass die Fußballvereine in Deutschland, Europa, der Welt und den näheren Galaxien nicht ohnehin schon wüssten, was für ein Tor-Ungeheuer der 21 Jahre alte Norweger ist. Aber neuerdings trifft dieser Torjägerroboter auch noch per Kopf. Schon beim Dortmunder 4:3-Sieg in Leverkusen hat er eine Flanke lehrbuchmäßig per Stirn über die Torlinie gedrückt. Beim 4:2-Sieg am Sonntag gegen Union Berlin gelang ihm das wieder. "Wenn er diese Qualität jetzt auch noch dazubekommt", sagte daraufhin Rose, "hui - dann herzlichen Glückwunsch an alle, die noch so auf uns warten!"

Es gibt einen Augenzeugen, der weiß, dass das Kopfballspiel von Haaland sogar ziemlich schwach war, als er im Januar 2020 aus Salzburg nach Dortmund wechselte. Dieser Augenzeuge will gar nicht anonym bleiben. Der BVB-Abwehrchef Mats Hummels hat nach dem Sieg gegen Union beim Internetsender Dazn ohne Augenbalken und Stimmverzerrer offen auch Haalands Schwächen angesprochen, allerdings aus jenem guten Grund, dass diese Schwächen mittlerweile gar keine mehr sind.

"Seit er hier ist, hat er viel Kopfbälle geübt. Vorher hatte er ein ganz schwaches Kopfballspiel, aber Edin Terzic, Erling und ich habe dann oft Flanken trainiert, und dadurch, dass er sein Kopfballspiel so verbessert hat, kriegt er bestimmt noch zehn Saisontore mehr", prophezeite der Innenverteidiger. Das Besondere für Hummels an Haaland ist: "Er hat so viele Stärken und arbeitet zugleich an seinen Schwächen."

xjbx, Dortmund, Signal Iduna Park, 19.09.21, 1. Bundesliga: Borussia Dortmund - Union Berlin Bild: Von links nach rechts

Spielt jetzt auch mit Köpfchen: Erling Haaland (Mitte) setzt sich gegen die Berliner Verteidiger Robin Knoche (li.) und Marvin Friedrich durch.

(Foto: Joachim Bywaletz/Jan Huebner/imago)

Sieben Tore und damit genauso viele wie Bayern Münchens Robert Lewandowski hat Haaland in bisher fünf Ligaspielen dieser Saison erzielt: drei mit links, einen Elfmeter mit links, eines mit rechts und zwei per Kopf. Haaland, der mit seinen 68 Toren in 67 BVB-Pflichtspielen ohnehin schon für einen der besten Torjäger gehalten wird, die die Bundesliga je gesehen hat, entwickelt sich weiter zu einem kompletten Stürmer, einem, der Abschlüsse mit jedem Körperteil trainiert und demnächst bestimmt der erste Torschütze sein wird, der absichtlich mit Hüfte, Knie und Hinterteil einnetzt.

Um nach seinem zweiten Kopfballtreffer binnen neun Tagen nicht fortan auf ein Kopfball-Ungeheuer reduziert zu werden, hat er gegen Union kurz vor Schluss, als die Partie nach Berlins 2:3-Anschlusstreffer unerwartet noch einmal spannend zu werden drohte, einen hohen 50-Meter-Ball von Hummels aus vollem Lauf, mit einem einzigen Kontakt, im Fallen, als Lupfer über den Torwart Andreas Luthe hinweg, zum 4:2-Endstand verwandelt. Haaland ist ein Virtuose, der immer allen sein gesamtes Repertoire an Techniken beweisen will. "Die Treffer haben mal wieder alles gezeigt, was Erling ausmacht", sagte Rose: "Qualität, Technik, Auge, Wille und Finesse."

Hummels sagt: "Erling ist eine Torjäger-Maschine. Wenn er die Chance sieht, den Ball ins Netz zu jagen, dann hat er so ein Leuchten in den Augen, und ich behaupte mal, dass er für die nächsten 15 Jahre durchgängig einer der drei besten Stürmer der Welt sein wird."

Haaland rettet dem defensiv so anfälligen BVB regelmäßig den Allerwertesten

Wenn man etwas tut, was man eigentlich nicht darf, wenn man einfach alle Haaland-Tore und alle Haaland-Vorlagen aus den Ergebnissen dieser noch jungen Bundesliga-Saison herausrechnet, dann steht der Tabellendritte BVB mit nur noch zwei Punkten auf dem vorletzten Platz. Dann hätte er gegen Frankfurt 0:2 verloren statt 5:2 gewonnen (zwei Haaland-Tore, drei Vorlagen), dann bliebe das 1:2 in Freiburg unverändert, dann wäre der BVB gegen Hoffenheim über ein 2:2 nicht hinausgekommen (ein Tor), hätte in Leverkusen 1:3 verloren (zwei Tore, eine Vorlage) und gegen Union nur 2:2 gespielt (zwei Tore).

Haaland war bislang an zehn von 17 Dortmunder Bundesliga-Toren beteiligt. Diese zehn Treffer waren für zehn Punkte gut. Unter Berücksichtigung der elf Gegentreffer in fünf Spielen (mehr haben mit je zwölf nur Hertha und Stuttgart im Tabellenmittelfeld sowie mit je 13 die Schlusslichter Bochum und Fürth) muss man schlussfolgern: Haaland rettet dem defensiv so anfälligen BVB regelmäßig den Allerwertesten.

Gegen Union führte Dortmund nach einer knappen Stunde 3:0, kassierte zwei Gegentreffer und brachte sich in Gefahr. "Unser Problem liegt da im Spiel mit dem Ball", sagt Hummels, "wir müssen den Gegner dann mit dem Ball totspielen, müssen die Räume besser besetzen; wir verlieren zu viele einfache Bälle, spielen unseriös und nicht mehr erfolgsorientiert. Dadurch machen wir unsere Gegner immer wieder stark."

Für den Trainer Rose ergibt sich daraus ein weiteres Problem: "Es kostet Energie, wenn man einen Gegner, den man eigentlich im Griff hatte, ins Spiel zurückholt." In englischen Wochen spielt die Mannschaft alle drei bis vier Tage. "Wir brauchen diese Körner eigentlich."

In dieser Woche kann Rose seine Mannschaft mal aufs Erholen und Trainieren reduzieren. Am Samstagabend gastiert der BVB bei Roses ehemaligem Klub in Mönchengladbach. "Da steckt eine gewisse Brisanz drin", sagt der Trainer. Bedenken, sich am Niederrhein blamieren zu können, scheint er aber keine zu haben. Er hat ja Erling Haaland.

© SZ/tbr/sjo
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